Stetten
Gemeindevertrag abgelehnt – in Stetten herrscht Ratlosigkeit

Nachdem der Gemeindevertrag zur Führung der 5. und 6. Klasse in Künten gescheitert ist, herrscht nun beim Gemeinderat Ratlosigkeit. Welche Zukunft den Oberstufenschülern des Schulverbands Reusstal blüht, ist noch unsicher.

Erna Lang-Jonsdottir
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Die Primarschüler der 5. und 6. Klasse bleiben in Stetten. Dies hat die Gemeindeversammlung entschieden.

Die Primarschüler der 5. und 6. Klasse bleiben in Stetten. Dies hat die Gemeindeversammlung entschieden.

zvg

«Wir sind ratlos», sagt Kurt Diem, Gemeindeammann von Stetten. Grund: Die Stimmberechtigten haben am Mittwoch den Gemeindevertrag zur Führung der 5. und 6. Klasse in Künten mit 66 Ja- zu 86 Neinstimmen abgelehnt (siehe Box).

Beschlüsse Sommergmeind Stetten

Stimmberechtigte: 1214

Anwesend: 174

Quorum: 243

Mit grossem Mehr genehmigte Anträge:

- Protokoll und Rechenschaftsbericht

- Rechnung 2012

- Verpflichtungskredit von 1,3 Millionen Franken für den Bau eines Regenbeckens und Abwasservertrag

- Rechtsformänderung Alterszentrums Fislisbach.

Abgelehnt:

Gemeindevertrag zwischen Künten und Stetten zur Führung der 5. und 6. Klassen in Künten.

Zurückgezogen:

Schulverband Reusstal; Satzungsänderungen.

Die Beschlüsse unterliegen dem fakultativen Referendum. (elj)

Dieser Entscheid hatte dann auch zur Folge, dass der Gemeinderat an der Sommergmeind die Satzungsänderungen für den Schulverband Reusstal zurückzog. Konkret: Künten wird kein Mittelstufenstandort. Und: Stetten wird nicht wie geplant zu einem Oberstufenstandort für Küntener und Stetter Real- und Sekschüler.

Jetzt liegt der Ball erst einmal bei der Gemeinde Künten: Heute Abend entscheidet die Versammlung über dieselben beiden Vorlagen. Ob der Schulvertrag und die Satzungsänderungen überhaupt noch traktandiert werden – darüber wollte Vizeammann Emil Meier keine Auskunft geben.

Sollte Künten, wie angekündigt, seine Oberstufenschüler nach dem ablehnenden Entscheid von Stetten nach Bremgarten schicken, könnte dem heutigen Schulverband Reusstal die Auflösung drohen.

«Fakt ist, dass wir dem Schulverband Reusstal seit Jahren Sonderbewilligungen erteilen», bestätigt Urs Eichenberger, Leiter Sektion Ressourcen, Abteilung Volksschule beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS).

Primarschule: Widerstand im Vorfeld

Stetten, Künten, Fischbach-Göslikon und Niederwiel gehören dem Schulverband Reusstal an. Dieser kämpft seit Jahren mit den Schülerzahlen. Das Bildungsdepartement des Kantons Aargau macht den Oberstufen-Unterricht in Künten, Stetten und Niederwil mit Sonderbewilligungen möglich. Mit dem Vertrag zwischen den Künten und Stetten wollten die Gemeinderäte in Künten einen Mittelstufenstandort und in Stetten einen Oberstufenstandort sichern. Dass die Stetter 5.- und 6.-Klässler nach Künten zur Schule müssen, sorgte bereits im Vorfeld zu Diskussionen (az vom 15. Juni). Widerstand leisteten vor allem die Schulpflege sowie die Gruppe «Pro Primar», bestehend aus vielen Eltern. (elj)

Mit der Bewilligung des Regierungsrats sei es den drei Oberstufenstandorten Künten, Stetten und Niederwil möglich, ihren Betrieb zu führen, obwohl sie die Auflagen betreffend die Schülerzahlen nicht erfüllen. Ende Schuljahr 2013/2014 laufe diese Sonderbewilligung ab.

«Der Schulverband Reusstal muss weiterhin nach Lösungen suchen», sagt Eichenberger. Mit dem Wechsel auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe (6/3) seien ab dem Schuljahr 2014/15 drei Abteilungen gefordert mit jeweils mindestens 13 Schülern in der Sek und 11 Schülern in der Real gefordert.

Ob der Schulverband Reusstal zusammenbreche, sollte Künten sich einem anderen Verband anschliessen, sei unsicher. «Natürlich wird es dann für die drei anderen Vertragsgemeinden eine Herausforderung Lösungen zu finden», sagt BKS-Vertreter Eichenberger. Denkbar sei, dass Niederwil zu einem Oberstufenstandort werde.

Der Gemeinderat Stetten wartet die Referendumsfrist ab. «Danach machen wir eine neue Auslegeordnung und suchen nach neuen Lösungen», sagt Diem. Eine Möglichkeit sei, die Oberstufenschüler in Mellingen unterzubringen.

Die Zusage von Mellingen sei vorhanden. «Was wir dann mit den vielen leeren Schulzimmern machen, steht in den Sternen.» Der Gemeinderat nehme den Entscheid sportlich, betont Diem. «Trotzdem ist er egoistisch.»

Damit bezieht er sich auf die 30 Lehrpersonen, die bei einer Schliessung der Oberstufe Künten und Stetten ihre Stelle verlieren würden. «Der Stetter Entscheid wirkt sich auf alle Vertragsgemeinden aus», hält Diem fest.