Bezirksgefängnis Baden
Hier seilten sich die Häftlinge mit Leintüchern ab – das gelang Insassen schon einmal

In der Nacht auf Dienstag gelang zwei Rumänen die Flucht aus dem Bezirksgefängnis in Baden. Sie seilten sich mit Leintüchern ab (siehe Video). Nicht zum ersten Mal: Bereits vor fünf Jahren floh ein Diebes-Trio auf spektakuläre Weise.

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«Wie sicher sind Aargauer Gefängnisse?» Diese Frage stellte die Aargauer BDP-Fraktion im Nachgang zum Ausbruch im Limmattal in einer Interpellation.

Die Interpellation ist nur vier Monate nach Einreichung bei der Regierung aktueller denn je. Denn in der Nacht auf Dienstag sind zwei Häftlinge mit rumänischer Staatsangehörigkeit aus dem Bezirksgefängnis Baden ausgebrochen.

Klar ist: Das Bezirksgefängnis Baden galt lange Zeit als eines der sichereren Gefängnisse im Aargau. Im Jahr 2011 gelang jedoch einem Hafttrio – ein Kosovare, ein Moldawier und ein Rumäne – der erste Ausbruch aus diesem Gefängnis.

Die Häftlinge, denen im Jahr 2011 die Flucht gelang

Die Häftlinge, denen im Jahr 2011 die Flucht gelang

Kapo AG

Das Trio hatte aus einem Fensterscharnier einen Schraubenzieher gebastelt und sich damit an einer massiven Winkelhalterung zu schaffen gemacht. Den Ausbrechern gelang es daraufhin, an der Halterung eine Schraube zu lösen, worauf sie eine massive Dreipunktverriegelung gesicherte Türe aufwuchten konnten. Von dort hatten sie sich mit Leintüchern 15 Meter abgeseilt.

Die beiden Häftlinge, die in der Nacht auf Dienstag flüchteten, dürften ähnlich ausgebrochen sein. Zumindest sahen Passanten am frühen Morgen Leintücher aus dem Fenster hangen. «Ich sah das Seil und habe vom Ausbruch gelesen. Der Zusammenhang ist offensichtlich», sagt ein Mann gegenüber «20 Minuten». Im Laufe des Morgens habe die Polizei das Seil schliesslich entfernt.

Baukran blieb unberührt

Unklar ist derzeit noch, ob die Ausbrecher Hilfe von aussen erhalten haben. Bereits bei der Installation des Baukrans für die Grossbaustelle am Schulhausplatz nebenan, sei dessen Standort neben dem Bezirksgebäude ein Sicherheitsthema gewesen, klärt Gesamtprojektleiter Marcel Voser vom Kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Darum seien entsprechende Vorkehrungen getroffen worden. Der Kranturm wurde mit sogenanntem Natodraht eingewickelt. Sein Standplatz ist ausserdem von einer Bretterwand mit Drahtzaun umgeben, sodass es auch von aussen schwierig ist, zum Kran zu gelangen.

Bauführer Otmar Burchia bestätigt am Dienstagmorgen, dass die Flucht nicht über die Bauinstallation erfolgt sein könne. Auch konnte der Kran nicht bedient werden. Burchia: «Die Steuerung wird immer extern deponiert, die Stromversorgung des Krans ist ausserhalb der Bauzeiten unterbrochen.

Nur ein Nachtwärter in Baden

Während in den Bezirksgefängnissen Aarau, Kulm und Zofingen zwei Wärter nachts zum Rechten der Häftlinge schauen, leistet nur ein Wärter im Bezirksgefängnis Baden nachts Bereitschaftsdienst. Dies bedeutet, dass die Vollzugsangestellten ruhen und schlafen können. Sie leisten nur bei Bedarf Dienst, also beispielsweise bei einem Zellennotruf oder dem Eintritt einer verhafteten Person.

Dieser Vollzugsangestellte im Dienst bemerkte gegen 3 Uhr, dass die Häftlinge ausgebrochen sind. Die Kantonspolizei leitete umgehend eine Grossfahndung ein – bislang vergeblich. Die Rumänen sind nach wie vor auf der Flucht. Die Polizei stellte die Grossfahndung im Laufe des Morgens ein.

Gesucht werden:

AZ

Links: Gheorghe Fechete, 16.02.1977, rumänischer Staatsangehöriger, 179 cm, schlanke Statur.

Rechts: Crisan Rostas, 13.04.1983, rumänischer Staatsangehöriger, 163 cm, schlanke Statur.