Fislisbach

Gemeinde stoppt das Wachstum – das Gebiet «Buech» wird vorerst nicht eingezont

Stillstand: In den nächsten zwei Jahren wird mit den Baulandparzellen «Buech» nichts geschehen.

Stillstand: In den nächsten zwei Jahren wird mit den Baulandparzellen «Buech» nichts geschehen.

Fislisbach sistiert die geplante Einzonung des Gebiets «Buech». Auch, um keinen Leerwohnungsbestand zu riskieren.

2013 lautete der Vorwurf einiger Fislisbacher Bürgerinnen und Bürger noch, der Gemeinderat treibe eine Überbauung des Gebiets «Buech» unverhältnismässig schnell voran. Sieben Jahre später liegt die Fläche an der Strasse nach Oberrohrdorf immer noch brach – und der Gemeinderat verkündet, die dort geplante Siedlungserweiterung zu sistieren: «Das in der Höhe von rund 600 Einwohnern prognostizierte Wachstum wird bereits mit der inneren Verdichtung und den zwei Überbauungen ‹Musterlee› und ‹Eichmatt› annähernd erreicht – ohne dass dafür eine zusätzliche Einzonung im ‹Buech› notwendig würde», schreibt er in einer Mitteilung.

«Unseren Entscheid werden einige als weise empfinden», ist sich Gemeinderat und Bauvorsteher Andreas Mahler (GLP) sicher. Dieses Vorgehen hat nichts mit den damals kontroversen Meinungen in der Bevölkerung über die Weiterentwicklung des Gebiets zu tun, sondern mit der gegenwärtigen Bautätigkeit: «Aktuell sind in Fislisbach grosse Projekte im Bau oder im Bewilligungsverfahren. Zudem sind weitere Neubauten in Planung», führt Mahler aus. Unter anderem an der Badenerstrasse Nord auf dem Land der ehemaligen Subaru-Autogarage, die im Dezember ihre Tore geschlossen hat.

Grosse Überbauungen kurz vor Realisierung

«Wir sind überrascht worden, wie schnell alles vorwärts geht», sagt Mahler. Und bevor man einen Leerwohnungsstand riskiere, stoppe man hier lieber und warte ab, wie sich alles weiterentwickelt. Ein «Marschhalt», so nennt es der Gemeinderat, um entsprechende Rückschlüsse für das weitere Wachstum der Gemeinde Fislisbach ziehen zu können. «Es ist immer auch eine Frage der Infrastruktur», erklärt der Bauvorsteher. «Wir wissen heute ja zum Beispiel noch nicht, wie viele Kinder durch die Neuzuzüger ins Dorf kommen werden, also welche Auswirkungen der Zuwachs auf unsere Kindergärten haben wird.»

2012 hatte der Gemeinderat eine Wachstumsprognose von rund 0,8 Prozent pro Jahr definiert, rechnete also mit einem Bevölkerungswachstum von etwa 600 Personen mehr bis im Jahr 2025. Ende 2019 lebten 5571 Menschen in Fislisbach. Vor acht Jahren waren es 5437, seither sind jedes Jahr rund 20 neue Einwohner hinzugekommen.

Doch die Einwohnerzahl wird in nächster Zukunft sprunghaft ansteigen: In den zwei aktuell grössten Bauprojekten «Musterlee» und «Eichmatt» werden einige Hundert Menschen mehr erwartet. So entsteht im Gebiet «Musterlee» auf einem rund 9970 Quadratmeter grossen Grundstück zwischen Feld- und Musterleestrasse gerade eine Überbauung mit acht Wohngebäuden und 62 Wohnungen. Zehn Prozent der Wohnfläche sind als Alterswohnungen vorgesehen.

Die Überbauung «Eichmatt» befindet sich kurz vor Baubeginn und soll im Sommer 2021 fertiggestellt sein. Auf einem 8130 Quadratmeter grossen Grundstück zwischen Birmenstorfer-, Eich- und Holderäckerstrasse werden rund 80 Eigentums- und Mietwohnungen entstehen. Dabei handelt es sich um zwei der letzten Baulandflächen in Fislisbach.

Durch neues Raumplanungsgesetz gestoppt

In der Gemeinde waren per Ende 2017 rund 96 Prozent der bestehenden Baulandparzellen überbaut. Die restlichen 4 Prozent werden als «baureif» eingestuft. Dazu gehört auch das Gebiet «Buech». Es wurde mit rund 200 Personen gerechnet, die hier hätten wohnen können. Dafür müsste das Gebiet aber zuerst eingezont werden, wobei nur der nördliche Teil in Frage kommen würde, für dessen Umnutzung die Gemeinde von allen Eigentümern das Einverständnis erhalten hatte. Beim südlichen Teil hingegen befürworteten nicht alle das Ansinnen der Gemeinde.

Das war im Jahr 2013. Danach musste die weitere Planung für einen längeren Zeitraum unterbrochen werden, aber: «Sie wurde stets weiterverfolgt, sobald die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen vorhanden waren», sagt Mahler heute. Der längere Unterbruch hatte mit dem neuen Raumplanungsgesetz zu tun, das 2014 in Kraft trat.

Dieses verbot die Zersiedelung der Gemeinden und damit die Einzonung von Landwirtschaftsland. Deshalb musste ein erstes Einzonungsbegehren für das Gebiet «Buech» gestoppt werden. Im Jahr 2017 wurde die Gesamtrevision des kantonalen Richtplans vom Bundesrat genehmigt, darin festgehalten auch die Weiterentwicklung des Gebiets «Buech», das bis zum Jahr 2040 als Einzonungsgebiet vorgesehen ist.

Bis vor kurzem sei deshalb permanent weitergeplant worden, bis sich der Gemeinderat nun für den Stopp entschied. Das Vorhaben, den nördlichen Teil einzuzonen, ist für die nächsten zwei Jahre auf Eis gelegt. «Nun warten wir ab, was in dieser Zeit passiert», so Mahler. Ab Mitte 2022 werde dann die Planung für die Siedlungserweiterung im «Buech» wieder aufgenommen beziehungsweise neu überprüft.

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