Stetten

Gesuch abgelehnt: Keinen Folientunnel für Reusstaler Chili-Bauer

Der Kanton sagt Nein zum Baugesuch von Erich Fischer, der in Stetten rund 600 Chili-Pflanzen anbaut. Aber nicht aus Naturschutzgründen.

Der Fall sorgte für Aufsehen: Ende Januar wurde bekannt, dass zwei Seetaler Bauern ihre Folientunnel für die Aprikosen wieder abreissen müssen. Der Regierungsrat war zwar hinter dem Projekt gestanden, hatte danach aber eine Beschwerde von Pro Natura gutgeheissen. Die Landschaft knapp drei Kilometer nördlich des Hallwilersees sei schützenswert und der falsche Ort für Folientunnels.

Rund einen Monat später lag auf der Gemeinde Stetten das Baugesuch der RüsstalChili GmbH von Chili-Bauer Erich Fischer für einen 30 Meter langen und 7 Meter breiten Folientunnel auf. Einsprachen gab es gegen das Projekt des grössten Aargauer Chiliproduzenten zwar keine. Der Kanton als Bewilligungsbehörde für Bauten ausserhalb der Bauzone lehnte das Baugesuch jedoch ab. Nicht etwa aus Naturschutzgründen. Erich Fischer betreibe mit seiner Chili-Plantage keine gewinnorientierte Tätigkeit, so die Begründung.

Ohne Folientunnel keine gesicherte Ernte

Erich Fischer, der Vollzeit bei einer Bank arbeitet und die Plantage nebenbei betreibt, ist enttäuscht über den Entscheid. «Die Schlange beisst sich in den Schwanz», sagt er. «Ohne Folientunnel kann ich nicht mehr Pflanzen anbauen, und wenn ich nicht mehr Pflanzen anbauen kann, kann ich auch nicht davon leben.»

Seit 2013 erntet Fischer in Stetten die scharfen Beeren. 2014 gründete er die RüsstalChili GmbH, der Betrieb ist unterdessen auf 600 Pflanzen angewachsen, die auf dem Feld von Nachbar Thomas Koch jedes Jahr aufs Neue gedeihen. Mit dem Folientunnel wollte Fischer seine Ernte sichern, die den Launen der Natur ausgesetzt ist. So konnte er im vergangenen Jahr wegen der kalten Nächte im Frühling und Sommer gerade mal zehn Kilogramm ernten, zehnmal weniger als im Jahr zuvor.

Mit dem 210 Quadratmeter grossen Tunnel auf dem Chlosterfeld an der Gnadenthalerstrasse hätte er seine Pflanzen vor den Wetterkapriolen schützen und so eine sichere Ernte gewährleisten wollen. Für den kantonalen Entscheid habe er zwar gewisses Verständnis. «Ich bin auch dafür, dass man vernünftig mit der Natur umgehen soll», sagt Fischer. Aber unter den aktuellen Umständen sei es unmöglich, den Umsatz zu erzielen, der nötig wäre, um von der Chili-Plantage leben zu können.

Nicht mit den Seetaler Bauern vergleichbar

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt ergänzt auf Nachfrage zur Ablehnung: «Das Raumplanungsgesetz sieht vor, dass in der Landwirtschaftszone nur Bauten und Anlagen errichten darf, wer einen Landwirtschaftsbetrieb führt.» Ohne Mindestarbeitszeitbedarf und wirtschaftliche Produktion gelte die Tätigkeit der RüsstalChili GmbH als Freizeitlandwirtschaft und könne deshalb auch nicht mit den Seetaler Bauern verglichen werden.

Beschwerde gegen die Ablehnung seines Gesuches will Erich Fischer nicht einreichen. «Das kostet nur Nerven, Zeit und Geld», sagt er. Er plant aber, für sechs Monate einen temporären Tunnel aufzustellen. Dafür brauche er keine Bewilligung, so der Chili-Bauer.

Der Nachteil: Den Tunnel jedes Jahr aufzustellen und wieder abzubauen, kostet Zeit und Geld. Dafür gestaltet sich die Auflockerung der Erde nach der Ernte einfacher. Bauer Thomas Koch, auf dessen Feld die Chili-Pflanzen in den vergangenen Jahren standen, kann nach dem Abbau des Tunnels in kürzester Zeit mit Traktor und Pflug das Feld wieder für die Aussaat vorbereiten.

Ob der Chili-Bauer den temporären Tunnel noch in diesem Jahr aufstellen kann, ist unklar. Die Corona-Pandemie könnte dessen Lieferung verzögern. Wegen der aktuellen Krise muss Fischer zudem mit einer grossen Umsatzeinbusse rechnen. Zwar verkaufen sich seine Chili-Produkte in der Chämimetzg in Fislisbach und bei Jacky Stehli in Mellingen nach wie vor gut, im «Chäslade» in Niederrohrdorf und via Online-Shop sogar noch besser als vor der Krise.

Nur: Die Haupteinnahmequelle sind die verschiedenen Märkte in der Region, die reihenweise abgesagt wurden. Erich Fischer: «Fällt der Pfingstmarkt in einigen Wochen ebenfalls aus, fehlt mir bereits ein Drittel des Jahreseinkommens.»

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