Turgi

Hier spielen die Kinder auch mit politischen Fragen

«Die Macht der Spiegel» ist ein modernes Märchen mit politischen Bezügen, zauberhaft inszeniert vom Kinder- und Jugendtheater Turgi. Am Samstag war Premiere.

Welche Macht haben Spiegel? Sie bannen die Blicke derjenigen, die hineinschauen. Sie spiegeln deren Schönheit wider. Sie engen den Blick aber auch ein, werfen ihn zurück, anstatt ihn in die Ferne zu leiten. Und die permanente Selbstbespiegelung macht auch unzufrieden.

So ergeht es im Stück der Königin der Spiegel. Sie begnügt sich nicht mehr mit dem Schönen, das sie hat. Sie strebt nach mehr, will alles an sich reissen. Und stürzt damit ihre Geschwister und deren Völker ins Unglück. Aber wie es im Märchen nun einmal immer sein muss: Am Ende setzt sich das Gute durch, die Welt ist wieder im Lot.

«Wir wollen mit ‹Die Macht der Spiegel› zeigen, dass wir Grenzen überwinden sollten und es möglich ist, gemeinsam und in Frieden miteinander zu leben», sagt Theaterleiterin Rebekka Renggli, die mit ihrem Ensemble das Stück seit Februar einstudierte. Wer sollte was, und wie viel davon haben? Was ist gerecht? Wie wollen wir leben? Das sind die Fragen, um die es im Stück geht – hochaktuelle Fragen, in den Zeiten grosser Flüchtlingszahlen, geprägt von Debatten, wie viel eine Gesellschaft aushalten kann, zu wie viel Integration und Offenheit sie fähig ist.

«Unser Märchen ist eine 100-prozentige Eigenkreation», berichtet Rebekka Renggli – Text, Musik und Lieder. Ihre Regiearbeit zeichnet eines aus: Inhalt, Verlauf und Dramaturgie gibt sie nicht vor, sie bindet das Ensemble mit ein, nutzt die Fantasie und den Ideenreichtum der Kinder und Jugendlichen. «Fünf Wochen vor der Premiere hatte ich zum Beispiel noch keinen Schluss», bekennt sie. Gemeinsam fanden sie dann einen.

Internationale Auftritte

Das Team-Work entlastet die Leiterin, beflügelt die Spielfreude und bereichert die Inszenierungen einer Truppe, die längst nicht mehr nur vor heimischem Publikum spielt, sondern immer wieder auch international auftritt und Gastgeber ist für Festivals zu Hause in Turgi.

«Die Macht der Spiegel» ist tatsächlich das Märchen für die ganze Familie, wie es das Programm ankündigt: Die kleineren Zuschauer freuen sich an den bunten Farben und der Tolpatschigkeit so manchen Akteurs, die grösseren sehen die Dimension des Stückes, erkennen die Anspielungen auf Angela Merkels Flüchtlingspolitik und können über sie schmunzeln. Was alle geniessen, ist die Magie einer wundervollen Inszenierung mit stimmungsvollen Licht- und Toneffekten und einem Bühnenbild, das gerade durch seine Schlichtheit und Poesie zu begeistern versteht.

Weitere Vorstellungen. 26./27. November und 3./4. Dezember, 16 Uhr in der Mehrzweckhalle Turgi. Erwachsene: Fr. 16.– / Kinder: Fr. 10.–, Familie mit zwei Kindern: Fr. 45.– / AHV, Studenten Fr. 12.–, Reservationen unter 079 647 44 94

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