Seit ungefähr 2000 Jahren wird in den Thermalquellen an der Limmat gebadet, doch so wenig sichtbar und nutzbar wie in den vergangenen Jahren war das Wasser in dieser langen Zeit selten bis nie. Bis vor wenigen Wochen stand das Wasser der Öffentlichkeit einzig bei der Thermalbank gratis zur Verfügung, wo die Füsse eingetaucht werden können. Ansonsten musste einen Eintritt in einem der Bäderhotels bezahlen, wer mit dem «flüssigen Gold» in Berührung kommen wollte.

Seit Dezember aber betreibt der Verein «Bagni Popolari Baden» auf dem Kurplatz ein temporäres Gratis-Becken, das rege genutzt wird. Zuvor hatte der Verein bereits am Fantoche 2016 ein solches Bad aufgebaut. Auf die Eröffnung des neuen Thermalbades im Jahr 2020 hin soll das Projekt eines öffentlichen Beckens einen definitiven Standort erhalten: Geplant ist ein «Heisser Brunnen» am Ort der heutigen Limmatquelle. Allenfalls könnte am gegenüberliegenden Ufer in Ennetbaden ebenfalls ein kleines Becken gebaut werden.

Kulturelles Erbe vermitteln

Beim «Heissen Brunnen» handelt es sich offenbar bereits um weit mehr als nur eine Idee. «Ich bin zu 90 Prozent sicher, dass das Projekt realisiert wird», sagt Bruno Meier. Der Badener Historiker ist Gründungsmitglied des Bädervereins, der das Projekt unterstützt. Der Support dieses Vereins könnte sich für die «Heissen Brunnen als entscheidend herausstellen, denn dem Vorstand gehören wichtige Entscheidungsträger an: Marc Bertschinger von der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, die das neue Thermalbad betreiben wird, Badens Stadtammann Markus Schneider, Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf, Kantonsarchäologe Georg Matter sowie Werner Eglin von der Limmathof AG.

Historiker Bruno Meier erklärt: «Mit dem Heissen Brunnen geht es darum, an das kulturelle Erbe zu erinnern und das Thermalwasser wieder öffentlich sichtbar machen, so wie das auf dem Kurplatz mit den öffentlichen Bädern und später den Armenbädern jahrhundertelang der Fall war.» Zuversichtlich, dass das «Bagno Popolare» einen festen Platz erhalten wird, ist er auch aufgrund des Stimmungsumschwungs, der in den vergangenen Monaten bei vielen Projekten im Bäderviertel zu spüren gewesen sei. Das habe nicht zuletzt damit zu tun, dass sich eine Einigung zwischen Bauherrschaft und Denkmalpflege beim Projekt für eine Privatklinik im Verenahof-Geviert abzeichne.

Marc Angst vom Verein Bagni Popolari: «Wir sind ebenfalls zuversichtlich, dass unser Traum eines öffentlich zugänglichen Thermalwasserbrunnens Realität werden könnte. «Der Brunnen soll ohne jegliche Technik auskommen, ohne Pumpen, damit ein Badeerlebnis wie vor 2000 Jahren möglich wird.» Allerdings gebe es noch einige Fragen, die geklärt werden müssten, so Angst. So diejenige der Finanzierung, wenn auch die Stadt Baden ein Interesse daran haben könnte, den öffentlichen Raum um das neue Thermalbad attraktiv zu gestalten. Ebenfalls noch unklar ist der exakte Standort des Brunnens sowie die Frage welche Quelle ihn speisen wird.

Hilfe vom Bundesamt für Kultur?

Der «Heisse Brunnen» kann mit einem Klick im Internet unterstützt werden. Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat anlässlich des «Kulturerbejahres 2018» einen Ideenwettbewerb lanciert, unter dem Titel «Kulturerbe für alle». Die besten Projekte werden mithilfe des BAK umgesetzt. Die «Heissen Brunnen»lagen gestern an der Ranglistenspitze der beliebtesten Ideen.

Zu den Supporterinnen des «Heissen Brunnens» zählt auch Andrea Schär, sieben Jahre lang Leiterin der archäologischen Ausgrabungen im Bäderquartier. «Öffentlich zugängliches Thermalwasser war immer ein wichtiges Element eines jeden Thermalbades. Die Ideen von Bagni popolari tragen diese Tradition weiter und führen zu einer breiten Wahrnehmung und Abstützung der Badener Bädertradition in der Bevölkerung.»