Wettingen
Fünf Neue wollen in den Gemeinderat – erstmals stellten sie sich den Fragen der Bevölkerung

Erstmals konnten sich die neuen Wettinger Gemeinderatsanwärter live dem Publikum stellen.

Sabina Galbiati
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GLP-Ortsparteipräsident und Einwohnerrat Orun Palit (ganz links) interviewt die Gemeinderatskandidaten: (v. l.) Lutz Fischer-Lamprecht (EVP), Michael Merkli (FWW), Sandro Sozzi (CVP), Markus Haas (FDP) und Daniel Notter (SVP).

GLP-Ortsparteipräsident und Einwohnerrat Orun Palit (ganz links) interviewt die Gemeinderatskandidaten: (v. l.) Lutz Fischer-Lamprecht (EVP), Michael Merkli (FWW), Sandro Sozzi (CVP), Markus Haas (FDP) und Daniel Notter (SVP).

Alex Spichale

Zehn Gemeinderatskandidaten stehen der Wettinger Bevölkerung bei den Gesamterneuerungswahlen am 24. September zur Wahl. Fünf von ihnen – allesamt Einwohnerräte – kandidieren als Neue für die Exekutive. Bei einem Podium im Wettinger Rathaussaal bekamen sie erstmals die Gelegenheit, sich live der Bevölkerung vorzustellen und sich ihren Fragen zu stellen.

Bei der angespannten Finanzlage der Gemeinde und den steigenden Schulden war klar, dass die Finanzen die Diskussion dominieren würden. Orun Palit, Einwohnerrat und Präsident der GLP Wettingen-Limmattal (die Partei stellt keinen Gemeinderatskandidaten), moderierte den Abend. Er wollte von den Kandidaten wissen, ob sie für oder gegen eine Steuererhöhung sind. EVP-Kandidat Lutz Fischer-Lamprecht zeigte sich offen gegenüber einer Steuererhöhung: «Grundsätzlich müssen wir zuerst dort, wo es sinnvoll ist, sparen. Jedoch dürfen wir nicht die Verwaltung totsparen, das geht zulasten aller.» Auch Michael Merkli, der vor kurzem aus der BDP ausgetreten und die Partei Freie Wähler Wettingen (FWW) gegründet hat, zeigte sich offen für höhere Steuern. «Mir tut das Wort Steuererhöhung weh, aber wir brauchen eine gute Infrastruktur und eine gute Schule, wir sollten uns nicht zu Tode sparen.»

Höhere Steuern kein Tabu mehr

CVP-Kandidat Sandro Sozzi legte den Fokus auf die Schulden, die in Wettingen wegen der hohen Investitionen unter anderem in die Schule oder das Tägi massiv gestiegen sind. «Unser Ziel muss es sein, dass unsere eigene Generation die Schulden selber abbaut und nicht der nächsten überlässt. Ich bin offen für eine Steuererhöhung, wenn wir damit die Schulden abbauen können, und wir mit der LOVA (Leistungsorientierte Verwaltungsanalyse) zu wenig sparen.» Selbst SVP-Kandidat Daniel Notter ist gegenüber einem höheren Steuerfuss nicht verschlossen. «Wenn wir eine Steuererhöhung brauchen, um die Schulden abzubauen und um wirklich sinnvolle Projekte zu finanzieren, bin ich gerne dafür.» Allerdings machte Notter klar, dass man zuerst auf der Ausgabenseite die Schraube anziehen soll. «Es braucht eine ehrliche Diskussion, was wir uns leisten wollen und was nicht.» Er sei auch nicht dafür, alle Sparmassnahmen der LOVA umzusetzen. Aber er sei gewillt zu sparen. Diesen Willen habe er beim Gemeinderat bisher zu wenig gespürt.

Als Einziger sprach sich FDP-Kandidat Markus Haas betont gegen eine Steuererhöhung aus: «Eine Steuererhöhung muss immer das letzte Mittel sein und ist generell zu vermeiden. Die LOVA sollte uns ein jährliches Sparpotenzial von 5 bis 6 Millionen Franken bringen. Wir wollen den Steuerfuss halten.» Allerdings bezweifelte Daniel Notter, seines Zeichens Mitglied der Finanzkommission, dass die Sparmassnahmen der LOVA in dieser Höhe umgesetzt werden. «Ich gehe davon aus, dass es gut die Hälfte sein wird.»

Gerade mit der finanziellen Lage im Hintergrund war es für das Publikum spannend, zu erfahren, welche Anliegen den Kandidaten persönlich wichtig sind und wo sie Prioritäten setzen wollen. Lutz Fischer-Lamprecht sieht im Bereich Verkehr noch Schwachstellen: «Die Schulkinder müssen in unserer Gemeinde noch einige heikle Stellen überqueren, das müssen wir angehen.»

Arbeitsplätze und Wohnraum

Um wieder mehr Steuererträge zu generieren, will Markus Haas mehr Arbeitsplätze nach Wettingen holen: «Wir müssen zukunftsorientierte Dienstleistungsunternehmen, die wenig Platz brauchen, nach Wettingen holen». Daniel Notter bemängelte, dass das Gewerbe in den Wettinger Leitzielen der Gemeinde mit keinem Wort erwähnt ist. «Das sollte nicht sein, das Bewusstsein für das Gewerbe muss auch von oben kommen.» Dagegen plädiert Michael Merkli, der zum dritten Mal als Gemeinderat kandidiert, für die Schaffung von attraktivem Wohnraum, um gut verdienende Steuerzahler nach Wettingen zu holen.
Als es um die Unterstützung der Vereine ging, nannte Sandro Sozzi als eines seiner Ziele eine starke und engagierte Bevölkerung: «Ich lege grossen Wert auf die Vereine und deren Unterstützung durch die Gemeinde, aber die Vereine müsse sich auch überlegen, wie sie selber die Gemeinde unterstützen.»

Eine der spannendsten Fragen dieses Abends: Welchen ihrer vier Konkurrenten würden die Kandidaten auf eine einsame Insel mitnehmen? Für EVP-Kandidat Lutz Fischer-Lamprecht und FDP-Kandidat Markus Haas war sofort klar, dass sie den jeweils anderen mitnehmen. Sind sie doch langjährige, enge Freunde. FWW-Kandidat Michael Merkli und SVP-Kandidat Daniel Notter entschieden sich für Sandro Sozzi. Merkli: «Als eher introvertierte Person würde Sandro sicher nicht so viel sprechen.» Notter witterte einen anderen Vorteil: «Als Umweltingenieur wüsste Sandro, wie man Gemüse anbaut.» CVP-Kandidat Sandro Sozzi seinerseits entschied sich für Daniel Notter: «Wir wären sicher ein gutes Team.»

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