Die Einöde des Südstaaten-Kaffs, das Schauplatz für «Die Ballade vom traurigen Café» ist, wird auf der Bühne des ThiKs, Theater im Kornhaus, nur mit drei verwitterten Brettern dargestellt. Die ganze Szenerie vermittelt Hitze und Einsamkeit. Cornelia Montani, Joe Fenner, Daniel Schneider und Kristian Trafelet sitzen in Farmerkluft auf rostigen Tonnen und alten Holzkisten. Man spürt, dass die Vier innerlich hoch konzentriert sind. Denn sie werden in ihrer Mundart-Version der tragischen Dreiecksbeziehung von Miss Amalia, ihrem Ehemann Marvin Macy und dem buckligen, zwergwüchsigen Vetter Lymon gleichzeitig Akteure und Geschichtenerzähler sein, dazu Live-Musik auf mehreren Instrumenten machen und singen. Das Verweben der verschiedenen Elemente zu einer manchmal geradezu beklemmenden atmosphärischen Dichte gelingt ihnen schon bei der Premiere absolut hervorragend. Dabei verzichten sie in der spröden optischen Umsetzung ihres musikalischen Erzähltheaters unter der Regie von Klaus Henner Russius auf jeglichen Schnickschnack.

Carson McCullers Novelle «Die Ballade vom traurigen Café» gehört zu den Klassikern der amerikanischen Literatur. Die Schriftstellerin (1917 bis 1967) beschäftigte sich immer wieder mit dem tragischen Schicksal kontaktarmer Aussenseiter. Und deren vergeblicher Suche nach Liebe. So führt die eigenbrötlerische Miss Amelia mit sturer Unerbittlichkeit den Laden ihres verstorbenen Vaters weiter und brennt illegal Whiskey. Sie heiratet einen Mann, der sie vergöttert, vollzieht die Ehe mit ihm aber nie. Der Verschmähte, selber ein dreister Frauenheld, wird kriminell und landet im Zuchthaus. Dort schwört er Vergeltung. Amelia schenkt ihre Zuneigung und ihr Vertrauen wiederum einem zwergwüchsigen Mann, der ihre Gefühle missbraucht. Doch sie blüht für kurze Zeit auf.

Katastrophe ist vorprogrammiert

Amelia eröffnet ein Café, wo sich die ganze Stadt trifft. In der trostlosen Abgeschiedenheit scheint so etwas wie Menschlichkeit aufzukeimen. Doch sie ist von kurzer Dauer. Immer mehr gewinnen Wut, Neid und Hass Oberhand. Die Katastrophe ist vorprogrammiert. Am Ende liegt alles, was kurze Zeit Seele des Städtchens gewesen war, in Trümmern. Begleitet wird diese Zerstörung durch bluesgeschwängerte Musik. «Die Ballade vom traurigen Café» spielt zwar in den Südstaaten der USA, beleuchtet aber Lebensthemen, die alle betreffen: menschliche Unzulänglichkeiten, unerfüllte Liebe und Andersartigkeit. «Ich will in meinem Theaterproduktionen Schicksale erzählen, die Menschen berühren, weil sie darin ein Stück ihrer eigenen Geschichte erkennen», sagt die in Winterthur lebende Montani dazu.

Aufführungen: «Die Ballade vom traurigen Café». ThiK Theater im Kornhaus, Baden. 15. 01., 20.15 Uhr; 16. 01., 17 Uhr.