Grossbaustelle
Baden Nord: Neubauten für 90 Millionen entstehen, darunter ein 68-Meter-Hochhaus

Die «verbotene Stadt», das ehemals streng kontrollierte BBC-Areal, öffnet sich weiter und mausert sich zum modernen Stadtviertel. Derzeit werden ein Parkhaus, der Brown-Boveri-Platz und ein 20-Stockwerk-Tower gebaut.

Pirmin Kramer
Merken
Drucken
Teilen
Die 1. Etappe des Parkhaus-Baus (vorne rechts) ist beendet. Darauf wird der Brown-Boveri-Platz zu stehen kommen. Hinten rechts wird bis Herbst 2023 ein Hochhaus gebaut.

Die 1. Etappe des Parkhaus-Baus (vorne rechts) ist beendet. Darauf wird der Brown-Boveri-Platz zu stehen kommen. Hinten rechts wird bis Herbst 2023 ein Hochhaus gebaut.

Pirmin Kramer / Aargauer Zeitung

Einst standen hier die Tore zur «verbotenen Stadt». Der Zugang zum Gelände der BBC, der heutigen ABB, wurde während Jahrzehnten kontrolliert. Rund um das Areal standen Portierhäuschen, an denen kein Unbefugter vorbeikam. Die BBC war für die Stadtbevölkerung quasi ein Sperrgebiet.

1926 stand hier das BBC-Betriebstor.

1926 stand hier das BBC-Betriebstor.

ZVG/Historisches Museum Baden/Zipser

Spätestens seit der Jahrtausendwende ist Baden Nord, die einst verbotene Stadt, für die breite Öffentlichkeit zugänglich geworden. So entstanden hier unter anderem das Kinocenter (2002) und der Stadtsaal (2003) im Trafo, das Berufsbildungszentrum (2006) und das Jugendkulturlokal Werkk (2015).

Quartier wandelt sich wie seit 20 Jahren nicht mehr

Aktuell sind in Baden Nord wieder mehrere Baukräne zu sehen: Das Quartier wird sich so stark verändern wie schon Jahre nicht mehr. Es entstehen in den nächsten Monaten gleich drei grosse Bauwerke: Erstens ein unterirdisches Parkhaus und zweitens ein Hochhaus; die Kosten dafür belaufen sich auf rund 90 Millionen Franken. Und drittens soll danach auf dem Dach des Parkhauses ein neuer Stadtplatz gebaut werden, der Brown-Boveri-Platz.

Bereits abgeschlossen ist die erste Etappe für den Bau eines unterirdischen Parkhauses mit 498 Plätzen. Totalunternehmerin ist die HRS Real Estate aus Frauenfeld. Christoph Keller von HRS erklärt: «Wir sind zufrieden, wie es mit den Bauarbeiten vorangeht.»

Tower mit 20 Stockwerken

In die Höhe gebaut wird seit einigen Tagen auch wenige Meter davon entfernt, auf dem Speditionsplatz der ABB. Dort entsteht ein 20-stöckiges Hochhaus mit Büroflächen und 150 Mietwohnungen. Mit der Vermarktung der 1,5- bis 4,5-Zimmerwohnungen geht es im Sommer 2022 los; der Bezug ist für den Winter 2023 geplant.

Bereits diesen Sommer startet die Vermarktung der 600 bis 1900 Quadratmeter grossen Büroflächen. Eigentümerin und Bauherrin ist die Akara Funds AG mit Sitz im zugerischen Baar.

Der neue Tower wird zweifellos ein Blickfang: 68 Meter hoch, dürfte er zu einem weiteren Markenzeichen der Stadt werden. Auf dem Areal entsteht in der Geometrie der bestehenden Gleise zudem ein grosser, gemeinschaftlich nutzbarer Freiraum für den Tower, bespielt mit Grillstellen, Tisch-Bank Kombinationen, Urban Gardening Elementen und freistehenden Stühlen, wie es auf der Website der «Pool Architekten» aus Zürich heisst.

Christoph Keller von HRS sagt zu den Schwierigkeiten der Bauarbeiten: «Eine der Herausforderungen besteht darin, dass wir mitten in der Stadt bauen. Betreffend Logistik ist das nicht immer ganz einfach. Wir versuchen, Rücksicht auf die Nachbarschaft zu nehmen. Hinzu kommt, dass die Gleise der SBB ganz nah an der Baustelle vorbeiführen.»

Parkhaus noch vor Badenfahrt fertig

Das Parkhaus soll im Idealfall noch vor der Badenfahrt im Sommer 2023 fertiggestellt werden, sagt Keller weiter. Das Hochhaus werde Anfang 2023 fertiggestellt.

Der Trafoplatz.

Der Trafoplatz.

AZ-Archiv

Erst danach folgt der Bau des Brown-Boveri-Platzes direkt neben dem Trafo-Komplex. Viele Badenerinnen und Badener sind von den bisherigen Stadtplätzen wie dem Theaterplatz oder dem Trafoplatz nicht restlos überzeugt; mit Spannung wird nun der Brown-Boveri-Platz erwartet. «Der neue Platz soll nicht nur Durchgangs- und Aufenthaltsort sein, hier sollen auch grosse Veranstaltungen stattfinden können», sagte Stadtammann Markus Schneider (Mitte) kürzlich.

Die Entwicklung in Baden Nord sei nach der Fertigstellung der aktuellen Arbeiten noch längst nicht abgeschlossen, sagt Schneider nun. «Durch das neue unterirdische Parkhaus wird auf den Verenaäckern der Weg frei für ein weiteres Grossprojekt. Voraussichtlich werden dort ebenfalls Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen.»