Die Idee wäre so gut gewesen: Mit einem riesigen Spaten hätte ein Rega-Helikopter den symbolischen Startschuss für den Neubau des Kantonsspitals Baden (KSB) geben sollen. Doch das herbstliche Wetter machte den Plänen gestern einen Strich durch die Rechnung: Der Wind war zu stark, der Heli konnte nicht fliegen. Und dann kam auch noch der Starkregen.

Der guten Laune der rund 100 Gäste aus Politik und Medizin machte das keinen Abbruch. Im Caffè Orizzonte des KSB-Partnerhauses konnten sie vom Trockenen aus zusehen, wie der rund sechs Meter grosse Spaten doch noch zum Einsatz kam: Statt vom Heli wurde er von sechs Mann auf den Schultern zur Baugrube getragen.

Startschuss für das grösste Bauprojekt im Aargau

Startschuss für das grösste Bauprojekt im Aargau

Der Kantonsspital Baden feierte heute den Spatenstich von ihrem Neubau. Das 450 Millionen Franken Projekt soll 4 Jahre dauern.

KSB-CEO Adrian Schmitter sagte in seiner Ansprache, die Zusammenarbeit mit der Stadt Baden sei hochprofessionell gewesen und man sei von der Stadt und den umliegenden Gemeinden stets aktiv unterstützt worden. Stadtammann Markus Schneider (CVP) betonte die Bedeutung des KSB als Gesundheitszentrum im wachsenden Ostaargau, aber auch als Arbeitsplatz für rund 2000 Angestellte.

450 Millionen, die sich lohnen

450 Millionen Franken: So viel kostet der Neubau des KSB. Die Baugrube ist bereits ausgehoben, der Neubau ist dringend nötig – und er verspricht, ein schöner Ort zu werden. Statt bisher 370 Betten soll es dann 400 geben. Statt 13 Etagen wird der Neubau nur noch 8 Stockwerke haben. Weil immer mehr Eingriffe ambulant vorgenommen werden, wird das neue KSB aber auch so für die Zukunft gut gerüstet sein.

Genau heute vor 40 Jahren wurde das «alte» KSB in Baden-Dättwil eröffnet. Es löste – nach einem langen Kampf für ein zweites Aargauer Kantonsspital – das viel zu eng gewordene Badener Stadtspital ab. KSB-Verwaltungsratspräsident Daniel Heller sagte gestern: «Heute schliesst sich der Kreis. Wie 1978 ist auch jetzt die beste Lösung für das KSB ein Neubau.» Denn das Haus platze erneut aus allen Nähten und sei für den modernen Spitalbetrieb nicht mehr gut geeignet.

In den kommenden Jahren soll deshalb ein ganz neuer «KSB-Gesundheitscampus» entstehen. Einiges ist schon gebaut: Das neue Notfallzentrum etwa, die Tagesklinik Kubus oder das neue Partnerhaus. Und ab dem kommenden Montag wird, wieder auf der grünen Wiese, neben dem alten KSB gebaut. Wenn der Neubau 2022 fertig ist, wird das alte, hellbraune Bettenhaus abgebrochen. Heller sagte, die Bauwerke des KSB-Gesundheitscampus seien ein wichtiger Bestandteil, um im Osten des Aargaus eine optimale Gesundheitsversorgung anzubieten.

Eine königliche Stiftung

Gesundheitsdirektorin Franziska Roth (SVP) überbrachte eine Grussbotschaft des Regierungsrats und sagte, es freue sie als ehemalige Bruggerin, dass das neue KSB nach Königin Agnes benannt sei. Denn: «Die geborene Habsburgerin schrieb das erste Kapitel unserer Kantonsspitäler im Kanton Aargau.»

1349 stiftete Königin Agnes von Ungarn das erste Badener Spital. Sie war die Witwe des ungarischen Königs Andreas III. und die Tochter des bei Windisch ermordeten deutschen Königs Albrecht. Agnes lebte bis zu ihrem Tod 1364 beim von ihrer Mutter gestifteten Kloster Königsfelden, dessen Machtbereich sie geschickt ausdehnte. Das Badener Agnesenspital wiederum stand bis 1863 am Kirchplatz vor der Stadtkirche. Dort, wo heute stattliche Kastanien wachsen.

Franziska Roth sagte, in der Tradition des Agnesenspitals entstehe nun ein lichtdurchfluteter Neubau. «Wir wissen alle, dass der Anteil alter und multimorbider Patienten noch steigt», so Roth. «Gleichzeitig hat sich der allgemeine Lebensstandard gehoben.» Entsprechend müsste die Bauweise von Heimen und Spitälern angepasst werden: «Wenn etwas passiert, sind wir alle froh, wenn wir in einer hellen, grosszügig gestalteten Umgebung behandelt werden.» Damit sprach Roth die sogenannte «Healing Architecture» an, nach der das Projekt «Agnes» konzipiert ist. Mit «heilender Architektur», die den Menschen beruhigt und guttut, kann die Genesung verbessert werden. Und genau das ist, was die Planer wollen. Entworfen wurde «Agnes» vom Zürcher Architekturbüro Nickl & Partner.

Architektin Christine Nickl-Weller, die an der Technischen Uni Berlin eine Professur für Gesundheitsbauten hat, sagte: «Es wird keine dunklen Flure mehr geben, sondern viel Luft und Licht im ganzen KSB.» Auf Dachterrassen und in elf begrünten Innenhöfen werden sich die Patienten erholen können. Das Haus werde sich komplett in die grüne Landschaft einfügen. «Es soll nicht nur eine Klinik sein, sondern ein offenes Haus für Patienten, Mitarbeitende und Besucher, die sich hier wohlfühlen können.» Die Pläne kamen auch bei der Badener Bevölkerung gut an: Gegen den Neubau hat es keine einzige Einsprache gegeben.