Jetzt demonstrieren die Gebenstorfer Muslime Einigkeit. Ihr langjähriger Imam sei nicht radikal und habe auch nie Kontakt zu radikalen Imamen in Skopje gehabt, schreiben sie der «Nordwestschweiz».

Unterschrieben ist die Mitteilung von sieben Vorstandsmitgliedern. Bemerkenswert: Unter den Unterzeichnenden befindet sich auch Vizepräsident Murseli Ibraimov. Dabei war er es gewesen, der den Radikalismusvorwurf gegenüber dieser Zeitung überhaupt erst erhoben und schriftlich bestätigt hatte. Nun krebst er zurück. «Der Imam bleibt weiterhin Mitglied unseres Vereins und darf jederzeit die Moschee besuchen», heisst es.

Draussen bleiben müssen die Verursacher der Schlägerei, welche die Moschee erst in die Schlagzeilen brachte. Am Sonntag vergangener Woche kontrollierte die Polizei 90 Personen. Acht Personen, welche der Vorstand als Angreifer ausgemacht hat, sei nun ein Hausverbot für ein Jahr erteilt worden, sagt Sekretär Emra Alijevski auf Anfrage. Ihre Mitgliedschaft sei bedingt suspendiert worden. Das heisst: Wenn sie sich benehmen, können sie Mitglied im Verein bleiben und dürfen in einem Jahr wieder die Moschee besuchen. Die Situation habe sich indes beruhigt und die Streitenden sich versöhnt.

Gesucht: dialogbereiter Imam

Die Gebenstorfer Muslime suchen nun einen Imam, der gut Deutsch kann und für den interreligiösen Dialog bereit ist. Bei der Auswahl wolle man mit den «relevanten islamischen Dachverbänden» zusammenarbeiten. Der bisherige Imam habe die Kriterien erfüllt, sei aber nicht für ein grösseres Engagement in Gebenstorf bereit gewesen. Der Verein will einen Imam, der sich ganz ihrer Moschee widmet.

Am Montag kam es zum ersten offiziellen Treffen überhaupt zwischen der muslimischen Gemeinschaft und der Gemeinde. Ammann Rolf Senn (CVP) und Gemeindeschreiber Stefan Gloor trafen sich mit zwei Vorstands-Mitgliedern der islamischen Gemeinschaft.

Gloor berichtet vom Gespräch, das im Gemeindehaus stattfand: «Die Stimmung war friedlich, aber distanziert. Die Vertreter der Gemeinschaft haben uns erklärt, die Ursache für den Streit sei ein familieninterner Konflikt.» Der Gemeinderat habe diese Erklärung «mit einem gewissen Misstrauen zur Kenntnis genommen», sagt Gloor. «Wir teilten den Vertretern mit, dass wir einen solchen Vorfall kein zweites Mal tolerieren. Konkret wird der Gemeinderat dem islamisch-albanischen Verein die Betriebsbewilligung für das Lokal entziehen, wenn es wieder zu einer Schlägerei kommt. Dann müsste die Moschee schliessen», erklärt Gloor.

Weiter habe der Gemeinderat die Vereinsmitglieder an die Auflagen erinnert: «Auf dem Parkplatz vor der Moschee dürfen höchstens 46 Autos parkieren, diese Zahl wurde im Sommer regelmässig überschritten. Wir werden die Lage um die Moschee weiterhin genau beobachten und kontrollieren.»