Siggenthal
In der freien Natur lebt er seinen Bubentraum

Beni Steimer ist seit 40 Jahren als Forstwart tätig. Aber nicht nur die Bäume lassen sein Herz höher schlagen.

Carolin Frei
Drucken
Teilen
Beni Steimer beim Forstwerkhof in Untersiggenthal vor seinem ersten Insektenhotel, das er erstellt hat.

Beni Steimer beim Forstwerkhof in Untersiggenthal vor seinem ersten Insektenhotel, das er erstellt hat.

Carolin Frei

«Für mich war schon als Bub klar, dass ich einmal Forstwart werden möchte», sagt Beni Steimer, seit 40 Jahren als Forstwart im Siggenthal tätig. Sein Lehrer hingegen hätte ihn gerne als Eisenbähnler gesehen, wegen Beni’s grossen Wissens auf diesem Gebiet.

Aufgewachsen ist der 59-Jährige in Freienwil, wo er seinem Vater schon als Bub beim Holzen zur Hand ging. «Damals zogen wir die Stämme noch mit Pferden aus dem Wald», erinnert er sich.

Als er 1972 in Obersiggenthal die Lehre als Forstwart begann, hatten bereits Waldarbeitsmaschinen den Transport von geschlagenen Bäumen übernommen. Trotzdem war viel Handarbeit gefragt, die Arbeit körperlich anstrengend.

Nach der Lehre bewarb er sich um die freie Stelle in Untersiggenthal, zusammen mit zwei Berufskollegen. Beni Steimer bekam den Zuschlag. Seither steht er in diesen Gemeindediensten, ist für die Pflege des Waldes und als Springer im Werkdienst tätig.

«Es gibt keine schlechte Arbeit. Aber natürlich macht mir nicht alles gleich grosse Freude. Das Fötzele etwa ist nicht gerade mein Steckenpferd», sagt er und schmunzelt. Alles was mit Holz zu tun hat, lässt hingegen sein Herz höherschlagen.

Ob nun Baumpflege, Holz schlagen oder Holzprodukte zimmern. Kein Wunder, ist ihm doch von Hause aus das Handwerk des Schreiners nicht fremd. So erstaunt denn nicht, dass er bei der Verkleidung der Halle im Forstwerkhof an der Staldenstrasse im Aussen- und Innenbereich selbst Hand angelegt hat.

Auch Spielgeräte, Sitzbänke und anderes mehr – alles Auftragsarbeiten über die Gemeinde – fertigt er gerne an. Seine Hauptaufgabe ist jedoch nach wie vor die Pflege des Dauerwaldes. Setzen, pflegen und die Holzernte gehören dazu.

«Unsere Kernbäume sind Lärchen, Föhren, Tannen, Buchen und Eichen.» Sein Lieblingsbaum ist übrigens die Buche – der beste Sauerstoffproduzent unter den heimischen Bäumen.

In den letzten 40 Jahren hat Beni Steimer 23 Lernende erfolgreich ausgebildet. Und er ist froh darüber, dass in seinem Betrieb nie ernsthafte Unfälle passierten. Froh und dankbar ist er zudem über die grosszügige Honorierung, die ihm von seinem Arbeitgeber anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums im April zuteil wurde.

Über 35 Pflegekinder betreut

Etwas, das Beni Steimers Herz nebst der Waldarbeit höherschlagen lässt, ist die Drechslerei. Für Weihnachtsdekorationen im und ums Haus entstehen in seiner Werkstatt zu Hause etwa Schalen, Insektenhotels und vieles mehr. Kaufen kann man diese Artikel am Weihnachtsmarkt in Untersiggenthal.

Zudem hat der 59-Jährige die Freude an der Köhlerei entdeckt. Bei der Expertin Doris Wicki hat er sich das nötige Rüstzeug geholt, um selbstständig kleinere Meiler betreiben zu können.

«Im September würde ich dann gerne einen grösseren, aus drei Ster Holz, hier beim Forstwerkhof in Brand setzen.» An diesem Hobby schätzt er, dass sich die Köhler in Europa regelmässig treffen und austauschen.

Damit nicht genug, auch das Sammeln von Pilzen, gemeinsam mit seiner Frau Yvonne, steht regelmässig auf dem Programm. Jedes Gericht, das seine Frau für ihn und die Tageskinder auf den Tisch zaubert, enthält in irgendeiner Form einen selbstgesuchten Pilz. «Sie ist die beste Köchin, die ich kenne.»

Ferien – das ist für Beni Steimer beinahe ein Fremdwort. Ausser einer Woche im Tessin verbringt er seine freie Zeit lieber im Wald oder in seiner Drechslerwerkstatt. Aktuell zimmert er zusammen mit einem Tageskind einen Kaninchenstall.

«Meine Frau und ich betreuten in den letzten 25 Jahren über 35 Tageskinder. Im Moment gehen sechs bei uns ein und aus. Zu allen Ehemaligen pflegen wir Kontakt. Und wenn man sich im Auto unterwegs kreuzt, wird angehalten, um ein Schwätzchen zu halten.»

Wie bleibt man – ob all dieser Aufgaben – fit und munter? «Ganz einfach, früh aufstehen, eine erfüllende Betätigung an der frischen Luft und zeitig zu Bett gehen», meint er und schmunzelt.