Baden

Geri Müller: «Wir haben hier keine Ausländer, aber Menschen aus 90 Ländern»

Vizeammann Geri Müller stimmte am Neujahrsapéro 2012 in Baden aufs Stadtfest ein - und regte zum Nachdenken an. Ohne Menschen aus dem Ausland, so Müller, wäre das Kantonsspital halb leer und die ABB ein regionaler Handwerksbetrieb.

Nein. Es war noch nicht das berüchtigte Stadtfestfieber, das Stadtammann Stephan Attiger von argem Fieber geschüttelt ins Bett gelegt hatte, wie Vizeammann Geri Müller weismachen wollte. Immerhin konnte er Attigers herzliche Grüsse übermitteln mit der Gewissheit, dass der Stadtammann bis zum grossen Fest längst wieder im Schuss sein werde.

«Die Stadt steht sehr gut da»

Es dürfte eine Rekordzahl von Badenerinnen und Badenern und solchen, die in der Stadt ihr Arbeitsleben verbringen, in der Trafohalle anwesend gewesen sein. Die Stimmung unter den über 500 Leuten war herzlich und von Zuversicht geprägt.

Daran knüpfte der Vizeammann an: «Finanziell stehen wir gut da», und er erwähnte die vielen Projekte, die in der Stadt im neuen Jahr forciert würden. Damit sprach er auch das Projekt Schulhausplatz an, das reibungslos durch den Grossen Rat kommen möge.

Im Schulbau stünden grosse Investitionen an, um die Herausforderungen im Bildungswesen zu meistern. Der Schulvorsteher wies auf den bevorstehenden Systemwechsel bei der Volksschule hin, aber auch auf die Tagesstrukturen sowie die notwendigen Massnahmen an den höheren Schulen. Die Bäder sowie die Änderungen der Bau- und Nutzungsordnung seien erforderlich, um die entsprechend vernünftige Entwicklung der Stadt, insbesondere im Bäderquartier zu ermöglichen.

Hier Baden - und rundherum?


Dann liess der Nationalrat der Grünen die Stadt hinter sich und blickte in eine Welt, die rundherum zusammenzubrechen scheine: Finanz-, Wirtschafts- und Energiekrise. Müller gab zu bedenken, dass wohl viele Leute mit Geld reicher würden, andere jedoch fallieren, dass aber weit mehr Menschen in ihrer Existenz bedroht würden, die nichts damit zu tun hätten. «Ich denke an die Flüchtlinge aus den ressourcenreichen Ländern Afrikas, die zu uns in den Norden kommen und eigentlich nur den gestohlenen Bodenschätzen nachreisen - und hier zum Fall Bettwil werden.»

Müller erinnerte, dass man auf der nördlichen Halbkugel innert 150 Jahren die Hälfte der fossilen Einlagerungen verbrannt habe, die in 300 Millionen Jahren entstanden seien. Und er stellte fest, dass die reichste Bevölkerung biederer, lustfeindlicher und prüder geworden sei. Statt voller Bürgerrechte, der sozialen Absicherung, Charme, Höflichkeit und Grosszügigkeit sei ein Denken, gesteuert von Sicherheit, Gesundheit und Kosteneffizienz eingekehrt.

Dagegen stelle er in Baden eine Oase der Lebenslust und Kooperation fest. «Wir haben hier keine Ausländer, aber Menschen aus 90 Ländern», sagte Müller. Ohne sie wäre das Kantonsspital halb leer, die ABB ein regionaler Handwerksbetrieb. Die Schleifung des Schloss Steins vor 200 Jahren feiere die Stadt Baden als Jahrestag des Aufbruchs. Darum ist sich der Vizeammann bewusst, dass 2012 auch ein ausgelassenes Stadtfest bringen werde. Das Publikum quittierte Müllers Worte mit viel Applaus und liess sich gerne vom Team der neuen Trafo Betriebs AG verwöhnen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1