Prozess in Baden

Fünf Polizisten mit dem Tod bedroht: Gericht schickt 30-jährigen Aargauer in die Psychiatrie

Uniformen der Stadtpolizei Baden: Ein Mitglied des Korps sowie Solothurner Polizisten wurden massiv bedroht. (Symbolbild)

Uniformen der Stadtpolizei Baden: Ein Mitglied des Korps sowie Solothurner Polizisten wurden massiv bedroht. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Baden spricht einen 30-Jährigen frei, der Polizisten und einen seiner ehemaligen Lehrer massiv bedroht hat. Das Gericht verordnet aber wegen seiner schweren Krankheit die «kleine Verwahrung» in einer geschlossener Psychiatrie.

Der Angeklagte sitzt ruhig auf dem Stuhl, die Hände vor sich ineinander gefaltet auf dem Tisch. Ein sympathischer 30-jähriger Mann mit einem ansteckenden Lachen. Doch was man nicht sieht: Er leidet an einer schweren psychischen Krankheit.

Angeklagt ist der junge Mann, der in der Region Baden aufwuchs und im Kanton Solothurn wohnt, wegen mehrfacher Drohung und mehrfacher Sachbeschädigung. In zehn E-Mails, verteilt über einen Zeitraum von rund einem halben Jahr, stiess er massive Drohungen aus gegen einen seiner ehemaligen Lehrer und fünf Polizisten – vier von der Kantonspolizei Solothurn, einer von der Stadtpolizei Baden.

Drohungen mit Glasflasche

Er hasse sie und sie sollten sterben, schrieb der 30-Jährige. Er werde ihnen eine Glasflasche auf den Kopf schlagen. Am Wohnort des Lehrers sowie auf einem Polizeiposten war er schon einmal mit Pflastersteinen aufgetaucht. Die meisten der Betroffenen zeigten ihn an. Zudem soll er mit einem Stein in einer Badener Tiefgarage Frontscheibe und Kotflügel eines BMW sowie die Frontscheibe eines Mercedes-Benz beschädigt haben. Dies bestritt er.

Wie es ihm geht, fragt Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr zu Beginn der Verhandlung. Der 30-Jährige ist gehörlos, antwortet mit Gebärden. «Ich fühle mich gesund», übersetzt die Gebärdendolmetscherin. Zuletzt befand er sich in einer Klinik. Nach der Verhandlung werde er nicht dorthin zurückgehen, sondern nach Hause, gibt er hoffnungsvoll zu verstehen. «Es geht mir besser. Die Medikamente haben schnell gewirkt.» Er nickt ausladend.

Diagnose lautet auf paranoider Schizophrenie

Unbestritten war an der Verhandlung ein Gutachten, laut dem der 30-Jährige an einer paranoiden Schizophrenie leidet – und wegen dieser psychischen Erkrankung schuldunfähig ist. «Ein klarer Fall», sagte die Staatsanwältin.

Wie der Beschuldigte behandelt werden soll, dazu gingen die Ansichten allerdings auseinander. Die Staatsanwältin forderte eine stationäre Massnahme, auch kleine Verwahrung genannt. Damit sollen mögliche weitere Taten verhindert werden. Der Mann leide an Verfolgungswahn und glaube, sich gegen bestimmte Personen wehren zu müssen. «Es besteht Rückfallgefahr», verwies sie auf das Gutachten. Als «absolut unberechenbar» beschrieben ihn mehrere der Polizisten. «Sie dürfen sich nicht vom heutigen Eindruck täuschen lassen», so die Staatsanwältin. «Dank der Behandlung macht er heute einen gefassten Eindruck.»

Schwierigkeiten, sich verständlich auszudrücken

Die Verteidigerin forderte dagegen eine ambulante Massnahme, so dass er eine Therapie in Freiheit absolvieren könnte. Seine Einsichtsfähigkeit sei auf dem Niveau eines Primarschülers. Wegen seiner Hörbehinderung und wegen seiner Herkunft aus einem anderen Sprachraum sei es für ihn schwer, sich auszudrücken. Seine Schriftsprache sei fehlerhaft. «Er hat verstanden, dass seine Wortwahl nicht richtig war», sagte sie. Die Drohungen habe er nicht als solche gemeint. Er sei auch noch nie gewalttätig geworden. Bei seiner Arbeitsstelle im Kanton Solothurn gelte er als zuverlässig. Auch habe er zugesagt, die Medikamente regelmässig einzunehmen.

Das Gericht sprach den 30-Jährigen wegen seiner Schuldunfähigkeit frei. Es verordnete eine stationäre Massnahme in einer psychiatrischen Einrichtung. Diese dauert fünf Jahre. Sie kann vom Gericht verlängert werden. Der Betroffene kann aber auch, wenn es sein Zustand rechtfertigt und eine günstige Prognose vorliegt, bedingt entlassen werden. 

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