Baden

«Geschäfte am Flohmarkt laufen nicht mehr so gut wie früher»

Teures Porzellan findet am Flohmarkt keine Käufer, günstige Kleider dagegen schon. Die Händler bleiben auf Qualitätsprodukten sitzen – heute ist billige Ware gefragt.

Stahlblauer Himmel, klare Luft: Zumindest wettermässig waren die Voraussetzungen gut für den Badener Flohmarkt. An den rund 80 Ständen auf dem Theaterplatz wurde geplaudert und gefeilscht.

Zwei T-Shirts wechselten für 4 Franken ihre Besitzerin, ein Haushalts-Sieb ging über den Ladentisch und sogar die alte Motorsäge fand am Wochenende einen Käufer.

«Wir sind immer ausgebucht und müssen Absagen erteilen», sagt Jeannette Kalt vom Team Marktadministration der Stadt Baden. Mit Preisen von 7 Franken pro Laufmeter und Markttag sind die Standmieten enorm günstig. Um den administrativen Aufwand zu minimieren, wird ab 2016 eine Internet-Plattform für die Plätze eingerichtet.

«Die Geschäfte laufen nicht mehr so gut wie früher», konstatierten die meisten von ihnen. Theresia Andres Kocher aus Untersiggenthal blieb auf ihrem wertvollen Porzellangeschirr sitzen, das sie aus Nachlässen erworben hatte. «Ich habe immer noch wahnsinnig Freude an meinen Trouvaillen und am Markt. Deshalb bin ich hier», meinte die Spitex-Krankenschwester und stellte ernüchtert fest: «Qualität ist nicht mehr gefragt. Der Flohmarkt ist voller Kleider und Ramsch.»

Ursula Halat aus Otelfingen liebt die lebendige Atmosphäre vor Ort. «Wenn jemand aber eine Jeans für lumpige 5 Franken noch herunterhandeln will, ärgere ich mich», sagte sie. Billig ist gefragt und Secondhand-Garderobe hat Hochkonjunktur.

Die in Niederlenz wohnhafte Berlinerin Julia Kindt zeigte sich überrascht, dass ein Grossteil ihrer Babysachen und eigenen Klamotten weg gingen wie warme Weggli. «Ich habe das erste Mal einen Stand hier und es läuft besser, als ich es erwartet habe», meinte sie strahlend.

Der Badener Hans Hunziker ist fast schon eine Institution am Flohmarkt. Bei ihm findet man vom Abfalleimer bis zu indonesischen Stabpuppen alles, was das Herz begehrt. «Früher waren die Geschäfte eindeutig lukrativer», bekundete er, «heute kann man schon froh sein, wenn der Ertrag für ein Nachtessen reicht.»

Trotz den rückläufigen Einnahmen schwärmen alle Standbetreiber von der guten Stimmung am Badener Flohmi und kommen gerne wieder.

«Wir lieben den Kontakt mit den Leuten», meinten Beatrice und Viktor Schnelli aus Ehrendingen. Sie verkaufen alles, was sich aus Hausräumungen ergibt. «An einem Tag laufen Bücher besonders gut, an einem anderen Kerzenständer. Es ist völlig unberechenbar, was geht und was nicht», stellten beide fest. Sie sind zufrieden, wenn sie mit ihren Verkäufen die Standmiete und ein leichtes Plus rausholen.

Am Ende des Tages kommt die Abfallentsorgungs-Crew mehr zum Einsatz, als ihr lieb ist. Denn oft wird der Flohmarkt mit einer Gratisentsorgungsstelle «verwechselt» und Ware, die nicht veräussert wurde, einfach liegengelassen.

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