Turgi

Frischer Wind im Hair Team Huber: Er reicht Schere und Kamm weiter

Bild mit Symbolcharakter: Noch-Inhaber Urs Huber steht zurück, Franziska Weibel tritt in den Vordergrund.

Bild mit Symbolcharakter: Noch-Inhaber Urs Huber steht zurück, Franziska Weibel tritt in den Vordergrund.

Urs Huber gibt seinen Coiffeursalon in Turgi nach 42 Jahren ab. Die einstige Lehrtochter Franziska Weibel übernimmt – ein Wendepunkt für den längjährigen Geschäftsführer und die gebürtige Würenlingerin.

Eine hohe Decke, grosse und einladende Fenster, futuristisch anmutendes Interieur, das in Weiss- und Silbertönen gehalten ist. Auf den ersten Blick scheint alles so wie immer zu sein, hier im Coiffeursalon des Hair Teams Huber an der Bahnhofstrasse in Turgi. Nur wenig deutet darauf hin, dass am 1. Mai eine Ära zu Ende gehen wird: Nach über vier Jahrzehnten gibt Geschäftsführer Urs Huber seinen Salon ab.

Für Huber schliesst sich ein Kreis. Am 1. Mai 1976 eröffnete er das Geschäft in Turgi. Nun, auf den Tag genau 42 Jahre später, reicht er sein Lebenswerk weiter. Über 70 Lernende (davon nur vier Männer) hat Huber in dieser Zeit ausgebildet. In Turgi ist sein Salon zu einer Institution geworden. «Letztes Jahr habe ich dann gespürt, dass es für mich Zeit wird, aufzuhören», sagt der heute 69-Jährige.

Übernehmen wird mit Franziska Weibel eine alte Bekannte: Ende der 80er-Jahre lernte sie unter Urs Huber das Coiffeur-Handwerk. Acht Jahre blieb sie in Turgi. Danach trennten sich die Wege. Weibel arbeitete als Coiffeuse in Genf und Zürich, bevor sie wieder in die Region zurückkehrte. Wohingegen Huber zwar den Standort seines Salons dreimal wechselte, Turgi aber immer die Treue hielt.

Der Wendepunkt als Chance

«Dem Dorf bin ich nach all den Jahren etwas schuldig», findet Huber. So sei es für ihn nicht infrage gekommen, das Geschäft an eine ortsfremde Coiffeurkette zu verkaufen. «Der Salon soll im gleichen Rahmen weiterbestehen. Darum wollte ich einen Nachfolger, den ich kenne und dem ich vertrauen kann.»

Ins Nachfolgespiel brachte sich Weibel gleich selbst. Durch eine befreundete Coiffeuse erfuhr sie von Hubers Plänen, aufhören zu wollen. «Obwohl wir über viele Jahre gar keinen Kontakt mehr hatten, meldete ich mich bei ihm», sagt Weibel. Es folgten laut Huber «zwei ehrliche Gespräche, in denen mit offenen Karten gespielt wurde». Und nach denen Weibel schliesslich den Zuschlag erhielt. Der Noch-Inhaber erinnert sich gerne an seinen ehemaligen Schützling zurück: «Als sie damals bei uns war, herrschte eine unglaubliche Dynamik in unserem Team.»

Die 49-jährige Franziska Weibel stand im vergangenen Jahr an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Sie habe über lange Zeit bewusst die Karriere der Familie untergeordnet, sagt die geschiedene Mutter von drei Kindern. Die vergangenen Jahre arbeitete sie lediglich in Teilzeitpensen. «Als die Kinder älter wurden, ist vieles plötzlich wieder möglich geworden. Ich war bereit für etwas Neues und machte mir deshalb Gedanken, wie ich meine berufliche Zukunft gestalten möchte.» Weibel packte die Gelegenheit beim Schopf – und wird nun mit knapp 50 Jahren erstmals in ihrem Leben Geschäftsführerin sein.

Umso besser für die gebürtige Würenlingerin, dass sie sich beim Hair Team Huber gewissermassen ins gemachte Nest setzen kann. «Sie wird hier auf ein eingespieltes Team treffen», ist Huber überzeugt. Ein rein weibliches Team notabene. Mit ein Grund für Weibel, warum sie das Geschäft übernommen hat. «Ich arbeite sehr gerne mit Frauen zusammen.» Unter den insgesamt neun Mitarbeitenden werde erst einmal sie selbst die Rolle der Lernenden einnehmen, betont Weibel. «Schliesslich bin ich die Neue hier.»

«Ich bin nicht der Star»

Sie beabsichtige nicht, als Geschäftsführerin Arbeitsschritte oder Schnitttechniken der Angestellten umzukrempeln. «Jede unserer Coiffeusen setzt Dinge anders um als die nächste.» Es sei jene Individualität, die stets das Credo seines Salons gewesen sei, sagt auch Urs Huber. «Ich habe nie verlangt, dass alle gleich arbeiten sollen wie ich.»

Dieser Grundsatz lasse sich auch im Geschäftsnamen wiederfinden. Bekannte Coiffeursalons wie Valentino oder Sandro Bross setzen auf die Wirkung des Geschäftsinhabers. «Das ist bei uns, wo im Namen das ‹Team› heraussticht, anders. Ich bin nicht der Star.»

Er sei sicher, dass sich die Turgemer im Salon noch viele Jahre ihre Haare schneiden lassen würden – ob die Person in leitender Position nun Huber oder Weibel heisse. «Man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen», beteuert Huber.

Gänzlich Adieu sagt er dem Salon indes noch nicht: Dienstags und freitags wird er weiterhin mit Schere und Kamm hantieren. Für die nächste Zeit lasse er seiner einstigen Lehrtochter aber freie Hand. «Ein frischer Wind wird dem Geschäft guttun.» Erste – wenn auch kleine – Akzente hat Weibel bereits gesetzt. Huber lächelt seine Nachfolgerin an und zeigt auf den beigen Lederstuhl, auf dem der Journalist sitzt. «Die neuen Sessel waren Franziskas Idee.»

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