Baden

Grosser Ärger wegen frisierter Preise: Coiffeure kritisieren Discount-Konkurrenz

Coiffeur Ramon Grimm bei der Arbeit: «Ich frage mich, wie die Anbieter bei diesen tiefen Preisen gesetzeskonforme Löhne zahlen können.»

In Baden gibt es immer mehr Discount-Coiffeure. Wie etablierte Geschäfte auf die Konkurrenz reagieren und was ihnen Sorge bereitet.

Da stehen jedem seriösen Coiffeur die Haare zu Berge: In Baden und Wettingen gibt es immer mehr Billig-Coiffeursalons, die Männer-Haarschnitte für 20 und Damen-Frisuren für 35 Franken anbieten. Zum Vergleich: Bei etablierten Coiffeurgeschäften zahlen Männer im Schnitt 50 bis 60 Franken, Frauen schnell einmal um die 100 Franken. Was bedeutet die neue Konkurrenz für die bestehenden Geschäfte – von denen es ja auch nicht zu wenige gibt?

«Grundsätzlich sind diese Billig-Anbieter kein Problem für uns, da wir ein anderes Kundensegment ansprechen», sagt Ramon Grimm, Inhaber von Coiffeur Grimm mit den beiden Filialen an der Badstrasse und im Kantonsspital Baden. Dies gelte insbesondere für die Frauen. «Bei den Herren nimmt es uns hingegen schon einen ganz kleinen Teil der Kunden weg.» Denn gerade im Barbierbereich seien die Billiganbieter gar nicht so schlecht, gibt Grimm unumwunden zu. Er selber wolle und könne mit seinen Preisen nicht runter. «Ich frage mich, wie die Anbieter bei diesen tiefen Preisen gesetzeskonforme Löhne zahlen können. Vieles läuft da wohl im Graubereich ab.» Er würde sich wünschen, «dass die Gewerbepolizei einmal ein Zeichen setzen würde, damit sich solche Geschäfte nicht noch mehr verbreiten». Grimm betont: «Trotz diesen Billig-Anbietern darf man nicht vergessen: Um Coiffeuse oder Coiffeur zu werden, muss man etwas können und eine dreijährige Lehre absolvieren.»

Auch Helena Florin, die seit zehn Jahren das «Wandelbar» in der Oberen Gasse in Baden betreibt, sagt: «Nein, eine Konkurrenz sind diese Anbieter für uns nicht. Bei mir wird der Kunde immer von der Chefin höchstpersönlich bedient.» Dazu gehöre natürlich auch individuelle Beratung – und das über Jahre. «Was mich hingegen wirklich stresst, ist, dass diese Anbieter dem Stellenwert unseres Berufs schaden», so Florin. Die Billigpreise führten dazu, dass ein ganzer Berufsstand schlechtgemacht werde und dadurch die Wertschätzung verloren gehe. «Ich fände deshalb einen gesetzlichen Mindestbetrag sinnvoll. Denn nur so sieht man auch den Wert unserer Arbeit», ist Florin überzeugt. «Ich frage mich schon, ob die Billiganbieter wirklich so viele 20-Franken-Haarschnitte machen, um auf den Mindestlohn von 3800 Franken zu kommen.»

Erschwerte Lernenden-Suche

Stefano de Simone, Inhaber des Coiffeur-Geschäfts «Coiffure de Simone», das sein Vater vor etwas mehr als 50 Jahren gründete, bestätigt eine neue Konkurrenzsituation, aber: «Es gibt schon junge Kunden, die nicht mehr zu uns kommen und sich stattdessen die Haare für 30 Franken schneiden lassen. Aber die meisten kommen dann wieder zu uns», sagt de Simone lachend. «Denn sind wir ehrlich: Diese Anbieter beherrschen vor allem den Schnitt mit der Maschine auf der Seite des Kopfs – und das gar nicht mal so schlecht.» Doch wenn die Wünsche der Kunden weitergehen würden, seien diese Anbieter schnell am Limit. De Simone ortet ein ganz anderes Problem bei den Billig-Anbietern. «Erstens werfen sie ein schlechtes Licht auf unseren Beruf, weil der Eindruck entstehen könnte, dass unsere Arbeit nicht mehr wert ist.» Und zweitens stelle er bereits jetzt fest, dass es immer schwieriger wird, Lernende zu finden. «Viele Junge haben das Gefühl, mit einer Schnellbleiche könnten sie das Metier erlernen und schnell und einfach Geld verdienen.» De Simone wünscht sich ebenfalls, dass gegen die Billiganbieter härter vorgegangen wird.

Ins gleiche Horn bläst Stephan Wassmer, der in Baden seit 40 Jahren ein Coiffeurgeschäft betreibt. «Ich finde diese Billig-Angebote absolut nicht in Ordnung und bin mir sicher, dass in vielen dieser Geschäfte der Mindestlohn von 3800 Franken nicht bezahlt wird.» Doch nicht nur deshalb stört sich Wassmer an den Dumping-Preisen: «Das führt dazu, dass wir unsere Preise immer öfter rechtfertigen müssen. Dabei führen wir letztlich genauso ein Handwerk aus wie etwa ein Schreiner oder Maler, die auch nicht immer ihre Preise erklären müssen.»

Kontrollen in Baden denkbar?

Kürzlich strahlte die Sendung «Rundschau» von SRF einen Beitrag zu dieser Thematik aus. Dabei führte die Berner Fremdenpolizei gezielt Razzien in Coiffeurgeschäften durch. Ist solches auch in Baden denkbar? Die Stadtpolizei Baden verweist auf den Kanton. Dort heisst es: «Das Kantonale Arbeitsinspektorat überprüft auch Coiffeur-Geschäfte. Dies in Bezug auf die Vorgaben des Arbeitsgesetzes wie die Einhaltung von Arbeits- und Ruhezeiten und der Gesundheitsvorsorge – und speziell auch die Sonderbestimmungen für Jugendliche respektive Lernende», sagt Thomas Hartmann, Leiter Industrie und Gewerbeaufsicht beim Kanton. Die Einhaltung von Vorgaben eines Gesamtarbeitsvertrages und somit die Gewährleistung, dass die vorgegebenen Mindestlöhne bezahlt werden, falle nicht in den Zuständigkeitsbereich des Kantons. «Wenn ein Angestellter nicht den ihm zustehenden Lohn erhält, muss er den zivilrechtlichen Weg einschlagen», so Hartmann.

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