Die Meldung aus Wohlenschwil lässt aufhorchen: Messungen haben ergeben, dass das Grundwasser bei der Panzersperre stark erhöhte Nitrat-Werte aufweist. Mit 42 Milligramm pro Liter liegt der Gehalt über dem Toleranzwert von 40 Milligramm. Nitrat gelangt mit Dünger oder Gülle in den Boden und sickert bei starkem Regen in das Grundwasser. Trinkwasser, das mehr als 50 Milligramm enthält, kann für Kleinkinder gefährlich sein. Denn es kann dazu führen, dass sie zu wenig Sauerstoff aufnehmen, im schlimmsten Fall werden Hirn oder Herz unterversorgt. Müssen die Wohlenschwiler nun Wasser aus dem Supermarkt trinken?

«Nein», sagt Peter Meyer, der Nitrat-Obmann der Gemeinde. Entscheidend sei die Qualität des Wassers im Grundwasserpumpwerk Frohberg, wohin das Wasser aus dem Gebiet Panzersperre fliesst und wo es sich mit sauberem Wasser vermischt. Der Nitrat-Wert liegt im Pumpwerk denn auch bei unbedenklichen 17 Milligramm pro Liter. Dennoch: «Ich beobachte die Entwicklung mit Argusaugen. Denn eine solche Situation wie vor 20 Jahren möchte ich nicht mehr erleben», sagt Meyer.

Damals, Anfang 1995, war der Nitratgehalt im Pumpwerk über die 50-Milligramm-Grenze geklettert. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung des Bodens hatte das Wasser verschmutzt. Mit Folgen: Die Wohlenschwiler durften kein Leitungswasser mehr trinken, «Frohberg» wurde vorübergehend stillgelegt und leergepumpt. Meyer, den die Bevölkerung ein Jahr zuvor in den Gemeinderat wählten, wurde zum Nitrat-Obmann ernannt. «Als Obmann verbrachte ich etliche Stunden in den Küchen der Bauern», sagt der ehemalige Vizeammann. Seine Mission: Die Landwirte davon zu überzeugen, das Einzugsgebiet des Grundwassers nicht mehr zu beackern, sondern als Wiese zu belassen. «Denn das Problem ist nicht unbedingt die Gülle oder der Dünger», sagt Meyer, «sondern der Boden, der durch das Ackern aufgelockert und so durchlässiger für Nitrat wird.» Eine dichte Graswiese hingegen könne dank den vielen Wurzeln viel mehr Nitrat aufnehmen. Bauern, die nicht mehr Mais oder Weizen, sondern Gras säten, erhielten eine Entschädigung für die Ertragseinbusse. So sah es das Pilotprojekt zur Sanierung des Grundwassers vor, das vom Bund, Kanton und Gemeinde finanziert wurde. Die Massnahmen zeigten Wirkung und das Wasser wurde wieder sauber. Wohlenschwil führte das Projekt weiter und kontrolliert immer noch regelmässig nicht nur das Wasser im Pumpwerk, wie vom Kanton vorgeschrieben, sondern auch das Grundwasser im ganzen Einzugsgebiet – unterdessen noch halbjährlich.

Wieso der Wert diesen Oktober wieder derart angestiegen ist, kann Peter Meyer nur vermuten. Einer der Bauern sei aus dem Programm ausgestiegen und bewirtschafte sein Land bei der Panzersperre wieder intensiv. «Möglicherweise ist das der Grund.» Der aktuelle Fall zeige, wie wichtig die regelmässigen Kontrollen sind. «So erkennen wir schon früh, wenn etwas nicht stimmt – bevor das Trinkwasser verschmutzt wird.» Zudem könne man das Gebiet besser eingrenzen, in dem die Verschmutzung entstehe. «Steigt der Nitrat-Wert noch mehr, müssen wir aktiv werden und beispielsweise über die Gemeindeversammlung sozialen Druck aufbauen», sagt Meyer. Als letztes Mittel bleibe eine Anzeige. Dazu müsste der Schuldige aber einwandfrei identifiziert werden.