Baden

Grossrätin Lilian Studer kritisiert Sterbehilfe im Pflegezentrum

Grossrätin Lilian Studer will Sterbehilfe verbieten. Jetzt kritisiert sie das Regionale Pflegezentrum Baden, weil es Sterbehilfe toleriert. Studers Argument: Die Pfleger würden unter der Sterbehilfe leiden.

Wenn es um ältere Menschen geht, die freiwillig aus dem Leben scheiden wollen, gehen die Meinungen auseinander. Anfang Monat reichte Grossrätin Lilian Studer von der Evangelischen Volkspartei (EVP) beim Regierungsrat eine Motion ein, die ein Verbot von Freitodbegleitungen fordert (az vom 9. Dezember). Studer äussert darin harsche Kritik am Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB), das in der Region eine der wenigen Institutionen ist, die Sterbehilfe erlauben.

Studer argumentiert, die Pfleger würden unter der Sterbehilfe leiden und dies würde Spuren hinterlassen. «Für sie ist es eine Belastung, wenn Menschen nicht mehr leben wollen und sich zum Freitod entscheiden», so Studer.

Der Tod ist nahe am Alltag

Da ist Marc Pfirter, Direktor des RPB anderer Meinung: «Grundsätzlich sind unsere Mitarbeiter täglich mit dem Tod konfrontiert.» Der Tod sei für sie nahe am Alltag. Zudem komme eine Freitodbegleitung äusserst selten vor: «Mir ist ein Fall in den letzten fünf Jahren bekannt», so Pfirter.

Bei diesem einen Fall sei den Pflegern angeboten worden, während der Durchführung des Freitodes die Abteilung zu wechseln. «Unsere Mitarbeiter sind in keiner Art und Weise in die Sterbehilfe einbezogen», so Pfirter. Dies übernehme eine externe Sterbeorganisation. Diese Organisation werde nicht vom Pflegezentrum vermittelt, sondern müsse von der betroffenen Person oder ihren Angehörigen kontaktiert werden.

Kommunikation über die Medien

Ein weiterer Kritikpunkt von Lilian Studer betrifft die Kommunikation rund um die Sterbehilfe. «Die Mitarbeiter wurden schlecht oder gar nicht informiert und werden bei Kritik zur Kündigung gedrängt», so Studer. Nach eigenen Angaben habe sie bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nachgefragt. «Sie waren vor den Kopf gestossen, als sie davon hörten, dass ihr Arbeitgeber nun Sterbehilfe erlaubt», so Studer.

«Wir können das Gegenteil beweisen», sagt dazu Marc Pfirter. Als der Verwaltungsrat sich dazu entschied, die Sterbehilfe am RPB anzubieten, seien sogleich Diskussionen mit den Mitarbeitern geführt worden. «Zudem haben wir diese Entscheidung über die Medien kommuniziert.»

Bei dem einzigen Fall von Sterbehilfe, der in den letzten fünf Jahren durchgeführt wurde, habe eine der betroffenen Pflegerinnen Mühe gehabt, diese Tatsache zu akzeptieren. Sie habe den Kontakt zur Pflegedienstleistung gesucht. «Danach war sie der Ansicht, sie wolle sich dem stellen, denn der Tod gehöre zu ihrem Auftrag», sagt Pfirter.

«Aber eine Kündigung im Zusammenhang mit Sterbehilfe ist noch nie ausgesprochen worden», sagt Pfirter. Jede Kündigung werde von der Direktion geprüft. «Und wir hatten auch noch nie eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter, die oder der aus diesem Grund selber gekündigt hat.»

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