Für Walter Hubmann, Vizeammann von Killwangen, ist unbestritten: «Wir brauchen die Limmattalbahn, sie muss gebaut werden.» Der Gemeinderat zweifelt jedoch an der Gestaltung des Bahnhofareals. Er verlangt, dass der Güterschuppen abgerissen wird: «An dessen Stelle soll ein Terminal für die Busse und die Limmattalbahn gebaut werden.» Weil der Gemeinderat Widerstände bei der Limmattalbahn AG (LTB) und den SBB spürt, hält er an seiner früheren Beschwerde gegen das Projekt fest. Sie dient ihm als Pfand für die Durchsetzung seines Vorschlages. Der Güterschuppen habe keine verkehrsbedingte Funktion mehr, stellt Hubmann fest und betont: «Deshalb braucht es ihn auch nicht mehr.»

Der Bahnhof Killwangen-Spreitenbach ist ein sehr stark frequentierter Knotenpunkt. Verkehrsmässig lässt er sich, so Hubmann, «kaum gescheit entflechten». Hier verkehren auf engem Raum die RVBW-Buslinien 2 und 4 (Baden–Spreitenbach), hier wenden die RVBW-Linien 10 (Killwangen–Industrie Spreitenbach) und 11 (Killwangen–Würenlos). Hier ist, bis zur Eröffnung der LTB, auch die Wendestelle der VBZ-Linie 303 (Killwangen–Dietikon). Zudem fahren einige hundert Autos täglich vorbei oder zweigen nach Würenlos ab, und schliesslich überqueren ungezählte Pendler die Bahnhofstrasse. Bald soll die LTB dazukommen. Das ist nach Ansicht des Gemeinderates zu viel für das zwischen dem steilen Hang und den Bahngleisen eingezwängte Areal. Deshalb rückte er vom ursprünglichen Plan ab, die Haltestellen der LTB und der Busse vor dem Bahnhof einzurichten. Er verlangt einen separaten Busterminal anstelle des Güterschuppens: «Das würde die Situation entflechten.» Der Gemeinderat sieht darin noch einen weiteren Vorteil: «Man könnte eine Fussgängerunterführung vom neuen Busterminal zu den SBB-Perrons bauen, die behindertengängig ist.» Genau daran krankt die heutige Unterführung. Die SBB beabsichtigen, sie im Jahr 2018 umzubauen. Vorgesehen sind Rampen statt Treppen und ein Lift beim Aufnahmegebäude.

Kurze Wege für die Pendler

«Wenn die Haltestelle von der bestehenden Unterführung weg verschoben wird, führt das zu längeren Umsteigezeiten», sagt Daniel Issler, Geschäftsführer der Limmattalbahn AG (LTB) zum Vorschlag der Gemeinde. Die Umsteigezeiten spielten auf dem Bahnhof Killwangen-Spreitenbach jedoch eine entscheidende Rolle. Er ist vor allem auf Pendler zwischen den verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln ausgerichtet. «Deshalb müssen die Fussgängerverbindungen von der S-Bahn zur LTB möglichst kurz sein», ergänzt Issler. Die LTB sei verpflichtet, bei ihrer Fahrplangestaltung auf die S-Bahn-Linien in Richtung Dietikon/Zürich, Wettingen/Baden und Mellingen/Aarau Rücksicht nehmen: «Dabei spielen Sekunden eine Rolle.» Je länger die Umsteigewege, desto gravierender seien die Auswirkungen. Issler sieht aber auch das Anliegen der Gemeinde: «Wir wollen es vertieft anschauen, für Verbesserungen sind wir offen.» In Gesprächen mit allen involvierten Parteien solle eine optimale Lösung gesucht werden. Unter Zeitdruck steht die Planung der Endhaltestelle Killwangen noch nicht. Der Abschnitt Dietikon– Spreitenbach–Killwangen ist Teil der 2. Etappe der LTB. Deren Bau ist 2019 bis 2022 vorgesehen. Die Plangenehmigung durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) erwartet Issler im Sommer oder Herbst. Somit ist auch noch Zeit für die vom BAV vorausgehend angesetzten Gespräche zwischen der Gemeinde und der LTB.

Dieser Vogt-Bau ist geschützt

Für die SBB ist der Abbruch aber kein Thema. Der Bahnhof Killwangen-Spreitenbach wurde 1970 erstellt. Er gehört wie das Zentralstellwerk Zürich oder die Bahnhöfe Altstetten und Effretikon zu den bekanntesten Bauten des SBB-Hausarchitekten Max Vogt. Unter anderem deshalb habe ihn die SBB vor zirka zwölf Jahren saniert, teilt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig mit. Vizeammann Hubmann sieht das anders: «Güter werden in Killwangen schon lange keine mehr umgeschlagen. Das Gebäude hat also seine Funktion verloren.» Einem Abbruch steht auch die seit 2014 geltende Bau- und Nutzungsordnung entgegen. Sie hat aus Sicht des Gemeinderates einen Makel: Der Bahnhof gilt darin als schützenswertes Objekt. Er steht somit einem Busterminal im Wege. Deshalb soll die kommende Gemeindeversammlung den Schutz des Schuppens wieder aufheben. Sollten Gemeinde oder LTB eine zusätzliche Unterführung wünschen, wäre, so Ginsig, die Finanzierung deren Sache.

Im Projekt enthalten ist, wie bisher ein Lift, ähnlich dem Promenadenlift in Baden. Dank diesem sollen die Einwohner bequemer die rund 12 Höhenmeter zwischen dem Wohngebiet und dem Bahnhof überwinden können. «Neu ist der Lift nicht mehr als freistehender Turm geplant, er soll in den Hang gebaut werden», sagt Hubmann.