Zusammenschluss

Fusions-Avancen aus Turgi kommen in Baden gut an

Die Fusionsgelüste aus der Sicht von AZ-Karikaturist Silvan Wegmann.

Die Fusionsgelüste aus der Sicht von AZ-Karikaturist Silvan Wegmann.

Sogar bei Skeptikern findet die Idee einer Fusion von Baden und Turgi Anklang. Die Situation sei anders als 2010 mit Neuenhof, heisst es.

Der Gemeinderat Turgi will eine Fusion mit Baden prüfen. Wie gross sind die Chancen, dass ein Zusammenschluss tatsächlich klappen könnte? 2010 scheiterte die Fusion von Baden mit Neuenhof am Nein der Badener Stimmbevölkerung an der Urne. Das Nein war ein grosser Erfolg der SVP-Stadtpartei, die das Vorhaben bekämpft hatte. «Die Ausgangslage war damals mit Sicherheit eine andere als jetzt im Falle von Turgi», sagt Daniel Glanzmann, Fraktionspräsident der SVP im Badener Einwohnerrat. «Neuenhof hatte einen sehr hohen Steuerfuss und es gab die Befürchtung, dass Baden der Gemeinde die Infrastruktur bezahlen müsste.» Turgi sei finanziell auch nicht auf Rosen gebettet, aber die Situation sei nicht mit derjenigen von Neuenhof im Jahr 2010 zu vergleichen.

Hinzu komme, dass Turgi mit rund 3000 Einwohnern deutlich kleiner sei als Neuenhof, gleichzeitig aber urbaner. «Im Prinzip wäre Turgi dann im Anschluss an den Kappelerhof ein weiteres Stadtquartier. Es macht in meinen Augen sicher Sinn, eine Fusion mit Turgi zu prüfen», sagt Glanzmann. Es müsse aber genau überprüft werden, ob sich Turgi nicht über seinem Wert verkaufe.

Neuer Schwung für die Region?

Einer, der der Vermählung von Turgi und Baden gute Chancen gibt, ist Renato Sinelli. Er war massgeblich an der Fusion von Unter- und Oberehrendingen im Jahr 2006 beteiligt und war danach erster Gemeindeammann der Gemeinde Ehrendingen. Sinelli sagt: «Gemeinderat und Verwaltung scheinen überzeugt davon zu sein, dass eine Fusion Sinn macht. Diese Überzeugung, dieser Wille ist entscheidend, wenn es darum geht, der Bevölkerung die Vorteile aufzuzeigen. Ich bin darum überzeugt, dass der Zusammenschluss klappen wird.»
Marco Kaufmann, Präsident des Vereins Traktandum 1, der sich für eine geeinte, starke Region einsetzt, sagt zum Vorhaben von Turgi: «Das ist eine erfreuliche Entwicklung.» Es zeichne sich ab, dass sich in der Fusionsfrage wieder etwas bewege. Und vielleicht bringe ein Zusammenschluss von Turgi und Baden wieder den Schwung, den man sich erhofft habe.

Der Verein, der rund 150 Mitglieder aus der ganzen Region Baden zählt, betonte in der Vergangenheit wiederholt, dass ein Gemeindezusammenschluss «von unten», also aus der Bevölkerung angestossen werden müsse, wenn die politisch Verantwortlichen diesbezüglich nichts unternehmen. Dass nun in Turgi dennoch der Gemeinderat den Anstoss gibt, freut Kaufmann trotzdem: «Wir haben zuletzt gemerkt, dass am Ende eben doch die Politik die treibende Kraft sein muss.» Die Bevölkerung müsse zwar mit im Boot sein, aber nur Verwaltungen und Behörden könnten gemeinsam Fusionen voranbringen. Kaufmann hofft nun, dass wieder eine grössere Diskussion in der Region möglich wird – ohne Druck auf die Gemeinden auszuüben. Der nächste öffentliche Stammtisch von Traktandum 1 im Herbst wird in Turgi stattfinden. Die Fusionsgelüste des Turgemer Gemeinderates gaben gestern auch im Dorf zu reden. Gemeindeammann Adrian Schoop war gestern in Turgi unterwegs, um Reaktionen einzufangen: «Kritische Statements habe ich bisher noch keine erhalten, auch wenn ich mir bewusst bin, dass diese mich wohl noch erreichen könnten.» Die ersten Reaktionen seien wohlwollend und positiv. «Viele sagen, eine Fusion mit Baden liege auf der Hand.»

Eines stellt Adrian Schoop klar: «Wir machen den Schritt auf Baden zu nicht aus finanziellen Überlegungen.» Die Verschuldung pro Kopf liege bei wenigen hundert Franken, sei also im Vergleich mit anderen Gemeinden im Bezirk sehr tief. «Zwar schrieben wir 2016 ein aussergewöhnliches Defizit von zwei Millionen Franken, aber vergangenes Jahr betrug das Defizit bereits nur noch knapp eine halbe Million Franken. Und für das laufende Jahr bin ich zuversichtlich, dass wir uns sogar wieder auf eine schwarze Null zubewegen», sagt Schoop. «Wir sind eine gesunde Gemeinde, auch wenn wir uns hierfür Jahr für Jahr ziemlich anstrengen müssen.»

Gemeindefusionen im Aargau seit 2002:

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