Im Gemeinderat Mellingen ist es zum Eklat gekommen: Anfang Woche gab die Exekutive bekannt, dass sie Beat Gomes (parteilos) einen Teil seiner Ressorts entzieht, unter anderem wegen mehrfachem Fehlverhalten und Missachtung des Kollegialitätsprinzips. Was denken die Ortsparteien über den Vorfall?

«Für die CVP Mellingen kam es sehr überraschend, dass Beat Gomes nach den Sommerferien gewichtige Ressorts entzogen wurden», sagt Ortsparteipräsident Hanspeter Koch. Man werde am Montag mit Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP) zusammensitzen. «Mitglieder der CVP haben Beat Gomes als Parteilosen während des Wahlkampfes unterstützt, er ist unser wichtigster Partner im Gemeinderat. Wir möchten wissen, welche politischen Gründe zum Ressortentzug geführt haben», sagt Koch.

Der Eklat widerspiegle seines Erachtens die politische Malaise in Mellingen. «Die CVP war in Vergangenheit über Jahrzehnte die dominierende Partei. Seit 15 Jahren ist es die FDP.» Der Politik sei es zu wenig gut gelungen, alle politischen Player ins Geschehen zu integrieren. «Hier möchten wir mit der Unterstützung von Beat Gomes einen Kontrapunkt setzen.» Diese Aussage dürfte Gomes gefallen, will er sich doch der Partei anschliessen. An der Herbstversammlung der CVP werden die Mitglieder über das Aufnahmegesuch von Gomes befinden.

Die CVP hat nach dem Vorfall das Vertrauen in die Exekutive nicht verloren. «In politischen Grundsatzfragen nehmen wir zwar eine andere Position ein, dennoch machen die Gemeinderäte einen guten Job.» Auch was das Vertrauen gegenüber Gomes betrifft, habe sich nichts verändert: «Beat Gomes ist eine profilierte Person, die etwas bewegen kann.» Das zeige auch die breite Unterstützung, die Gomes bei der Gemeinderatswahl erfahren habe. «Er vertritt in vielen Bereichen, etwa bei der Orts- und Zonenplanung, bei den Führungsstrukturen für den Gemeinderat und besonders in der Kommunikationskultur zwischen Behörden und Bevölkerung die gleiche politische Linie wie wir.»

Die FDP Mellingen, die mit Gemeindeammann Bruno Gretener und Gemeinderätin Giovanna Suter in der Exekutive vertreten ist, bedauert, dass es zum Eklat gekommen ist. «Es ist sehr schade, dass der Gemeinderat Zeit für die Lösung interner Differenzen investieren muss, statt sich voll und ganz den Sachgeschäften und der Weiterentwicklung von Mellingen widmen zu können», sagt Ortsparteipräsidentin Mirjam Egloff. Die FDP sei der Meinung, dass der Gemeinderat mit Sicherheit mildere Massnahmen als den Ressortentzug ergriffen hätte, wenn dies möglich gewesen wäre. «Doch offenbar war dies nicht der Fall», sagt Egloff, die bis Ende letzten Jahres selber im Gemeinderat vertreten war. «Trotz Eklat: Die FDP stärkt den beiden Mitgliedern den Rücken.» Weiter möchte sie sich nicht über den Fall äussern. «Als Aussenstehende ist es schwierig, die Situation zu beurteilen.» Welche der Vorfälle genau zum Eklat geführt haben, wüssten nur die Gremiumsmitglieder.

Roger Fessler, der Ortsvertreter der SVP Bezirk Baden in Mellingen und gleichzeitig Gemeinderat ist, kann zum Ressortentzug nichts sagen: «Aufgrund des Kollegialitätsprinzips äussere ich mich nicht.» Neben Fessler ist die SVP auch noch mit Vizeammann René Furter in der Exekutive vertreten.

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