Elektroautos

In der Energiestadt Baden schnell mal Strom tanken – unmöglich

Die Ladestation – keine Schnellladestation – vor dem Trafo wird über Park & Charge betrieben. Der Kunde muss dafür eine Parkkarte kaufen, um sich den Zugang zum Schlüssel zu verschaffen. Die Tankstelle wird durch die Regionalwerke kostenlos mit Strom versorgt, Park-&-Charge-Kunden bezahlen also nichts für den Strom.

Die Ladestation – keine Schnellladestation – vor dem Trafo wird über Park & Charge betrieben. Der Kunde muss dafür eine Parkkarte kaufen, um sich den Zugang zum Schlüssel zu verschaffen. Die Tankstelle wird durch die Regionalwerke kostenlos mit Strom versorgt, Park-&-Charge-Kunden bezahlen also nichts für den Strom.

Schnellladestationen für Elektroautos sucht man in der Stadt Baden vergeblich – die ABB wünscht sich solche, doch die Signale aus der Stadt sind eher zurückhaltend.

In der Schweiz gibt es immer mehr Elektrofahrzeuge  – Ende 2014 waren es 4439. Diesen Autos stehen schweizweit rund 1000 Stromtankstellen zur Verfügung. Davon sind über 70 Schnellladestationen – Stationen an denen man sein Elektroauto in rund einer halben Stunde aufladen kann.

Doch ausgerechnet in Baden – Hauptsitz der Technologiefirmen ABB, Alstom und Axpo und regiert von einer grün-roten Mehrheit – sucht man solche Schnellladestationen heute noch vergeblich.

Ein Umstand, den auch Marco Grunauer bedauert. Der Badener ist bei der ABB für die Schnellladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge verantwortlich. Der lokal ansässige Technologiekonzern ABB ist mit seinen Schnellladegeräten globaler Markt- und Technologieführer und rüstet schon seit Jahren die grossen Netzwerke in Europa und Übersee aus.

«Die Schweiz hinkt zwar im mittel- und nordeuropäischen Vergleich noch etwas hinterher, doch nun tut sich etwas», so Grunauer. So wurde jüngst bekannt, dass die Genossenschaft Elektro Baselland (EBL) bis 2018 insgesamt 10 000 Elektrofahrzeuge in der Nordwestschweiz auf die Strasse bringen will und zu diesem Zweck im ganzen Versorgungsgebiet 60 Ladestationen zu bauen beabsichtigt.

«Die Region Baden kann den Steilpass annehmen und ihre Potenz als bedeutender Bezirk unter Beweis stellen und dieses Netzwerk weiterflechten.»

Grunauer findet, Baden als Energiestadt müsste doch den Ehrgeiz haben, dass hier Elektrofahrzeuge einst schnell aufgeladen werden können. «Nur schon aus Image- und Standortüberlegungen ist Baden mit den Weltkonzernen Alstom und ABB und dem Energieriesen Axpo, als Verkehrsknotenpunkt und der Nähe zum nationalen Schnellstrassennetz prädestiniert, ein Signal in Richtung Mittelland zu senden.»

Es stünden denn auch einige Projekte an Standorten an, die sich für Ladepunkte eignen. «So können die Therme, das Kurtheater, der Brown-Boveri-Platz oder ganz zentral auch der Schulhausplatz mit Ladeinfrastruktur aufgewertet werden.»

Die ABB beabsichtige schon länger, auf dem neuen Brown-Boveri-Platz drei Schnellladestationen zu errichten. Doch weil sich der Bau des Platzes verzögert, sieht es auch nicht nach einer baldigen Realisation der Ladestationen aus.

Grunauer: «Auch Dättwil und Wettingen/Neuenhof mit den Autobahnab- und -auffahrten sind sehr geeignet, wobei man mit der Raststätte Würenlos einen sehr wichtigen und potenten Standort hat, um das Versorgungsnetz bis vor die Tore Zürichs zu schliessen.»

Bedürfnis überhaupt gegeben?

Doch die Signale aus der Stadt deuten nicht darauf hin, dass bald Schnellladestationen erstellt werden. «Der Handlungsspielraum in Bezug auf das Erstellen von Ladestationen ist in Baden derzeit beschränkt, weil das momentan gültige Energieleitbild 2006 keine solchen Aktivitäten vorsieht», sagt Simon Solenthaler, seit einem Jahr Energie-Fachspezialist bei der Abteilung Entwicklungsplanung.

Man sei aber derzeit an der Ausarbeitung des Energieleitbilds 2016. «Und in diesem geniesst auch das Thema Elektromobilität ein grosses Gewicht», so Solenthaler.

Zu klären gelte es vor allem die Fragen, wer diese Stationen betreibt und wo diese am besten zu stehen kommen. Eines steht für ihn fest: «Es braucht eine flächendeckende Lösung. Es müssen alle am gleichen Strick ziehen.»

Konkreter äussert sich Martin Sennhauser, Leiter Energiefachstelle bei der Regionalwerke Baden AG: Natürlich sei Elektromobilität ein sehr grosses Thema, weshalb man auch in Baden verschiedene Projekte – unter anderem in Parkhäusern – angeschaut habe.

«Dabei hat sich gezeigt, dass das Bedürfnis nach Ladestationen für den Lokalverkehr gar nicht so gross ist.» Denn die meisten Autos verfügten heute über genügend Reichweite, sodass sie zu Hause aufgeladen würden. Unter dem Strich habe sich aber vor allem gezeigt, dass es fast unmöglich ist, solche Stationen wirtschaftlich zu betreiben.

«Wenn man an einem Ort zwei, drei Schnellladestationen erstellen will, muss man schnell einmal die lokale Stromzuleitung verstärken. Teuer ist dabei nicht in erster Linie die Energie selber, sondern der Unterhalt und der Betrieb der ganzen Zahl- und allenfalls Reservations-Infrastruktur sowie die Amortisation der Anlage.»

Für den Fernverkehr seien solche Schnellladestationen an verkehrstechnisch guten Positionen jedoch wünschenswert und zunehmend auch nötig.

Strom tanken an jeder Raststätte

Die Zahlen geben Sennhauser recht. Alleine im Kanton Aargau hat sich die Zahl der Elektorautos 2014 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Schweizweit wurden letztes Jahr über 1700 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, was einer Zunahme von 65 Prozent entspricht.

«Damit dieser positive Trend anhalten kann, ist ein gut ausgebautes Netz öffentlich zugänglicher Ladestationen zentral», sagt Philipp Walser, Leiter Fachstelle Elektrofahrzeuge bei «E’mobile», dem Schweizerischen Verband für elektrische und effiziente Strassenfahrzeuge.

«Mit 1000 Stromtankstellen ist die Schweiz weltweit eines der Länder mit der höchsten Stromstankstellen-Dichte», sagt Walser. Um die Anzahl der Tankstellen weiter zu steigern und somit auch die Attraktivität von Elektrofahrzeugen, arbeitet der Bund derzeit einen Masterplan aus.

«Heute gibt es grosse regionale Unterschiede und viele Insellösungen», sagt Walser. Ziel des Masterplans sei es unter anderem, die Anzahl der Ladestationen zu erhöhen, indem zum Beispiel jede Autobahnraststätte eine Ladestation erhält.

Hier finden Sie die Karte mit den Stromtankstellen in der Schweiz.

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