Wettingen

Geschäftsführer kauft Autocenter Baschnagel – und er hat grosse Pläne

«Ein emotionaler Schritt»: Geschäftsführer René Fischer spricht zur Belegschaft.

«Ein emotionaler Schritt»: Geschäftsführer René Fischer spricht zur Belegschaft.

Die Besitzerfamilien des Autocenters Baschnagel haben die Garage dem Geschäftsführer René Fischer verkauft. «Wir sind sehr froh, dass insbesondere für die 90 Mitarbeitenden endlich Gewissheit besteht, wie es weitergeht», sagt Jürg Koller im Namen der Verkäufer-Familien.

Die Szene gleicht einem Morgenappell in der Rekrutenschule. Fast alle der 90 Mitarbeiter und der 20 Lernenden des Autocenters Baschnagel haben sich gestern Mittag in der Werkstatt im Halbrund aufgestellt, um zu hören, was ihnen ihr Chef René Fischer zu sagen hat.

«Ich darf Ihnen mitteilen, dass ich gestern Abend die Firma rückwirkend auf Anfang April von den Besitzerfamilien abgekauft habe.» Tosender Applaus erschallt durch die Werkstatt, worauf Fischer mit feuchten Augen und leicht zittriger Stimmer ergänzt. «Das ist auch für mich ein sehr emotionaler Schritt und ich bin sehr froh, eine solch tolle Firma mit solch tollen Mitarbeitern übernehmen zu dürfen.»

Tatsächlich ist die Vertragsunterzeichnung vom Dienstagabend ein historischer Schritt. Ein Jahr vor dem 100-Jahr-Jubiläum wechselt das Autocenter Baschnagel seinen Besitzer. René Fischer, seit 2012 Geschäftsführer, hat im Rahmen eines «Management Buy Out» den vier Eigentümerfamilien Margrit Huser-Baschnagel, Pia Bilgerig-Baschnagel, Ruth Koller-Baschnagel und Bruno Baschnagel-Demonti das Autocenter mit dazugehörigem Land abgekauft. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. «Wir sind sehr froh, dass insbesondere für die 90 Mitarbeitenden endlich Gewissheit besteht, wie es weitergeht», sagt Jürg Koller im Namen der Verkäufer-Familien.

V.l.: Cyrill Huser (zuvor Verwaltungsratsmitglied/Aktionär), Jürg Koller-Baschnagel (Vizepräsident des Verwaltungsrats, seine Frau Ruth Koller-Baschnagel war Aktionärin) und Martin Bilgerig (Verwaltungsratsmitglied, seine Mutter Pia Bilgerig-Baschnagel war Aktionärin) haben die Firma René Fischer (2.v.r.) verkauft. zvg

V.l.: Cyrill Huser (zuvor Verwaltungsratsmitglied/Aktionär), Jürg Koller-Baschnagel (Vizepräsident des Verwaltungsrats, seine Frau Ruth Koller-Baschnagel war Aktionärin) und Martin Bilgerig (Verwaltungsratsmitglied, seine Mutter Pia Bilgerig-Baschnagel war Aktionärin) haben die Firma René Fischer (2.v.r.) verkauft. zvg

Es sei in letzter Zeit eine gewisse Unruhe gepaart mit Gerüchten aufgekommen, da die Autoindustrie generell schwierige Zeiten durchmache. «Natürlich war der Verkauf für uns Besitzerfamilien kein einfacher Schritt, und wir haben ihn auch reiflich überlegt», so Koller. Fakt sei, dass sich trotz oder gerade wegen neun Kindern in der vierten Generation keine interne Lösung abgezeichnet habe. «Und auch ein Verkauf an Investoren kam für uns – obwohl wir immer wieder angefragt wurden – nicht infrage. Denn für uns war der Erhalt der rund 90 Arbeitsplätze immer das oberste Ziel.» Umso erfreuter sei man nun, dass dies erreicht wurde und das Autocenter in Familienbesitz bleibe. René Fischer spielt den Ball zurück und betont, «diese Übernahme war nur dank der grossartigen Unterstützung und dem grossen Vertrauen der Eigentümerfamilien möglich».

Virtueller Showroom geplant

Tritt die Garage nun unter dem Namen «Autocenter Fischer» auf? «Nein, der Name ‹Baschnagel› ist eine Marke in der Region, den wir beibehalten werden, sagt Fischer. Der 51-jährige Ökonom, der vor fünf Jahren eher zufällig in die Autobranche fand, glaubt an das Potenzial der Marke. «Wir sind in der Region Baden/Wettingen – der 10. grössten Agglomerationsregion in der Schweiz – der grösste VW-Händler. Das Umfeld ist zwar nicht einfacher geworden, doch wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass man mit Autos Geld verdienen kann, wenn man seine Hausaufgaben macht und innovativ ist.» So schreibe man aktuell bei einem Jahresumsatz von 35 Millionen Franken schwarze Zahlen.

Fischer spricht von einem Wendepunkt im Automobilgeschäft. «Neue Antriebsmodelle kommen auf den Markt, Werkstätten müssen sich neue definieren und ganz neue Verkaufsmodelle werden sich in Zukunft aufdrängen.» So wird auch das Autocenter Baschnagel als nächsten grossen Schritt im Frühling 2019 in Spreitenbach einen neuen Showroom mit modernster Infrastruktur eröffnen. «Unsere Kunden werden unsere Fahrzeuge mittels multimedialen und virtuellen Präsentationsformen ganz neu erleben können.» Denn der neue Inhaber ist überzeugt: «In Zukunft wird man den Verkauf und den technischen Bereich noch viel mehr trennen.» Mit dem Verkauf und der Präsentation müsse man dorthin, wo es hohe Frequenzen gebe – also zum Beispiel nach Spreitenbach.

Wie genau sich das Areal an der Landstrasse in Wettingen entwickeln werde, hängt massgeblich von der Teiländerung der Nutzungsplanung «Landstrasse Wettingen» ab, die in den nächsten Monaten voraussichtlich Rechtskraft erlangen wird. «Wir werden das Areal dann entsprechend dem städtebaulichen Leitbild und in enger Abstimmung mit den örtlichen Behörden entwickeln», sagt Fischer, der nun das 4. Kapitel der Baschnagel-Geschichte schreibt. Gut möglich, dass die Firma auch längerfristig in Familienbesitz bleibt: Fischers Sohn macht zurzeit eine Automechaniker-Lehre.

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