Beat Gomes, wie haben Sie erfahren, dass Ihnen ein Teil Ihrer Ressorts entzogen wurde?

Beat Gomes: Benedikt Nüssli (Verleger des «Reussboten» a. d. R.) hat mich am Dienstagmorgen angerufen und mir den Inhalt der Medienmitteilung vorgelesen. Dass ich von einem Journalisten über den Ressortentzug in Kenntnis gesetzt werde, zeigt die Art und Weise, wie die Informationspolitik des Gemeinderates funktioniert. Diese habe ich bereits in meiner Zeit als Redaktor beim «Reussboten» kritisiert und gehe mit ihr auch heute noch nicht einig.

Der Gemeinderat schreibt von bestehenden Differenzen, mehrfachem Fehlverhalten, Missachtung des Kollegialitätsprinzips sowie Ihrem Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Behördenmitgliedern.

Der Gemeinderat will die konkreten Gründe, die zum Ressortentzug geführt haben, nicht thematisieren. Stattdessen bezieht er sich auf das Amtsgeheimnis. Klar ist: Ich war und bin eine umstrittene Figur, weil ich meine Meinung sage. Aber so, wie es in der Medienmitteilung steht, scheint es, als würde ich – überspitzt gesagt – nichts anderes tun, als das Personal zu piesacken.

Was hat denn Ihrer Meinung nach zu dieser Entscheidung geführt?

Es ist ein altes Thema, das bereits während meines Wahlkampfs zur Sprache kam: meine Doppelrolle als Journalist und Gemeinderat. Die Exekutive unterstellt mir, dass ich Themen, die im Gremium behandelt werden, dem «Reussboten» stecke und Artikel im Namen anderer schreibe. Der Gemeinderat sieht hinter jedem Strauch einen Gomes.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Erst kürzlich haben wir im Gemeinderat das Thema Littering behandelt. Zufälligerweise fragte eine «Reussbote»-Redaktorin am anderen Tag nach, ob der Gemeinderat sich bewusst sei, dass es an der Reuss ein Abfallproblem gebe. Dabei stützte sie sich auf Hinweise der Bevölkerung. Selbst eine solche Anfrage reicht, damit ich beschuldigt werde, irgendetwas ausgeplappert zu haben.

Ist an diesen Vorwürfen etwas dran?

Das ist absurd und so etwas würde ich nicht machen. Der Gemeinderat unterschätzt, wie vernetzt Verleger Bene Nüssli ist und wie viele Inputs täglich an die Redaktion herangetragen werden. Es ist eine kleine Welt, die Leute reden gern. Ich selber bin nur noch selten auf der Redaktion und pflege im Vergleich zu früher relativ wenig Kontakt. Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich Gegenwind gespürt. Damit musste ich rechnen. Auch mache ich kein Geheimnis daraus, dass Bruno Gretener und ich ein Verhältnis wie Hund und Katz pflegen. Ich spüre, ich bin nicht erwünscht. Dass ich aber auf diese Weise mehreren Ressorts enthoben wurde ist unprofessionell.

Was haben Sie nun vor?

Nun warte ich erst einmal ab, gehe meinen Pflichten nach und werde weiterhin an den Ratssitzungen teilnehmen.

Ein Rücktritt kommt für Sie also nicht infrage?

Nein! Ich bin vom Volk gewählt worden, um Veränderungen herbeizuführen. Ich möchte, dass mehr geredet und Politik auf Augenhöhe mit der Bevölkerung gemacht wird. Vieles geschieht heute hinter verschlossenen Türen, auch wird nur über Themen diskutiert, die auf der Agenda stehen. Das muss sich ändern.

Wie wollen Sie das anpacken?

Ich habe ein Aufnahmegesuch an die CVP gestellt: In diesen sieben Monaten als Gemeinderat habe ich gemerkt, dass man eine Partei im Rücken haben muss, um etwas bewegen zu können. Was ich jetzt schon sagen kann: Ich werde ein kritischer Geist bleiben.