Im Wettinger Wald am Lägern treiben sich 40 Damhirsche umher – doch eigentlich gehören sie nicht dorthin, sondern auf die Weide des Mooshof.

Die Hirschzüchter Walter Benz und seinen Vater Pius wurden am Mittwochmorgen von Passanten darauf aufmerksam gemacht: In ihrem Damhirsch-Gehege Mooshof in Wettingen klaffte ein grosses Loch. Eines, das in der Nacht von Unbekannten mit grösseren Geräten mutwillig in den stabilen Zaun geschnitten wurde. 150 Hirsche leben darin – und sind nun «frei» .

«Die Tiere standen zum Teil noch hier, einige konnten wir zurück auf die Weide zurücktreiben», sagt Benz am Donnerstag gegenüber TeleM1. Doch rund 40 Damhirschen sind in den Wald oberhalb der Gehege verschwunden. Darunter sind auch einige spezielle Tiere, wie Benz verrät: «Es sind viele tragende Muttertiere dabei, die in drei, vier Wochen setzen werden.»

Das bereitet dem Tierpfleger sorge, da die hochtragenden Tiere nun erheblichem Stress ausgesetzt sind im fremden Umfeld. Das sei gar nicht gut und gestalte die Rückführung der Hirsche schwierig: «Sie dürfen nicht getrieben werden. Sie müssen möglichst ruhig zurückbringen.»

Es droht der Tod – per Gesetz

Pikant: Die Tiere einfach in der Wildbahn lassen geht nicht – schon nur wegen der geltenden Gesetze. Vater Pius Benz, stellvertretender Jagdaufseher der Region, erklärt: «Das eidgenössische Jagdgesetz hält fest, dass man keine artfremde Tier auswildern darf.» Der Damhirsch sei keine einheimische Art. «Deswegen müssten wir auch auf diese Tiere schiessen.»

Diese Konsequenz bedeutete für Tierpfleger Walter Benz nicht nur einen emotionalen, sondern auch einen grossen finanziellen Schaden.» Weil unter den Tieren vor allem Zucht- und keine Fleischtiere sind, beliefe sich dieser auf mehrere Tausend Franken.

Doch es gibt noch kleine Hoffnungsschimmer für Benz: seine Tiere werden immer wieder von Spaziergängern in einem nahen Waldstück gesichtet und gemeldet. Der Tierpfleger hofft, dass die Damhirsch von selbst wieder zum Gehege zurückkehren. Spuren zeigten, dass die Tiere nachts in die Nähe der Weide seien.

Spuren sichert auch die Kantonspolizei, die nach einer Anzeige von Benz die Ermittlungen aufgenommen hat. (edi)