Ehrendingen

Gina Kern kandidiert nicht für Grossen Rat – Rückzug wegen schlechten Listenplatzes

Gina Kern, Ex-Grossratskandidatin (FDP)

Gina Kern, Ex-Grossratskandidatin (FDP)

Die Ehrendinger FDP-Gemeinderätin und ehemalige Nationalratskandidatin Gina Kern kandidiert nun doch nicht für den Grossen Rat.

«Rückzug von der Grossratsliste», schreibt Gina Kern auf ihrem Facebook-Profil. Und weiter: «Ich werde nach reiflicher Überlegung nicht für den Grossen Rat kandidieren. Von einem hinteren Listenplatz habe ich zu kleine Wahlchancen.»

Als die FDP des Bezirks Baden im Juni die vorläufige Kandidatenliste für die Grossratswahlen im Herbst präsentierte, fand sich die ehemalige Nationalratskandidatin auf Platz 18 von 25 wieder. Auf der definitiv eingereichten Liste war es Platz 21 von 30.

Vor der Veröffentlichung der Liste gab es eine parteiinterne Debatte, wie die Reihenfolge der Namen zu bestimmen sei. Zur Auswahl standen drei Optionen. Der Vorschlag der Parteileitung: Auf den ersten Plätzen sollen die Bisherigen stehen – sortiert nach dem Wahl‑ resultat vor vier Jahren. Dahinter folgen jene, welche 2016 die Wahl verpassten – ebenfalls rangiert nach damaligem Resultat.

Zuletzt werden die Neulinge wie Gina Kern platziert, in alphabetischer Reihenfolge. Ein weiterer Vorschlag: Man wählt die gleiche Regelung wie vor vier Jahren. Damals stellte die FDP auch ihre Spitzenkandidaten sowie die Zweitmaligen in alphabetischer Reihenfolge auf.

Die dritte Option brachte Kern ins Spiel. Die Ehrendinger Gemeinderätin forderte attraktivere Plätze für jene Kandidatinnen und Kandidaten, die sich bereits bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst aufstellen liessen.

Die 45-Jährige stellte den Antrag, dass diese Kandidaten nach den Bisherigen und Zweitmaligen – aber noch vor den Neulingen – platziert werden, sortiert nach Wahlresultat. Die Mitglieder entschieden sich schliesslich mit knapp 70 Prozent für den Vorschlag der Parteileitung. Kerns Variante landete im Online-Voting mit rund 20 Prozent auf dem zweiten Platz.

«Wie bedauern ihren Rückzug», sagt Norbert Stichert aus Untersiggenthal, Bezirksparteipräsident und amtierender Grossrat, und hebt im selben Atemzug Kerns Vorzüge hervor: «Sie ist Gemeinderätin in Ehrendingen, gut vernetzt in Baden und nicht zuletzt eine Frauenkandidatur.»

Stichert ist überzeugt, dass man von jedem Listenplatz eine Chance hat, räumt aber auch ein, dass die Reihenfolge eine gewisse Rolle spielt. «Aus Gina Kerns Warte war der Listenplatz sicher unbefriedigend, aber unsere Mitglieder haben sich für diese Variante entschieden.»

Nationalratswahlkampf war kein Sprungbrett

Für Kern wäre ein guter Listenplatz entscheidend gewesen. «Ich hätte mir mehr Unterstützung und mehr Anerkennung für den Nationalratswahlkampf gewünscht. Und damit verbunden einen besseren Listenplatz.» Der Nationalratswahlkampf war mit viel zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden, hätte als Sprungbrett für den Grossen Rat dienen sollen.

Ambitionierte Kandidatinnen und Kandidaten sollte man entsprechend positionieren, findet Kern. Stichert entgegnet, dass der Einzug in den Grossen Rat nur in den seltensten Fällen auf Anhieb gelingt. «Es braucht Schnauf», sagt er.

Trost erhält Kern auf Facebook. «Was für ein Verlust für die FDP – ich bedaure das sehr», schreibt die Aarauer Stadträtin und Grossrätin Suzanne Marclay-Merz (FDP). Yannick Berner, FDP-Fraktionschef im Aarauer Einwohnerrat, schreibt: «Das ist sehr schade. Du bist eine Bereicherung für die FDP. Bis zum nächsten Mal.»

Wird es ein nächstes Mal geben? Über Grossrats- und Nationalratskandidaturen schweigt sich Kern aus, verspricht aber, dass sie erneut als Gemeinderätin antreten wird. «Ich mache das sehr gerne und bin eine leidenschaftliche Freisinnige.»

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