Baden

Hier entsteht das erste Strohhaus im Bezirk: 70 Tonnen Stroh sorgen für ein nachhaltiges Daheim

In Baden-Dättwil sind 70 Tonnen Stroh zu einem Haus verbaut worden. Die Strohballen in verschiedensten Grössen sorgen nicht nur für erstaunte Blicke – warum dieses experimentelles Bauprojekt viele Vorteile mit sich bringt.

Es ist ein spezielles Haus, das derzeit an der Dättwilerstrasse in Baden entsteht. Anstelle von herkömmlichem Beton und Backstein wurden in den letzten Wochen 70 Tonnen Stroh verbaut. Dies in Form von gepressten Strohballen in verschiedenen Grössen, welche nun die Decken und Wände des Doppel-Einfamilienhauses bilden, in dem ab August zwei 3,5-Zimmer-Wohnungen mit Terrasse und Carport bezogen werden können.

Wer in diesen Tagen an der Baustelle vorbeifährt, der sieht vom Stroh allerdings schon nicht mehr viel. Die Wände sind innen mit Lehm und aussen mit Kalk bereits grösstenteils verputzt. Nur noch die kleinen Strohschnipsel rund um die Baustelle lassen darauf schliessen, dass hier ein Strohhaus steht.

Denn bevor die Wände und Decken verputzt werden konnten, mussten die eingebauten Strohballen möglichst gleichmässig zurechtgestutzt werden. Quasi ein Haarschnitt für das erste Strohhaus der Region. Schliesslich soll bei dieser Premiere ja alles sitzen.

Ganzes Haus ist CO2-neutral

Uwe Jacob von der Firma «ihr haus architekten» aus Brugg ist der Bauleiter des Strohhauses in Baden-Dättwil, das vom Atelier Schmidt GmbH aus Trun GR geplant wurde. Es ist auch für Jacob eine Premiere. Zwar legt er bei seinen Um- und Neubauprojekten schon lange grossen Wert auf ökologisches Bauen, doch bislang konnte er noch kein Strohhaus umsetzen. «Ich habe das schon öfters vorgeschlagen, aber die ökologische Bauweise ohne Altlasten ist in der breiten Öffentlichkeit noch nicht angekommen. Da gilt ein Strohhaus immer noch als experimentelles Bauprojekt, obschon die Kosten pro Quadratmeter Wohnfläche mit einem konventionell gut gebauten Bau vergleichbar sind», erklärt Jacob.

Dabei bringt ein Strohhaus viele Vorteile mit sich. Das wissen auch die künftigen Besitzer der Liegenschaft an der Dättwilerstrasse, Iren und Mario Renold, denen die ökologische Bauweise am Herzen liegt. Stroh isoliert hervorragend, reguliert Wärme und Feuchtigkeit, sodass keine Klimaanlage nötig ist, und hat sogar einen höheren Feuerwiderstand als Beton. Dies, weil sich aufgrund der dichten Pressung des Strohs kaum Sauerstoff in den Ballen befindet.

Regenwasser wird bei Bedarf zu Trinkwasser

Kommt hinzu, dass dank des verbauten Strohs und der von einer Fotovoltaikanlage betriebenen Wärmepumpe das gesamte Gebäude sowohl in der Herstellung als auch im Betrieb CO2-neutral ist. Auch das Regenwasser wird vom Dach aus rostfreiem Chromstahlblech in entsprechende Tanks geleitet, gefiltert und für WC, Waschmaschine und den Garten genutzt.

Es kann bei Bedarf gar als Trinkwasser aufbereitet werden. Natürlich habe die Bauweise mit Stroh auch ihre Tücken. «Weil diese Art des Bauens in der Region noch nicht so weit verbreitet ist, haben wir engagierte regionale Zimmerleute angelernt», erklärt Jacob. «Kommt hinzu, dass Stroh besser bei trockenem Wetter verbaut werden kann und die Gebäudehülle wie generell heute üblich möglichst winddicht sein sollte. Dafür haben wir extra das ganze Gebäude eingeraucht und nach undichten Stellen gesucht.»

Die Wände sind mehr als einen Meter dick

Damit der Hauptvorteil des Strohbaus – die sehr gute Wärmedämmung bei geringem ökologischen Fussabdruck – auch richtig zur Geltung kommt, brauchen die Wände und Decken eine beachtliche Breite. Die Wände sind 1,20  Meter dick, die Decken 80  Zentimeter. «Man muss sich bewusst sein, dass man bei einem Strohhaus im Vergleich zu einem herkömmlichen Bau mehr Bauland benötigt, weil die Wände dicker sind», so Uwe Jacob. Ein Umstand, den umweltbewusste Bauherren wie das Ehepaar Renold jedoch gerne in Kauf nehmen.

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