Abseits des grossen Kunsttrubels in Basel fand am Wochenende die Vernissage von «Raumfahrt», einer neuen Ausstellungsreihe im Museum Langmatt in Baden, statt. Den Auftakt machten vier Künstlerinnen und Künstler, die aufgefordert wurden, den Begriff Raum durchaus ernstzunehmen: Ausgestellt wird nicht im Museum, sondern im luftigen, grossen Keller des Gebäudes, zu dem die Werke und Installationen in Dialog treten.

Olivia Abächerli (Jahrgang 1992), Jonas Burkhalter (1983), Bettina Diel (1975) und Chris Hunter (1983) reflektieren in ihren Kunstwerken den Raum ausser- und unterhalb der «Langmatt» und die Perspektive auf das Museum «von unten». Die Objekte sind von unaufgeregter Einfachheit: Sie usurpieren den Raum nicht, sondern fügen sich in ihn ein und lenken den Blick auf seine Eigenarten, seine ehemalige Funktion und Geschichte.

Die erste Ausstellung der neuen Reihe steht unter dem Titel «Wieder hungrig?» und stellt die Frage nach der Darstellbarkeit gesellschaftlicher Fragmentarität. «Gemeint ist das Gefühl zunehmender Unsicherheit im gesellschaftlichen Gefüge, die mit den Umwälzungen in der heutigen Wissensgesellschaft einhergeht. Die Künstlerinnen und Künstler nähern sich in ihren Arbeiten vielschichtigen Symptomen wie Instabilität, Zerbrechlichkeit und Unübersichtlichkeit», erklärt Daniela Minneboo, wissenschaftliche Assistentin, die von ihr kuratierte Ausstellung.

Flüchtigkeit von Interaktionen

Burkhalters meterhohe Lichtinstallation «Fly me to the moon» macht etwa gleichermassen auf die Dimension des Raumes aufmerksam wie auf die Gleichzeitigkeit von Instabilität und Gleichgewicht. Abächerlis Videoarbeit «Persönlich ist politisch» nimmt auf die Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit menschlicher Interaktionen Bezug, indem sie animierte Zeichnungen von Figuren und Formen entwickelt, nur um sie im nächsten Moment wieder in sich zusammenfallen und verschwinden zu lassen.

Von der Scheinhaftigkeit starrer Ordnung zeugt auch Diels Kugelinstallation «Grinding souvenir». In fast jede Öffnung des Abflussdeckels in der Mitte des Raumes setzt sie steinerne Kugeln, die wie antike Geschosse anmuten. Und auch Hunters Arbeiten reflektieren den Raum in seiner Fragilität. Mit Schablonen malte er etwa ein Muster an die Wand, das einen ursprünglichen Wasserfleck vor der Renovation wieder erahnen lässt – wenn man nur genug weit davon entfernt steht.

Die Vernissage zur neuen Ausstellungsreihe «Raumfahrt» war sehr gut besucht: Über hundert Kunstinteressierte huldigten der grossen Kunst im kleinen Raum – jenseits der Effekthascherei.

«Raumfahrt»: Die neue Ausstellungsreihe läuft noch bis zum 24. September. Museum Langmatt, Baden.