Immer wieder Beethoven. Schon im letzten Jahr war dieser Komponist ein Thema innerhalb jener Zeitspanne, die seit 2013 als «Januarabende mit Oliver Schnyder» bekannt sind. Zwar dauert dieses von der Konzertveranstalterin Marina Korendfeld initiierte Festival drei Tage; doch für all jene, denen Klavierkunst am Herzen liegt, könnte es länger dauern. Aber wir denken jetzt nicht an eine Ausweitung, sondern an das, was dieses intime, familiäre Festival birgt: Musikjuwelen, gespielt mit einem Können und einer Passion, denen nichts von Konzertroutine anzuhören ist.

Dass sich der Ennetbadener Pianist bedankt, dass er «jedes Jahr in diesem Saal, der vor meiner Haustüre liegt, und vor diesem Publikum spielen darf», sagt viel aus über einen Musiker, der trotz internationaler Karriere auf dem Boden geblieben ist und seine Wurzeln nicht vergisst. Oliver Schnyder wirkt geerdet und: voller Demut.

Dass sich daraus ein Zögern oder gar Zurückscheuen vor grossen Kompositionen ableitet, ist natürlich nicht der Fall. Der Pianist spielt Brahms’ ebenso eruptive wie introvertierte Sonate f-Moll, op. 5; Bartoks Sonate 1926 (bei Schnyder erklingt sie scharf rhythmisiert, aber nicht brutalisiert); Haydns Sonate C-Dur, Hob. XVI: 50 (für einmal nicht am Beginn, sondern am Ende des Konzerts stehend); Ginasteras Suite de Danzas criollas op. 15 und Beethovens Sonaten Nr. 9 E-Dur, op. 14/1, Nr. 27 e-Moll, op. 90 und Nr. 7 D-Dur, op. 10/3.

Von den Pianisten eher gemieden

Dass die ersten beiden Beethoven-Werke von den Pianisten eher gemieden werden, hat einen Grund: Hier ist nicht der überrumpelnde, den motorischen Drive so manch anderer Sonate aufnehmende Zugriff gefragt, sondern die verinnerlichte Annäherung. Spielt Oliver Schnyder die an Schubert erinnernde Bewegtheit der e-Moll-Sonate kantabel-schwärmerisch oder das Largo e mesto der D-Dur-Sonate melancholisch-fahl, als «grosse schwarze Bekenntnismusik» – so der Kritiker Joachim Kaiser – ist das einfach mirakulös. In solchen Momenten ereignet sich das, was die Januarabende im Gartensaal so besonders macht: Pianist und Publikum sind im Einklang.