Baden

«Ich will später ein Restaurant führen»: Angelo Doppietta ist der erste Lehrling in einer Streetfoodfirma

Angelo Doppietta bewirtschaftet bald seinen eigenen Tisch.

Angelo Doppietta bewirtschaftet bald seinen eigenen Tisch.

Angelo Doppietta erhält bei einem Badener Gastrounternehmen eine Ausbildung der besonderen Art. Gemäss Kanton ist die Geissepeter Group das erste Streetfoodunternehmen in der Schweiz, das einen Lehrling ausbildet. Seit Anfang August arbeitet Doppietta als Restaurantfachmann in den vier Streetfood-Restaurants der Firma.

Ob tibetische Momos, mexikanische Tacos, Burger mit Pommes oder ein Fondue: Genauso unterschiedlich wie die Farben der Lichterkette an der Mellingerstrasse 136 bis 140 sind auch die Gerichte, die man in den dortigen vier Streetfood-Restaurants geniessen kann. In den Lokalen Foodgeisha, La Reina del Food, Jensen’s Food Lab und Geissepeters Fonduestube arbeitet seit dem 6. August Angelo Doppietta. Er ist laut der «Geissepeter Group» der erste Lehrling in der Schweiz, der als Restaurantfachmann EFZ in einer Streetfood Firma ausgebildet wird. Der Lernende folgt in der dreijährigen Ausbildung den Anforderungen des Kantons und nimmt zugleich am Projekt «Der Lehrling» teil.

Der Lernende muss zunächst seine vertragliche Probezeit von drei Monaten bestehen, um dann in das Projekt einzusteigen. Nach dieser Zeit beginnt das eigentliche Projekt mit dessen Herausstellungsmerkmal: der eigene Tisch. Der Lehrling erhält seinen eigenen Tisch im Restaurant zum Bewirtschaften. Dieser Tisch soll wie ein kleines Unternehmen für den Lehrling sein – und so soll er auch geführt werden. Der Lernende erstellt das Konzept, das Marketing, führt den Service am Tisch und macht die Buchhaltung. Er muss sich also überlegen: Was biete ich diesen Monat an meinem Tisch an? Welches Budget habe ich zur Verfügung? Wo kann ich Werbung machen? Was ist meine Zielgruppe? Und noch vieles mehr.

Die Geissepeter Group, welche die Idee zum Projekt entwickelte, hat mehrere Restaurants im Aargau und in Zürich und führt eine Catering- und Event Abteilung für gehobenes Streetfood mit dazugehörigem Lieferdienst. René Skel, Area Manager und Unternehmenssprecher der Geissepeter Gruppe, erklärt: «Die Gastronomie tut sich immer schwerer, motivierte, junge Menschen für die Branche zu begeistern. Es ist ein harter Job. Vor allem für Lehrlinge.» In der Gastronomie zu arbeiten, bedeute für jungen Menschen: Lange Arbeitstage, Wochenendeinsätze, tiefer Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen. Viele Lernende brechen die Lehre ab und erfolgreiche Lehrabgänger verlassen überdurchschnittlich oft die Branche.

Die Attraktivität für junge Arbeitnehmer steigern

Damit sich dies in Zukunft ändert, braucht es fortschrittliche Lösungen. Die Geissepeter Group hat es sich zum Ziel gemacht, die Attraktivität für Berufe in der Gastronomie für junge Arbeitnehmer wieder zu steigern. So kam ihnen die Idee zu dem Projekt «Der Lehrling».

Mit zunehmender Erfahrung, und je nach Fertigkeit, kommen weitere spannende Aufgaben hinzu wie, Catering, Ernährung, Dienstplangestaltung und Logistik, die laut Robin Deb-Jensen, Inhaber Geissepeter GmbH, in der Lehre als Restaurantfachmann EFZ sonst nicht üblich seien. Das Projekt zeige laut Jensen alles auf, was die Schule heute nicht mehr zu vermitteln vermag: Autonomes arbeiten, vernetztes und unternehmerisches Denken und logische Abläufe.

Schliesst der Lernende die Mehrzahl der Quartalspläne positiv ab, heisst, erfüllt er die Kennzahlen wie Umsatz und Kosten pro Tisch, Anzahl Kampagnen, die lanciert werden, oder auch die Anzahl Likes auf dem Facebook-Profil des Tisches, und erzielt er in der Berufsschule mindestens die Note 5, dann erhält er – nebst dem eidgenössischen Diplom des Restaurantfachmanns EFZ – die Finanzierung für den Führerschein der Kategorie B.

Doppietta hat grosse Ziele

«Im Projekt Lehrling wirst du auf Unternehmertum geschult – und genau das macht es aus», sagt Jensen. Dies zeigen auch die vielen Bewerbungen, die für die Lehre eingingen. Schlussendlich hat Angelo Doppietta, 15, aus Baden die Lehrstelle erhalten. Am 6.August hatte er seinen ersten offiziellen Arbeitstag. Bis jetzt gefallen ihm vor allem die klaren Strukturen, die der Beruf mit sich bringt. Doch er hat grosse Ziele: «Ich will später selbst einmal ein Restaurant führen. Da ist dieser Tisch, den ich bewirtschaften darf, die perfekte Übung», sagt Doppietta.

Die Idee der Geissepeter Group ist es, dass nächstes Jahr, wenn Angelo Doppietta im zweiten Lehrjahr ist, ein weiterer Lehrling eingestellt wird. Das Konzept dieser Lehre könne laut Geissepeter Group von anderen Gastronomie-Betrieben genauso übernommen werden. Das Projekt wurde der Hotel & Tourismus Revue vorgestellt und daraufhin wurde die Idee konzeptualisiert, um das Projekt im 2021 für den Milestone, den offiziellen Schweizer Tourismuspreis, einzureichen.

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