Baden

Im Schlafzimmer der Boveris wird nun getagt

Die Villa Boveri ist zum 120. Geburtstag umgebaut worden. 2,7 Millionen Franken flossen in die Erneuerung. Die Stiftung reagiert damit auch auf den wachsenden Bedarf an Seminarräumen.

Am Ländliweg, erhöht über dem westseitigen Limmatufer, folgen einige stattliche Herrschaftshäuser aus vergangenen Zeiten. Wer an der Zufahrt des Parkhauses Ländli vorbeigeht, dessen Blick geht durch die Eisenstäbe des Eingangstors hindurch und schweift über das Park-Areal zu einer der stattlichsten Villen in Baden. Die Villa Boveri wurde 1897 als Wohnsitz der Familie von Walter Boveri, Gründer der Brown Boveri und Companie, Vorgängerin der ABB, fertig erstellt. Seit vielen Jahren dient sie als Haus für Tagungen, Seminare, Kultur und Gesellschaftsanlässe.

2,7 Mio. Franken investiert

Bei den jüngsten Eingriffen in den vergangenen beiden Jahren erfuhr auch das Dachgeschoss einen Umbau. Die letzten Wohnzimmer wurden zu hochwertigen Seminarräumen umgestaltet. Auslöser dafür war die Kündigung einer der beiden Wohnungen durch die langjährige Mieterschaft gewesen. Insgesamt investierte die Stiftung dabei 2,7 Millionen Franken in die Historismus-Villa und in deren Zukunft, denn damit könne der gestiegene Bedarf an Seminarräumen gedeckt werden, erklärt Irène Kuttler, Geschäftsführerin der Wohlfahrtsstiftung und damit Hausherrin.

Heute lasse sich die Villa Boveri nicht mehr so einfach definieren wie damals, sagt Kuttler. Sie sei ebenso Seminarhaus wie Kulturhaus oder Ort für gesellschaftliche Anlässe. Besprechungen, Workshops, klassische Konzerte oder Apéros zu einem Jubiläum oder einer Pensionierung wie auch Hochzeiten würden im Haus oder im Park stattfinden, wie es gerade komme.

Exklusivität ist wichtig

Die Attraktivität der Villa Boveri mit ihrem Park und deren Einmaligkeit liegt auch an der Lage als Oase mitten in der Stadt. Nebst der Qualität der Räume falle die Exklusivität ins Gewicht: «Wer kann schon eine Sitzung im Schlafzimmer eines Industriellen wie Walter Boveri, des BBC-Gründers anbieten?», sagt Kuttler mit einem Augenzwinkern. So war der heute als «Mahagonizimmer» im Angebot aufgeführte Raum das frühere Schlafzimmer von Herrn und Frau Boveri, das «Clubzimmer» und das «Herrenzimmer» waren die Schlafräume ihrer Kinder.

Wenn auch die Raumangebote für Seminare und Tagungen rundherum gewachsen sind, muss Irène Kuttler nicht darum bangen, die Villa Boveri zu wenig auslasten zu können. Rund zwei Drittel aller Seminaranlässe gehen nach wie vor auf die Industrieunternehmen ABB und GE zurück. «Freie Kapazitäten geben wir gerne an Dritte ab, an Unternehmen, Vereine, Behörden, Parteien und andere», sagt die Geschäftsführerin. Die beiden Grossfirmen würden wie auch andere Unternehmen, Organisationen oder Privatpersonen die Räume zudem für Feierlichkeiten nutzen.

Kultur, Kulinarik, Geschäft

Neun Veranstaltungs-Gefässe, von «Kreative Küche» über «Classics» bis zu «Musik im Park», sind in der Villa Boveri zu Hause. «Wir haben dreierlei Räume: Gesellschaftsräume wie Esszimmer, Hallen, Musikzimmer und Gartensaal, dann Sitzungszimmer sowie Seminarräume, und darüber hinaus einen wunderschönen grossräumigen Park mit Badehaus und dessen Terrasse», erklärt Kuttler. Wie die Villa selber sei ebenso der Park in seiner Kombination von englischem Landschafts- und französischem Barockgarten zweifellos einmalig in der Schweiz, fügt sie an.

«Der Grund für die unterschiedliche Wahrnehmung der Räume liegt in der Art, wie wir über sie verfügen können», schwärmt Kuttler. Die Kultur werde als Vehikel genutzt, um den Stiftungszweck, die Begegnung, zu fördern. So beinhalten alle Anlässe einen gesellschaftlichen Teil. Mit Küchenchef Urs Richner und dem Team kann bei den verschiedenen Anlässen auch das leibliche Wohl der Gäste abgedeckt beziehungsweise ihre kulinarischen Bedürfnisse erfüllt werden.

1943 wurde der ganze Sitz von der Familie Boveri an die Brown Boveri & Cie verkauft und von dieser während 50 Jahre als sogenanntes Clubhaus genutzt. 1984 erfolgte der Einbau von Wohnungen und Büros im zweiten Geschoss. Unter der Führung der sogenannten Wohlfahrtsstiftung erfolgten zwischen 1993 und 1996 Umbau und Renovation unter strenger denkmalpflegerischer Begleitung.

DJ Bobo besuchte im April 2017 die Villa Boveri:

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