Wettingen

Im Tägi gibt es «Little Wettingen» als Labyrinth im Maisfeld zu bestaunen

Der historische Ortskern der Gemeinde mit all seinen Strassen, Kreiseln und Plätzen wurde ins Maisfeld beim Tägi geschnitten.

Von der Zentralstrasse links die Jurastrasse hinunter zum Kreisel? Oder doch lieber aussen rum über die Zirkuswiese? Diese Frage stellt sich im täglichen Leben wohl weniger, und man geht seine gewohnten Wege. Doch Sandro Sozzi und Andreas Benz haben den historischen Ortskern von Wettingen massstabgetreu in ein 36000 Quadratmeter grosses Maisfeld gleich neben dem Tägi-Parkplatz geschnitten. Mitsamt allen Kreiseln, Plätzen und Gässlein. Die Zentralstrasse und die Landstrasse sind entsprechend breit und ausladend, und man kann bequem nebeneinander oder mit dem Kinderwagen durch das Maisfeld spazieren, während andere kleine Strassen nur knapp den Durchgang für eine Person ermöglichen.

Die beiden Initianten haben das Zentrum von Wettingen mit sehr viel Liebe zum Detail nachgebaut – oder wohl besser rausgeschnitten. So sind die Strassen fein säuberlich mit Strassenschildern versehen, und auch die Bushaltestellen sind eingefräst und markiert. Angesät haben Benz und Sozzi gewöhnlichen Futtermais, der danach wie üblich geerntet und zu Tierfutter verarbeitet wird.

«Little Wettingen» auf 36 Hektaren

Zusammen mit Ingenieur Patrik Schönenberger haben sie die ganze Karte von Wettingen heruntergerechnet, verkleinert und auf 36 Hektaren nachgebildet. Gemäht wurde, als der Mais noch kleiner war. An einem Pfosten wurde ein Sender befestigt und am Laptop das GPS-Signal verfolgt. So konnten alle Strassen, Plätze, Kreisel und Strässchen im Mais nachgezeichnet werden. «Aber es hilft natürlich auch, dass wir Wettingen gut kennen», meinen die beiden mit einem Lachen.

Entstanden ist die Idee im Zusammenhang mit der Planung für das grosse Jubiläumsfest «975 Jahre Wettingen – Atmosphäre». Das Fest wurde bekannterweise aufgrund der Coronapandemie ersatzlos gestrichen. «Das ist natürlich schade», bedauert Umweltingenieur Sozzi, der auch auf dem elterlichen Hof mitarbeitet. Kennen gelernt haben sich die beiden Initianten aber nicht in der Landwirtschaft, sondern in der Politik. Benz ist seit 2014 im Einwohnerrat, und Sozzi ist seit zwei Jahren Gemeinderat in Wettingen.

20 Wettingen-Bilder vom Historischen Museum

Ihre Idee wollten sie trotz Corona durchziehen. Und das ist auch in diesen komplizierten Zeiten möglich. «Wir sind draussen, es hat viel Platz, und man kommt sich nicht gegenseitig in die Quere», erklärt Benz. Sie hoffen, mindestens gleich viele Besucher ins Maisfeld beim Tägi locken zu können wie in den letzten drei Jahren, als sie ein Fantasiemuster als Labyrinth in den Mais gezeichnet und geschnitten haben. Die letzten Jahre kamen jeweils rund 10000 Besucher. Viele aus der Region, aber auch aus der ganzen Deutschschweiz. Einzig die Festwirtschaft musste heuer aufgrund der Auflagen redimensioniert werden.

Fast alles wurde detailgetreu nachgebaut. Zudem hat das Historische Museum Baden aus 2000 Bildern die 20 besten ausgewählt. Diese wurden vergrössert und digitalisiert und zeigen einen eindrücklichen Blick auf Wettingen von gestern und heute. So sieht man historische Aufnahmen der Landstrasse, aber auch das neu ­erbaute und damals sehr moderne Rathaus mit den Hoch- häusern oder das Kloster Wettingen, als es noch kein Kraftwerk gab. Eine eindrückliche Reise durch die Entstehungsgeschichte des grössten Dorfes der Schweiz. Einzig die Strassenlampen fehlen.

Offen ist das «Little Wettingen» bis am 23. August von 11 bis 19 Uhr und am Freitag und Samstag jeweils eine Stunde länger. So lange kann man sich überlegen, wie man jetzt von der Zentralstrasse am besten und schnellsten durch das nachgebaute Wettingen auf die Landstrasse kommt.

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