Vorsicht, nicht berühren», mahnt Markus Stegmann mit eindringlichen Worten. Nur ganz kurz hat der Journalist die neue Wandbespannung in der Galerie des Museums Langmatt berührt. Doch weil die an den Bildern angebrachten Sensoren sensibel sind, könnte schon eine kleine Berührung einen Alarm auslösen – mit der Folge, dass das Museum innert weniger Minuten von Polizisten umstellt wäre, wie Stegmann erklärt.

Im Herbst 2015 hat der Deutsche die Leitung des Museums übernommen. Der Direktor ist an diesem Vormittag, abgesehen von drei Mitarbeitern, der Einzige im Haus. Grund: Von Mitte Dezember bis Ende Februar bleibt das Museum geschlossen.

Einerseits sehen das die Stiftungsstatuten vor. «Andererseits haben wir ein historisches Haus, das sehr viel Pflege braucht. So müssen die Parkettböden über den Winter aufwendig gereinigt und vor übermässiger Abnutzung geschützt werden.»

Die Chancen, dass die Böden in Zukunft noch mehr abgenutzt werden, stehen nicht schlecht. Denn die Besucherzahlen haben sich gegenüber dem Vorjahr mit etwas über 12 000 nahezu verdoppelt.

Zwar hätten davon nicht alle Eintritt bezahlt (viele Besucher verweilten nur in der Parkanlage), doch auch dieser Anteil habe zugenommen.

«Die Zahlen zeigen, dass unsere Bemühungen – bei gleichbleibenden personellen und finanziellen Ressourcen – die ‹Langmatt› einem breiteren und vor allem auch jüngeren Publikum zugänglich zu machen, Früchte tragen», sagt Stegmann.

Als Grund für die Zunahme sieht Stegmann die steigende Zahl von Ausstellungen, vor allem aber die rund 70 öffentlichen Veranstaltungen. Dabei denkt er etwa an das Oldtimertreffen – dieses findet auch dieses Jahr wieder statt – oder an den 1. August, als Autor Simon Libsig «Poeten zur Lage der Nation» veranstaltete.

«Alleine an diesem Abend hatten wir mehr als 700 Gäste im Park.» Stegmann denkt aber auch an Kooperationen, die nicht immer die grosse Anzahl an Gästen gebracht haben, wie etwa ein Pilotprojekt zum Thema Sommerakademie.

Er gibt aber auch unumwunden zu, dass nicht jeder Idee Erfolg beschieden war. «So planten wir etwa eine gruslige Halloween-Veranstaltung, die jedoch kaum Anklang fand. «Es ist ein Balanceakt, den wir hier zu meistern haben.

Einerseits wollen wir uns einem breiteren Publikum öffnen, andererseits wollen wir aber auch keine beliebige Event-Kultur machen», sagt Stegmann. Auch für das 2017 habe er neue Ideen. So kämen die Besucher dieses Jahr in den Genuss von vier Ausstellungen – zuvor waren es im Schnitt eine bis zwei.

Wichtig sei, dass die Ausstellungen immer wieder wechseln würden und man als Besucher erkenne, dass man hier in einem lebendigen Haus sei, «in dem etwas passiert».

Stegmann plant ausserdem neu ab Saisoneröffnung im März jeden ersten Freitag im Monat von 17 bis 18 Uhr eine individuelle, nicht öffentliche Sprechstunde, in der er Besuchern im Sinne eines Service public gratis für alle Themen rund um Kunst und Kultur zur Verfügung steht. Auch Führungen und Workshops seien dieses Jahr geplant.

Neues Thermalbad als Chance

Doch Stegmann ist realistisch genug, um zu wissen, dass sich selbst mit diesen Ideen der Museumsbetrieb (rund eine Million Franken pro Jahr) mit den Eintritten nie wird finanzieren lassen.

«Schweizweit besuchen zwar immer mehr Menschen Kulturveranstaltungen und Museen, doch gleichzeitig gibt es auch immer mehr Angebote beziehungsweise Wettbewerb.» Für den «Langmatt»-Direktor ist klar, dass sein Haus in Zukunft nur eine Chance hat, wenn es gelingt, Besucher mit dem ganzen Ensemble – also mit Wohnmuseum, Parkanlage und Ausstellungen sowie Sammlungen – in die «Langmatt» zu locken.

«Kunsthäuser und -hallen gibt es viele in der Schweiz. Doch ein solches historisches Ensemble wie hier in Baden sucht seinesgleichen.» Ausserdem sei es ein wichtiges Stück der Identität und Herkunft der Badener, sagt Stegmann mit Blick auf die anstehenden politischen Geschäfte.

«Nicht zuletzt eignet sich die ‹Langmatt› auch hervorragend für die vielen hier arbeitenden Expats, um einen Eindruck zu erhalten, wo sie überhaupt leben und was die Geschichte dieser Stadt und Region bedeutet.»

Für Stegmann ist deshalb klar: «Dieses Kulturerbe muss unbedingt erhalten bleiben.» Und je mehr Menschen von der «Langmatt» Kenntnis nehmen und dieses Ensemble (wieder) zu schätzen beginnen würden, desto besser stünden hierfür die Chancen.

In naher Zukunft könnte der «Langmatt» dabei auch die Badenfahrt – konkrete Ideen liegen bereits vor – und der Bau des neuen Thermalbades in die Karten spielen.

Stegmann betont, dass er seitens der Stadt Baden («die Zusammenarbeit mit dem Standortmarketing ist hervorragend») und des Kantons sehr viel Goodwill spüre. Am Anfang seiner Karriere als Museumsleiter hätten ihm die widrigen Umstände wohl zu schaffen gemacht.

«Dank meiner Erfahrung faszinieren mich diese Herausforderungen heute; sie motivieren mich, für dieses Haus das Beste zu erreichen.» Stegmann sieht die «Langmatt» im Vergleich mit den grossen Häusern in Zürich, Winterthur oder Basel als David im Verhältnis zu Goliath.

«Das ist eine tolle Ausgangslage. Wir können nur gewinnen. So viele begeisterte Besucher letztes Jahr geben der ‹Langmatt› viel Rückenwind.»