Gebenstorf

Für die Zuschauer gab es beim Neujahrskonzert einen Ammann in Hochform

Das Blasorchester Gebenstorf präsentierte sich am Neujahrskonzert in Bestform. Auch dank Ammann Fabian Keller.

Es ist schon etwas Besonderes, wenn der Gemeindeammann als Solotrompeter auf der Bühne steht und das Publikum so mitreisst, dass es kaum noch stillsitzen kann. Bis es am Neujahrskonzert vom Blasorchester Gebenstorf soweit ist, dauerte es rund 90 Minuten.

Was aber mitnichten heisst, dass das Publikum erst von der Zugabe hell begeistert ist, Nein, alle Stücke im abwechslungsreichen Programm, werden freudig applaudiert – die einen brausend, andere eher getragen.

Abhängig ist das nicht von den herausragenden Leistungen der Musikerinnen, Musikern und ihrem Dirigenten  Joachim Pfläging, sondern von den einzelnen Kompositionen.

Hohe Niveau deutlich hörbar

Einmal mehr hat das BOG bei dem Zusammenstellen des Konzertprogramms Mut, Entdeckerfreude und Einfallsreichtum unter Beweis gestellt.

Das Motto „Freischütz“  deutet mit dem Komponisten der gleichnamigen Oper, Carl Maria von Weber, auf ein Abend mit Deutschen Werken hin und tatsächlich gibt es auch ein Werk von Johannes Brahms zu hören. Daneben aber führt die musikalische Reise von Tschechien über England bis in die USA.

Mit der Nummer 8 aus Antonin Dvoráks 16 „Slawische Tänze“, einer beschwingten, temporeichen Komposition, wird das Publikum gleich zu Beginn eingestimmt auf die blendende Stimmung und das breite Können des 50-köpfigen Orchesters.

Die Spielfreude und das hohe Niveau der – durch je zwei Celli, Bässe und Schlagwerker ergänzten – Fülle an Bläsern werden in der „Freischütz“-Ouvertüre noch deutlicher hörbar.

Krumme Takte, schräge Harmonien

Von Percy Aldridge Graingers (1882-1961) „Lincolnshire Posy“ werden nicht nur die Musiker, sondern auch die Zuhörer gefordert. In Australien geboren und in den USA gelebt, hatte Granger hatte anfangs des 20. Jahrhunderts England bereist und die Vorträge von Volksliedsängern auf einem Edison-Phonographen aufgezeichnet.

30 Jahre später hatte er sechs davon auf eine Komposition für Blasorchester übertragen, ohne den Charakter der Lieder und die persönliche Art, wie sie vorgetragen wurden, zu verändern oder gar zu modernisieren.

Jedes der sechs Stücke – vom Lied des Seemanns über das der Wilderer bis zum Liebes- und Tanzlied – zeichnen sich aus durch schräge Harmonien, ungewohnte Dynamik und auffällige Takte. Nichts desto trotz – oder gerade deshalb – vermittelt die Musik sehr stark Gefühle.

Sehnsucht und Melancholie

Der eine Song ist geprägt von Sehnsucht und Melancholie, ein anderer von übermütiger  Fröhlichkeit, ein dritter von magistraler Ordnung.

Diese "Blumensträusschen“ – „posy“ – aus dem Osten Englands sind für Zuhörer gewöhnungsbedürftig und fürs Orchester enorm anspruchsvoll. Unter der souveränen Leitung von Pfläging gelingt es den Musikerinnen und Musikern die schwierige Aufgabe hervorragend zu meistern: Chapeau!

Der anschliessende Programmpunkt führt das Publikum mit Johannes Brahms jäh zurück in Hochromantik. Mit der „tragischen Ouvertüre“ hatte das BOG allerdings nicht die beste Wahl getroffen. Mit  den „Sounds of Saint Lawrence“ des 68-jährigen Engländers Philip Sparke hingegen schon: Munter nimmt der St. Lorenz-Strom in dieser schwungvollen Komposition die Zuhörer mit auf eine attraktive Flussreise.

Will der Schlussapplaus nicht enden, gibt es als Zugabe nicht den obligaten „Radetzy Marsch“ sondern das einheimische Volksstück „Chumm übers Mätteli“, schmissig verjazzt mit dem Gemeindemann als brillanten Solisten. Dies als „Glüschterli“ fürs BOG-Gastkonzert beim jubilierenden Jodlerklub Horn im Oktober.

BOG Neujahrskonzert –Wiederholung am Sonntag um 17.00 Uhr in der Mehrzweckhalle Brühl. Kein Eintritt – Kollekte.

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