Freienwil

Gastrolokal, Kultursaal und Kita: Bestatter-Beiz «Weisser Wind» wird renoviert

In den letzten zwei Jahren kehrte in der Dorfbeiz «Weisser Wind» am Freitag und Sonntag jeweils wieder Leben ein. (Archiv)

In den letzten zwei Jahren kehrte in der Dorfbeiz «Weisser Wind» am Freitag und Sonntag jeweils wieder Leben ein. (Archiv)

Umbauarbeiten des geschichtsträchtigen Gebäudes sind gestartet – es wird Gastrolokal, Kultursaal und Kita Platz bieten.

Als Schauplatz in der SRF-Serie «Der Bestatter» hat die Beiz 2015 schweizweit Berühmtheit erlangt; in Freienwil geniesst der «Weisse Wind» bereits seit vier Jahrhunderten Anerkennung als bedeutendstes Gebäude und Keimzelle der Gemeinde.

Die Genossenschaft, welche das in die Jahre gekommene Haus im Vintage-Stil vor vier Jahren kaufte und so wohl vor dem Abbruch rettete, hat nun genügend Geld beisammen, um die dringend benötigte Renovation durchführen zu können. Mitte Woche haben nun die Feierlichkeiten zum Baustart stattgefunden.

«Der Umbau wäre nie möglich geworden ohne die grosszügige Unterstützung von Genossenschaftern, Privatpersonen, verschiedenen Fonds und Stiftungen», sagt Urs Rey, Präsident der Genossenschaft «Weisser Wind».

Von den Gesamtkosten von 2,8 Millionen Franken für den Land- und Gebäude-Kauf sowie den Umbau sind auf diese Weise 1,65 Mio. Franken zusammengekommen. Neu hat auch noch die Basler Stiftung Edith Maryon finanzielle Unterstützung in Höhe von rund 370 000 Franken in Aussicht gestellt. Die Stiftung setzt sich zum Ziel, Grundstücke und Gebäude der Spekulation zu entziehen und für soziokulturelle Nutzungen zur Verfügung zu stellen.

«Der Bestatter» in Freienwil – äh, Morgenthal

Dezember 2015: «Der Bestatter» in Freienwil – äh, Morgenthal

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Der «Weisse Wind» wird dem Stiftungszweck entsprechen, soll er doch nach dem Umbau gleich mehrfach genutzt werden. «Wir werden das Gebäude als Beiz, Kultursaal, Kindertagesstätte und auch für Wohnungen nutzen», sagt Urs Rey.

Beim Umbau wird im Erdgeschoss die Wirtschaft modernisiert, sie behält aber ihr Ambiente aus den 1950er-Jahren. Im Dachgeschoss entstehen zwei Wohnungen, im Untergeschoss ein Musikproberaum.

Das Prunkstück, der Theatersaal im Obergeschoss, bleibt im Originalzustand aus dem Jahr 1910 bestehen und wird multifunktional genutzt: Die Kindertagesstätte – die bereits im August ihren Betrieb aufnimmt – nutzt den Saal von Montag bis Freitag als Spielraum, am Wochenende steht er als Kultursaal zur Verfügung.

«Der Erfolg der bisherigen Veranstaltungen zeigt, dass der Saal dank seiner authentischen Atmosphäre und guten Akustik sehr geeignet für kulturelle Events ist», sagt Rey. Die Veranstaltungen sollen nicht nur im Dorf, sondern in der ganzen Region zu einem Begriff werden und Publikum anlocken. «Die Einheit von Kultur, ländlichem Ambiente und Gastronomie ist einmalig.»

Auch Gemeindeammann Robert Müller freut sich: «Für den sozialen Zusammenhalt in unserem Dorf ist der ‹Weisse Wind› enorm wichtig.» Vergangenes Jahr sorgte im Dorf für Unruhe, dass Müller gleich in dreifacher Rolle ins Umbauprojekt involviert war – als Gemeindeammann, Vorsteher der Baukommission und verantwortlicher Architekt.

«Die Kritik nahm ich sehr ernst. Ich ging als Gemeindeammann und Ressortvorsteher Hoch- und Tiefbau immer in den Ausstand, als es Diskussionen zum ‹Weissen Wind› gab», sagt Müller. Überdies gab es eine Einsprache gegen das Baugesuch, weil eine Baulinie zur Ortsbildschuttzone überschritten werde.

Die «IG Freienwil Transparent» verteilte Flugblätter, in denen es ebenfalls hiess, das Bauprojekt verstosse gegen geltendes Recht. Bei den Feierlichkeiten zum Umbaustart des «Weissen Windes» war diese Kritik indes verflogen.

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