Baden

Grosse Solidarität in Zeiten von Corona – jetzt muss die Hilfe aber auch «analog» werden

Eine Helferin befestigt im Martinsberg in Baden ein Plakat.

Eine Helferin befestigt im Martinsberg in Baden ein Plakat.

Im Internet sind viele Hilfsangebote aus der Region zu finden – sie müssen nun aber noch den Weg in die analoge Welt finden.

Bekanntlich kann das Corona-Virus für Personen ab 65 Jahren und für alle mit einer Vorerkrankung lebensbedrohlich sein, weshalb das Bundesamt für Gesundheit besonders diesen Personen empfiehlt, das Haus nur im Notfall zu verlassen und den Kontakt zu Mitmenschen weitmöglichst zu meiden. Am Freitagmorgen haben sich zwei Frauen ein Herz gefasst und die Facebookgruppe «Gern gscheh – Badä hilft» ins Leben gerufen, die inzwischen bereits auf 655 Mitglieder (Stand Dienstagnachmittag) angewachsen ist.

Kurz darauf sind auch für Untersiggenthal, Wettingen und die Region Zurzach ähnliche Gruppen gegründet worden (alle dem BT bekannten Angebote sind unten aufgeführt). Die Mitglieder der diversen Facebookgruppen haben bisher zumeist ihre Bereitschaft geäussert, besonders verletzlichen Personen mit alltäglichen Hilfestellungen unter die Arme zu greifen. Dabei geht es unter anderem um Angebote wie mit dem Hund Gassigehen, Botengänge, Einkaufen, aber auch Kinderhüten für diejenigen, die trotzdem noch arbeiten müssen, oder ganz einfach Zeit für ein telefonisches Gespräch für einsame Menschen.

Die Initiantinnen der Badener Gruppe, Aila Ziegler und Franziska Biedermann, haben sich von ähnlichen Angeboten in Zürich und in Basel inspirieren lassen, was wiederum andere im Bezirk Baden dazu motivierte, selbiges auch für ihre Gemeinden auf die Beine zu stellen.

Weitere Unterstützung gesucht

Dabei geht es im Moment vorwiegend darum, die Kontaktdaten von so vielen helfenden Händen wie möglich zu sammeln, damit deren Angebote in die analoge Welt getragen werden können. Franziska Biedermann ist derzeit damit beschäftigt, die Helfer in einer Liste zusammenzufassen, inklusive Telefonnummer und Angebot.Doch sie selbst sei auch auf weitere Hilfe angewiesen, sagt Biedermann: «Ich brauche noch mehr Personen, die mir bei der Koordination unter die Arme greifen.»

Deshalb sucht sie nach Menschen, die dies ernsthaft angehen wollen: «Ich habe in früheren Projekten schon die Erfahrung gemacht, dass viele ihr Interesse zwar bekundet haben, sich dann aber trotzdem nicht gross beteiligt haben.» Sie will sich aber auf die Helfenden verlassen können. Die Freiwilligen sollen unter anderem in ihren Quartieren, Strassen oder Wohnblöcken Aushänge befestigen und ebenfalls Koordinaten von anderen Helfern festhalten.

Die Formulare sind in den jeweiligen Facebookgruppen verlinkt. Biedermann ist ausserdem auch in Kontakt mit den verschiedenen Quartiervereinen der Stadt Baden. «Diese haben innert kürzester Frist die Nutzung ihrer Kanäle zugesichert», sagt sie. Denn: «Am Ende müssen die Hilfsangebote zu den Menschen gebracht werden, die sie wirklich auch benötigen.»

«Gemeinsame Spaziergänge vermeiden»

Was Franziska Biedermann bei all den Hilfsangeboten aber sehr wichtig ist, und auch in vielen anderen Gruppen betont wird, kann sie nicht oft genug sagen: «Wir dürfen nicht selbst zu Keimüberträgern werden. Es gab zum Beispiel Angebote für gemeinsame Spaziergänge, aber davon raten wir dringend ab. Es ist grosse Vorsicht geboten.»

Und so wird in den Gruppen auch auf die Bestimmungen des Bundesamtes für Gesundheit hingewiesen und ausserdem auf ein Dokument auf hilf-jetzt.ch, einer Website, die letzte Woche ebenfalls aus dem Boden gestampft wurde und schweizweit alle Hilfsangebote bündelt – insgesamt 480 aktuell, stetig wachsend. Darunter auch immer mehr Angebote aus der Region. Dort sind auch Informationen zu finden, wie die Freiwilligen auf sich und auf die Personen, die sie unterstützen, Acht geben können. Und: «Ebenso ist es wichtig, sich nicht zu verausgaben. Die Krise wird noch eine Weile andauern und wir müssen uns unsere Kräfte gut einteilen.»

Facebook-Gruppen:
Gern gscheh - Wettige hilft
Gemeinsam für Untersiggenthal 
Gern gscheh – Baden hilft
Zurzach hilft!
Solidarität für Turgi

Folgende Angebote sind auf hilf-jetzt.ch zu finden:

Nachbarhilfe Ennetbaden, Würenlos hilft, Aargau hilft! Fislisbach, Corona-Hilfe Jubla Mellingen, Corona-Hilfe Jungwacht-Blauring Wohlenschwil-Mägenwil, Nachbarschaftshilfe Obersiggenthal, Nachbarschaftshilfe Rütihof, Whatsapp-Gruppen für Spreitenbach, Killwangen und Neuenhof

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