Remetschwil

Ihr Traum sind die olympischen Spiele

Die Badmintonspielerin Ronja Stern absolviert ein Marathonprogramm, um ihren Olympia-Traum zu verwirklichen. Sie stellt sich der Herausforderung Spitzensport und Ausbildung.

Im Frühling klingelte das Mobiltelefon von Ronja Stern aus Remetschwil. Ein Anruf aus Deutschland. Am anderen Ende der Leitung war Martin Lemke, der Coach des Badmintonclubs Beuel, dem amtierenden Vizemeister der deutschen Bundesliga. Er rief an, um Ronja Stern für die kommende Saison einen Platz im Team des BC Beuel anzubieten. «Ich war sehr überrascht von dieser Anfrage, denn sie kam für mich völlig unerwartet», blickt Ronja Stern zurück, die bis zum Ende der letzten Saison noch für das Team Argovia in der Nationalliga A aufgelaufen war.

Die Freude über die Chance, in Deutschland zu spielen, war jedoch riesig. Der BC Beuel ist für Ronja Stern nämlich so etwas wie die Traumdestination in der Deutschen Bundesliga, die im Vergleich zur heimischen Interclub-Meisterschaft ein viel höheres Niveau aufweist. Ronja Stern kennt den Verein seit vielen Jahren, denn die Familie der 21-jährigen Remetschwilerin stammt aus Bonn — dort ist auch der BC Beuel beheimatet. «Ich kenne einige Leute im Verein und habe auch schon dort trainiert, als ich bei meinen Verwandten im Urlaub war. Für mich war daher klar, dass ich unbedingt für Beuel spielen will, wenn ich einmal die Chance erhalten sollte, in der Bundesliga zu spielen», so Stern.

Ein voller Terminkalender

Obwohl mit dem Angebot des BC Beuel ein kleiner Traum in Erfüllung ging, konnte Ronja Stern nicht sofort zusagen. Das Engagement in der Deutschen Bundesliga ist sportlich zwar äusserst interessant, aber auch sehr zeitintensiv. An rund zwölf Wochenenden pro Jahr stehen Einsätze in der Meisterschaft auf dem Programm. Und die dauern mit Hin- und Rückreise jeweils zwei oder gar drei Tage —– je nachdem ob eine Einzel- oder eine Doppelrunde auf dem Programm steht. Eine grosse zeitliche Belastung für Ronja Stern, deren Terminkalender ohnehin schon vollgepackt ist.

Seit Sommer 2017 lebt die derzeit drittbeste Schweizer Badmintonspielerin in Bern, wo sie im Nationalkader neun Trainingseinheiten pro Woche absolviert. Daneben bestreitet sie regelmässig internationale Turniere — rund 15 im Jahr —– und arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum. Eigentlich wäre der Plan gewesen, diesen Sommer anstelle ihres Jobs bei der SBB ein Informatikstudium zu beginnen. Doch nach dem Anruf aus Deutschland stellte sich plötzlich die Frage: Ist das nicht zu viel? Lassen sich Training, Turniere, Studium und die Bundesliga wirklich miteinander verbinden?

Hohe Ziele

«Ich habe mir das sehr lange überlegt. Nicht zuletzt deshalb, weil es mir sehr schwer fiel, das Team Argovia zu verlassen. Wir sind über die Jahre eine kleine Familie geworden und verstehen uns auch privat sehr gut. Ich habe mich dann aber schliesslich entschieden, etwas ,Dummes’ zu machen», sagt Ronja Stern lachend. «Ich gebe nun überall Vollgas: Ich trainiere weiterhin neun Mal pro Woche im Nationalkader in Bern, bestreite regelmässig internationale Turniere, spiele für den BC Beuel in der Bundesliga und habe mein Informatikstudium an der Uni Bern begonnen, an der ich rund 40 Prozent studiere.»

Bislang geht dieses Mammutprogramm auf. Und das nicht zuletzt wegen den Einsätzen in Deutschland. «In der Bundesliga zu spielen, bringt mich enorm vorwärts. Ich habe ganz viele neue Anreize und noch mehr Motivation. Das hilft mir auch in allen anderen Bereichen weiter», freut sich Ronja Stern, die in der Hinrunde immerhin zwei von sieben Partien gewinnen konnte. In der Rückrunde rechnet sie sich durchaus Chancen auf mehr Siege aus, denn einige Niederlage sind nur ganz knapp ausgefallen.

Dass sich Ronja Stern in der Bundesliga regelmässig mit absoluten Weltklassespielerinnen messen kann, ist für ihre sportliche Entwicklung äusserst wertvoll. Denn die 21-Jährige, die seit diesem Sommer in einer reinen Sportler-WG mit zwei weiteren Badmintonspielern und einer Radrennfahrerin wohnt, hat sich hohe Ziele gesteckt. Sie will so bald wie möglich die Top 100 der Weltrangliste knacken. Aktuell steht sie auf Position 144.

Wichtiges 2019

Wenn sie dieses Ziel in den kommenden Monaten erreicht, hat sie auch realistische Chancen, sich im August 2019 für die Heim-WM in Basel zu qualifizieren. So oder so ist das nächste Jahr für Stern ein wichtiges Jahr. Zusätzlich zur Heim-WM beginnt nämlich die Qualifikationskampagne für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und die Teilnahme an Olympia ist das ganz grosse Ziel von Ronja Stern.

Meistgesehen

Artboard 1