Das Badener Tagblatt möchte gewiss nicht auf die Spassbremse stehen und gönnt allen Fasnächtlern das närrische Treiben in den nächsten fünf Tagen. Und doch ist die Pflicht der «vierten Gewalt», auf Ungereimtheiten hinzuweisen, wenn es denn Anzeichen für solche gibt.

Zur Erinnerung: Eine Verurteilung von Hieronymus Füdlibürger und insbesondere der Schuldspruch «Tod durch Verbrennung» ist Voraussetzung, dass die Badener Fasnacht überhaupt stattfinden kann. Auch dieses Jahr wurde der Füdlibürger in den Graben gebracht, wo ihm vor Hunderten von Schaulustigen der Prozess gemacht wurde. Zwar betonte der Schultheiss, er vertraue darauf, dass das Hohe Gericht «einen fairen Prozess durchführt. Wir wollen ein faires Verfahren; solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung – auch für Hieronymus Füdlibürger.»

Tatsächlich? Drei Dinge machten den Reporter stutzig. Erstens sagte der gleiche Schultheiss, dass die Gugge «Bräusi Vögel» aus Spreitenbach nach dem Prozess in die Badener Fasnacht einstimmen werde. Also kannte der Schultheiss das Urteil schon? Zweitens: Während die Geschworenen die Köpfe zusammensteckten, um sich über das Urteil einig zu werden, wurde der Scheiterhaufen, auf dem der Füdlibürger stand, bereits mit Brandbeschleuniger übergossen. Weshalb, wenn noch gar nicht klar war, ob es zu einer Verurteilung kommt? Und drittens fragt sich der Chronist, wie unabhängig das Hohe Gericht in Anbetracht der vielen Fasnachtsvorbereitungen in der Innenstadt wirklich urteilen konnte.

Blumen für Uriella gekauft

Und so haftet dem Schuldspruch – bei aller Freude über die Fasnacht – doch ein ziemlich fader Beigeschmack an. Damit sei nicht gesagt, dass es durchaus gute Gründe gab, Füdlibürger zu verurteilen. So wurde die Zunftpolizei ihm habhaft, weil er wieder einen Blumenladen in Baden schliessen wollte. Hier intervenierte der Pflichtverteidiger zum ersten Mal. «Mein Mandant hat ganz sicher keinen Blumenladen schliessen wollen. Nein, er hat nur auf ein Mal sehr viele Blumen gekauft – für Uriella.» Darauf der Staatsanwalt: «Das sind reine Schutzbehauptungen.» Eben nicht, so der Verteidiger. So sei erwiesen, dass der Füdlibürger einen Fiat Lux fahre.

Der Staatsanwaltschaft holte darauf zu einem weiteren Schlag aus: «Es ist aktenkundig, dass der Füdlibürger in Bern verzweifelt für das EU-Rahmenabkommen weibelt. Und dies nur deshalb, um möglichst bald vor dem Europäischen Gericht für Menschenrechte gegen sein Todesurteil zu rekurrieren (Anmerkung der Redaktion: Wieso sprach der Staatsanwalt nicht von «möglichem Todesurteil», kannte also auch er das Urteil bereits?). «Richtig, der Füdlibürger war in Bern», so der Verteidiger, «jedoch aus einem ganz anderen Grund.» Denn der Füdlibürger würde für den Ständerat kandidieren und zwar für die FDP – die fasnächtlich-demokratische Partei. Darauf der Richter: «Der Füdlibürger und Ständerat!? Gut, wieso nicht: Das Recht steht jedem zu – «der Wermuth kandidiert ja auch».

Alte Pneus als Kunst verkauft

Schliesslich führte der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer weitere Schandtaten auf, die dem Füdlibürger zur Last gelegt werden. So habe er bei einem RVBW-Bus die Radmutter nicht richtig angezogen, die Manor mit einer Bombendrohung lahmgelegt und beim Schulhausplatz habe er alte Pneus aufgeschichtet und dies der Stadt erst noch als Kunst am Bau verkauft. Auch der Verkauf der ABB-Stromnetzsparte an die Japaner ginge auf die Kappe vom Füdlibürger. «Aus all diesen Gründen beantrage ich: Tod durch Verbrennen.»

Der Verteidiger hielt sich vergleichsweise kurz und appellierte vor allem an die Gefühle des Hohen Gerichts. «De Füdlibürger hät keis eifachs Lebe gha.» Deshalb beantrage er Freispruch. Anschliessend berieten sich die sechs Geschworenen und es kam zu einer Premiere. Drei Geschworene plädierten für schuldig, drei für unschuldig. Also war es am Richter, den folgenschweren Stichentscheid zu fällen. «Der Füdlibürger ist schuldig», so sein Verdikt. Doch welche Strafe sollte er bekommen? «Soll er in den Badener Wäldern helfen, Sträucher abzuholzen? Nein, es hat ja dort fast keine mehr.» Oder soll man den Füdlibürger einfach nach Wettingen aussetzen» (Anmerkung der Redaktion: Das wäre dann gar noch härter als Verbrennen auf dem Scheiterhaufen).

Es war schliesslich am Schultheiss, zu entscheiden. «Tod dur Verbrönnig. Scharfrichter zünd aa, d’Bademer Fasnacht foht aa!» Und so wurde unter dem Füdlibürger – dem wohl ob der frühlingshaften Temperaturen sowieso schon ziemlich warm war – das Feuer entfacht. Mit lautem Knall explodierte schliesslich Füdlibürgers Kopf – quasi das Zeichen für alle Fasnächtler: Die nächsten fünf Tage stehen ganz im Zeichen des närrischen Treibens.