Zwei Monate nach dem offiziellen Spatenstich für das neue Thermalbad und die Rehaklinik ist das Bäderquartier wie verwandelt: Der Mättelipark ist der Baustelle gewichen. Auch vom Parkhaus bei der Dreikönigskapelle ist nichts mehr zu sehen. In Kürze werden die Bauleute die Aushubarbeiten fertigstellen und anschliessend mit dem Hochbau beginnen (siehe Kontext weiter unten).

Neben den Bauarbeitern ist auch die Kantonsarchäologie vor Ort: Rund zehn Mitarbeiter untersuchen den Boden auf Überreste der römischen Siedlung Aquae Helveticae – bereits haben sie Funde gemacht. «An der Bäderstrasse sind wir auf eine römische Hausecke und zwei Feuerstellen gestossen. Sie stammen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus», sagt die wissenschaftliche Grabungsleiterin des Bäderquartiers, Sonja Streit. Auch beim Limmatknie ist das Team auf römische Gebäudemauern gestossen.

Die Kantonsarchäologen bei der Arbeit – Sonja Streit kommentiert

Die Kantonsarchäologen bei der Arbeit – Grabungsleiterin Sonja Streit kommentiert.

Für mehr Aufsehen sorgt jedoch der Fund, der im Bereich des ehemaligen «Staadhofs» zum Vorschein gekommen ist. «Dieser Fund ist sehr speziell», sagt Streit. Das Holz sei 2000 Jahre alt und von den Römern als Untergrund für ihre Bäder benutzt worden. «Das zeigt, dass die Römer bereits mit Bodenverschiebungen zu kämpfen hatten. Sie liessen sich viel einfallen, um die darüberliegenden Bäder zu stabilisieren.» Es sei selten, dass man bei Grabungen auf derart altes Holz stosse. Nur wenn das organische Material von der Luft abgedichtet oder sehr trocken gelagert werde, lasse sich der Zersetzungsprozess aufhalten. «In diesem Fall haben das Thermalwasser und der Lehm dazu beigetragen, dass sich das Holz so gut erhalten konnte», sagt Streit. Die Holzbalken lagen unter einer Betonschicht, die zum Neubau des «Staadhofs» in den 1960er-Jahren benötigt wurde. Vom Fund erhoffen sich die Kantonsarchäologen, mehr über die römischen Bäder und deren Bauweise zu erfahren.

Auf Hilfe der Bauleute angewiesen

Das Team möchte als Nächstes auf die Wasserleitungen stossen. «Das gäbe uns Aufschluss darüber, wie die Römer ihre Becken mit Quellwasser speisten», sagt Streit. Bei den Grabungen sind die Mitarbeiter auf die Hilfe der Bauleute angewiesen, welche die möglichen Fundorte mit Baggern freilegen. In Kürze werden die Mitarbeiter den Bereich Parkstrasse untersuchen, wo gemäss früheren Grabungen weitere römische Überreste lagern.

Doch was geschieht mit den Funden? «Wir fotografieren jedes Objekt, archivieren es digital und markieren es massstabgetreu auf unseren Plänen», sagt Streit. Danach müssen die Funde der Baustelle weichen. Einzige Ausnahme bildet das Becken aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, das bei den Grabungen zwischen 2009 und 2012 im Bereich des ehemaligen «Römerhofs» zum Vorschein kam. «Das wird im neuen Thermalbad hinter einer Glasvitrine zu sehen sein», sagt Streit.

Kurtheater: Steinplatte gefunden

Nicht nur auf der Baustelle für das neue Thermalbad, sondern auch beim Kurtheater führt die Kantonsarchäologie Grabungen durch. Seit Anfang Mai untersuchen die Mitarbeiter den Bereich bei der Römerstrasse nördlich des Kurtheater-Gebäudes. «Zu Zeiten der Römer bestand dieses Quartier vor allem aus Wohnhäusern und Werkstätten», sagt die wissenschaftliche Grabungsleiterin Kurtheater, Nicole Beuret. Bis jetzt hat das Team unterschiedliche Siedlungsreste aus der Römerzeit gefunden. Auch wurde eine rund 120 Zentimeter grosse massive Steinplatte entdeckt. «Die Platte wurde bearbeitet und weist mehrere Vertiefungen auf», sagt Beuret und fügt an: «Die Funktion des Objektes ist zurzeit noch ungeklärt.»

Dieser und weiteren Fragen wird die Kantonsarchäologie in den kommenden Monaten nachgehen. «Ziel ist es, Näheres über die Form der Bebauung und die Lebensumstände entlang der Römerstrasse herauszufinden», sagt Beuret. Wie bei den Grabungen im Bäderquartier werden auch hier die Spuren der Vergangenheit fotografisch und zeichnerisch dokumentiert, was dem gesetzlichen Auftrag der Kantonsarchäologie entspricht. Danach werden die Strukturen der Römerzeit im Rahmen der Bauarbeiten für die Erweiterung des Kurtheaters ausgehoben und somit endgültig entfernt.

Die Grabungen beim Kurtheater dauern noch bis Mitte Oktober an, diejenigen bei der Baustelle für das neue Thermalbad bis Ende September.

Bilder vom Aushub: