Etwas abgelegen vom Zufahrtsweg zur Abdankungshalle des Friedhofs Liebenfels liegt es da – das erste Grabfeld für Muslime im Kanton Aargau. Vor ziemlich genau zwei Jahren hat der Badener Einwohnerrat das neue Friedhofsreglement und die nötigen Mittel für den langfristigen Friedhofsbetrieb genehmigt.

Seit Anfang Monat können auf dem Grabfeld nun Muslime bestattet werden. Der zuständige Stadtrat Philippe Ramseier (FDP) zeigt sich über das Resultat sehr zufrieden. «Das Grabfeld haben wir in enger Zusammenarbeit mit dem Verband Aargauer Muslime realisiert. Der Austausch war jederzeit sehr konstruktiv und der Verband hat praktisch keine Sonderwünsche gestellt.»

So werde sich die Gestaltung des Grabfeldes, das durch Böschungen vom restlichen Friedhofsgelände leicht abgegrenzt ist, an die Erscheinung der bestehenden Grabfelder anlehnen. Einzig der Abdankungstisch und der Brunnen neben dem Grabfeld sticht ins Auge. Der Brunnen wurde vom Verband gestiftet; hier können Angehörige ihre körperliche Reinigung vornehmen.

Speziell ist das Grabfeld gleichwohl, weil es so angelegt ist, dass die Gesichter der Verstorbenen genau nach Mekka ausgerichtet sein werden. «Bis heute mussten Muslime im Aargau oft auf Familiengräber zurückgreifen, wenn sie dies gewährleisten wollten», erklärt Thomas Stirnemann, Leiter Werkhof Baden. Und Stadtrat Ramseier ergänzt: «Beim neuen Grabfeld handelt es sich explizit nicht um eine Sonderbehandlung. Sondern wir setzen mit dem Grabfeld den Grundsatz, wonach alle Religionen gleich zu behandeln sind, um.»

So werde auch die Abdankungshalle den Muslimen künftig zur Verfügung stehen. Das Grabfeld bietet Platz für 170 Gräber und steht ausschliesslich Muslimen aus Baden offen. «Denn ansonsten würden wir hier auf dem Liebenfels von Anfragen überrannt», ist Stirnemann überzeugt.

Letzte Ruhe im Parkwald

Doch nicht nur das muslimische Grabfeld ging Anfang Monat in Betrieb, sondern insbesondere auch das neue Grabfeld Park. «Das Bedürfnis nach neuen, alternativen Bestattungsformen steigt», erläutert Stirnemann.

Deshalb sei im ungenutzten Parkwaldbereich mit seiner einmaligen, waldähnlichen Atmosphäre ein Grabfeld für eine einfache Aschenbeisetzung realisiert worden. Ein kleiner zentraler Platz bildet zusammen mit einem Kunstwerk von der Badener Künstlerin Ruth Maria Obrist als gemeinsames Symbol das ideelle Zentrum des Grabfeldes.

Die Namen der Verstorbenen werden in einer Messing-Band eingefügt. Etwas weiter oben wurde ein neues Gemeinschaftsgrab erstellt, da die Kapazität des bestehenden Grabes Ende 2018 ausgeschöpft ist.

Hier finden Urnen-Bestattungen statt und die Namen werden in die Messing-Stäbe eingraviert. Offiziell eröffnet werden die neuen Grabfelder am Samstag, 1. September, am «Tag des Friedhofs».