Baden
Im Badener Royal ist die wohl frivolste Party des Jahres gestiegen

Weihnachten geht auch anders – zum Beispiel mit dem Cabaret Bizarre. Die schräge Show macht in diesem Jahr zum zweiten Mal Halt in Baden. «Cabaret Bizarre ist kein Kostümfest, sondern ein Lebensstil», sagt der künstlerische Leiter Teka.

Ursula Burgherr
Merken
Drucken
Teilen
Burlesque-Tänzerin Luna Mika...

Burlesque-Tänzerin Luna Mika...

Ursula Burgherr

Der Barman im Royal Baden trägt eine goldene Maske und schenkt dem Zweimeter-Riesen mit Lack-High-Heels und Kunstwimpern einen Drink ein.

Daneben steht ein schwarzer Engel mit Heiligenschein aus Schwanenfedern und Ballettröckchen und tippt fleissig SMS. Das Publikum ist bei Cabaret Bizarre Teil der Show. Der Dresscode: fetisch angehaucht, etwas morbid und sehr sexy. Lack und Leder dominiert, vor allem bei den Herren.

Die Damen bevorzugen eng geschnürte Mieder und zeigen viel Bein in edlen Strumpfwaren. «Hier kann ich mich selber sein und werde nicht als Freak oder Schwuchtel bezeichnet», sagt Alu aus Dornach, der schon lange Fan des Events ist, und blinzelt durch seine Schlangenaugen-Kontaktlinsen.

Teka aus Wettingen agiert als künstlerischer Leiter des Cabaret Bizarre, das seit Jahren durch verschiedene Städte im In- und Ausland tourt.

Er hat die Show letztes Jahr erstmals nach Baden gebracht und bezeichnet sie als «ausschweifende und dekadente Party». «Cabaret Bizarre ist kein Kostümfest, sondern ein Lebensstil», erläutert er, «wir feiern, wie wenn es kein Morgen gäbe.»

«Nichts ist erfunden»

Frenetischer Applaus als Jack Woodhead aus Manchester die Bühne betritt. Vom Transvestiten-Look her erinnert er an Dr. Frank N. Furter aus der Rocky Horror Picture Show.

Zwischen den Nummern spielt er Chopin, singt Lieder über sein edelstes Gemächt und Sadomaso. Witzig und munter erzählt der Conférencier, wie er am Flughafen in Berlin gefilzt wurde und sämtliche Sextoys auspacken musste; oder mit seiner vier Meter langen Federboa im Aufzug eines Hare-Krishna-Tempels stecken blieb.

Ist das alles aus seiner Fantasie geboren? «Nein, nichts ist erfunden», versichert er in der Garderobe, «all diese Dinge sind mir wirklich passiert.»

Nadeln und Korkenzieher in der Nase

Die Showblöcke erinnern an das Cabaret der 20er-Jahre. Ob es damals schon so frivol zuging, ist allerdings fraglich. Burlesquetänzerin Luna Mika aus Strasbourg strippt edel und giesst blutrote Farbe und Kerzenwachs über ihre Rundungen.

Die Donnerwetters (Amsterdam/Berlin) wälzen sich auf Scherben und einem Nagelbett. «Frau Donnerwetter» entblättert sich zu Weihnachtsliedern und betätigt sich als Feuerschluckerin.

Ihr Partner «Herr Dokter» sticht sich – ohne Blutvergiessen – riesige Nadeln und Korkenzieher durch die Nase. Im wahren Leben arbeitet er als Coiffeur. «Wir lieben es, das Publikum zum Lachen zu bringen und gleichzeitig zu schockieren», sagen die beiden nach ihrer Bühnenperformance. Und erklären zu ihrer Arbeit: «Wir trainieren hart für unsere Auftritte. Es braucht 100-prozentige Konzentration und man muss auch Schmerzen aushalten können.»

Gefeiert wird noch bis in den Morgen. Als Dessert gibt es zu später Stunde eine heisse Bondage-Show mit Michael Ronsky & Anna.