Baden
«Ich wusste, hier gehöre ich hin»: Deborah Schenker tritt als neue «Hope»-Leiterin in grosse Fussstapfen

Deborah Schenker ist die neue Geschäftsleiterin des Sozialwerks Hope in Baden. Die Nachfolgerin von Daniela Fleischmann sah ihren Weg zuerst woanders.

Claudia Laube
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Deborah Schenker war vorher noch nie in Baden, jetzt leitet sie hier das «Hope».

Deborah Schenker war vorher noch nie in Baden, jetzt leitet sie hier das «Hope».

Sandra Ardizzone

Deborah Schenker tritt in grosse Fussstapfen: Sie hat neu die Geschäftsleitung des christlichen Sozialwerks Hope an der Stadtturmstrasse in Baden übernommen. Ihre Vorgängerin Daniela Fleischmann hat nach über 13 Jahren das Zepter an sie übergeben. Fleischmann hat das Sozialwerk geprägt. Menschen am Rande der Gesellschaft erhalten hier Unterstützung, Essen und wenn nötig ein Bett. Die erste Notschlafstelle im Kanton wurde von ihr initiiert.

Die 43-jährige Schenker weiss um die Verdienste ihrer Vorgängerin: «Ich staune, was sie alles aufgebaut und erreicht hat», sagt sie. Die Möhlinerin kannte bis letzten Sommer aber weder das Sozialwerk noch war sie jemals in der Stadt Baden. In beides hat sie sich gleich beim ersten Vorstellungsgespräch verliebt: «Ich wusste sofort, hier gehöre ich hin.»

Gar ein Umzug käme für sie und ihre Familie eines Tages in Frage. «Meine beiden Kinder sind bereits junge Erwachsene und studieren. Wir sind als Familie also ziemlich flexibel», sagt sie. Erst einmal möchte sie an ihrer neuen Stelle ankommen. Wegen der Coronapandemie konnte sie im Hope noch gar keinen normalen Alltag kennen lernen.

Deborah Schenker im Hope.   

Deborah Schenker im Hope.   

Sandra Ardizzone

Schenker hat bereits mit 17 Jahren geheiratet. Das habe sicher auch damit zu tun, dass sie evangelisch aufgewachsen ist, sagt sie. Der Glauben begleitet sie von klein auf. Schon lange engagierte sie sich ehrenamtlich in Kirchen. Vor 20 Jahren begann die gelernte medizinische Praxisassistentin in der Nachtwache eines Altersheims zu arbeiten.

«Ich habe meinen Weg eigentlich in der Gerontologie gesehen», erklärt sie. Ihr Plan war, eines Tages ein Altersheim zu leiten. Im Möhliner Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach hatte sie erst in der Nachtwache begonnen, am Schluss leitete sie den Bereich Aktivierung. «Ich merkte aber im letzten Jahr, dass nun eine neue Phase kommt.» Ihr Mann habe dann das Stellenangebot vom Hope entdeckt. Noch am gleichen Tag habe sie sich beworben. «Obwohl so unerwartet, bin ich absolut begeistert von meiner neuen Aufgabe.»

Es mache einfach Sinn, hier in dieser Institution gelandet zu sein: «Alle Fäden, die ich in den vergangenen Jahren gesponnen habe, kommen hier zusammen», sagt sie. Zum Einen hat sie neben ihrem Job im Altersheim eine Ausbildung zur psychosozialen Beraterin absolviert und danach in ihrer heimischen Praxis Menschen beraten, die sich in belastenden Lebenssituationen befanden.

Bereits durch ihre Tätigkeit in der Nachtwache habe sie viel Erfahrung mit Grenzsituationen sammeln können. Zu den Menschen im Seniorenalter, die ins Hope kommen, habe sie denn auch bereits rasch einen guten Zugang gefunden, sagt Schenker. Ganz allgemein sei sie sehr gut aufgenommen worden. Ihr falle es dank ihrer offenen Art auch nicht schwer, schnell in Kontakt zu treten: «Die Menschen kommen auf mich zu und wollen wissen, wer ich bin.»

Der Glauben verbindet die Angestellten des Hope

Zum Anderen habe sie in den vergangenen Jahren gemerkt, dass es ihr Freude macht, andere Menschen anzuleiten. Sie bildet sich in diese Richtung weiter und macht aktuell ihren Master in Betriebswirtschaft und Management. Deshalb führt sie ihre Tätigkeit in einem 90-Prozent-Pensum aus. Im Hope ist sie Vorgesetzte von 22 Angestellten.

Hier kommt auch der Glauben ins Spiel – ein weiterer Pluspunkt für Schenker. Die Hope-Angestellten teilen den christlichen Glauben. «Es ist so schön, dass ich hier Beruf und Passion verbinden kann und an einer Stelle arbeiten darf, an welcher der Glauben so gelebt wird wie hier», schwärmt Schenker. Der Glauben sei ihr Fundament, auf das sie stets bauen könne und der ihr die Hoffnung schenke, sich für die Menschen am Rande der Gesellschaft einzusetzen.

Daniela Fleischmann hat das «Hope»-Schiff dreizehn Jahre lang gesteuert – und freut sich nun auf ihr Hausboot.
6 Bilder
Kurt Adler, Leiter Fachstelle Diakon römisch-katholische Landeskirche Aargau 2020 mit Daniela Fleischmann vor der Notschlafstelle.
So sieht die Notschlafstelle innen aus.
Daniela Fleischmann 2018 im Café.
Daniela Fleischmann 2015 mit Röbi Peter, Koch und Betreuer, vor dem "Hope",
Mitarbeiter vom Badener Werkhof montieren 2012 den neuen Container für Randständige auf dem Bahnhofplatz. Rechts: Daniela Fleischmann.

Daniela Fleischmann hat das «Hope»-Schiff dreizehn Jahre lang gesteuert – und freut sich nun auf ihr Hausboot.

Britta Gut