Baden
Fotoshooting im Verenahof – denn auch Ledergerber war ein Badegast

Das Fotoshooting für seine Herbst-/Wintermode hat das Modehaus im «Verenahof» gemacht. Das kommt nicht von ungefähr, denn Albert Ledergerber war ein regelmässiger Badegast im Hotel.

Roman Huber
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Walter Küng präsentiert sich an der Modeschau als entzückter Kurgast.

Walter Küng präsentiert sich an der Modeschau als entzückter Kurgast.

zvg

«Wir Gäste kontrollieren einander, wie das in Sommerfrischen üblich ist, und die Mode und Eleganz spielt dabei immer eine grosse Rolle.» Es wird dann etwas intimer: «Meine Tischnachbarin erzählt mir überschwänglich von ihrem gestrigen Einkauf in Baden.

«Kampf gegen die Grossen»

Wir berichten in loser Folge über einheimische Firmen und deren innovative Ideen im Überlebenskampf.

Zum Schluss lädt sie mich für heute Nachmittag zu einer kleinen privaten Modeschau in ihre Zimmer ein! Bin irgendwie gerührt über die mir zukommende Ehre und bin mir nicht sicher, soll ich da hingehen.»

Es sei dahin gestellt, ob die Sätze Hermann Hesse zuzuordnen sind oder dem Regisseur Walter Küng, der mit seinen Inszenierungen «Hotel offen» und «Auf der Suche nach dem Paradies», den geschlossenen «Verenahof» nochmals belebte. Für Hesse spricht, dass er anlässlich seiner Kuraufenthalte im Hotel Verenahof seine Bädergeschichten niederschrieb.

Einer der beiden Lichthöfe im «Verenahof». Die beiden Lichthöfe müssen laut Denkmalpflege erhalten bleiben. Doch was bedeutet das konkret? Für Benno Zehnder ist klar: «Der Innenhof muss als Ganzes erhalten bleiben und er muss das Licht von oben in den Raum tragen.» Der Denkmalpflege reicht das nicht: «Die beiden Lichthöfe müssen in ihrer historischen Gesamtheit erhalten bleiben – inklusive Brüstungen, Säulen und Umgänge.»
16 Bilder
Seit 2002 ist der «Verenahof» zu. 2009 kehrte für eine Nacht wieder Leben ein, als das Gebäude von Hausbesetzern – angeführt vom damaligen Juso-Präsidenten Cédric Wermuth – in Beschlag genommen wurde.
Lichthof im «Verenahof»: Laut Denkmalpflege ist wichtig, dass der Dach-Durchstich quadratisch bleibt. Eine kleinere, runde Öffnung – wie es auch schon geplant war – würde demnach nicht ausreichen.
Quellfassung im Untergeschoss des «Verenahofs». Total gibt es im Bäderquartier 18 Quellen, aus denen täglich rund eine Million Liter Wasser fliessen. Dieses ist 47 Grad warm und gehört zu den mineralreichsten in der ganzen Schweiz. Benno Zehnder möchte beim geplanten Gesundheitshotel und der Reha-Klinik im «Verenahof» mindestens eine Quelle für die Besucher sichtbar machen.
Insgesamt rund 30 solcher Bad-Abteilungen befinden sich im Untergeschoss des «Verenahofs». Diese sollen laut Benno Zehnder grundsätzlich erhalten bleiben.
Dieser Raum im «Ochsen» – es handelt sich um das «Hermann-Hesse-Zimmer» – soll in seinem historischen Erscheinungsbild erhalten bleiben. Auch der Kachelofen soll stehen bleiben.
Seit 2006 treibt Benno Zehnder, Präsident der Verenahof AG, als Bauherr die Projekte im Badener Bäderquartier voran.
Der grosszügige Speisesaal im «Verenahof» soll als solcher erhalten bleiben. Benno Zehnder: «Geplant ist hier wieder ein Restaurant.» Wenn der Saal dereinst wieder in Betrieb genommen wird, werden zwei Kronleuchter den Saal beleuchten. «Der Verkäufer hat mir diese seinerzeit beim Verkauf geschenkt; ein Leuchter hat einen Wert von 125 000 Franken.» Legendär war früher der Thermen-Brunch, für den man Wochen voraus reservieren musste.
Dass der «Verenahof» schon seit mehreren Jahren nicht mehr im Betrieb ist, sieht man an allen Ecken. Hier ein Blick in das Kellergewölbe.
Impression aus dem «Verenahof».
Blick vom Dach des «Verenahofs».
Der «Verenahof» im Innern.

Einer der beiden Lichthöfe im «Verenahof». Die beiden Lichthöfe müssen laut Denkmalpflege erhalten bleiben. Doch was bedeutet das konkret? Für Benno Zehnder ist klar: «Der Innenhof muss als Ganzes erhalten bleiben und er muss das Licht von oben in den Raum tragen.» Der Denkmalpflege reicht das nicht: «Die beiden Lichthöfe müssen in ihrer historischen Gesamtheit erhalten bleiben – inklusive Brüstungen, Säulen und Umgänge.»

Alex Spichale

Zur selben Zeit war dort auch Albert Ledergerber, Gründer des heutigen Badener Modehauses, regelmässiger Badegast. Kein Wunder, heiratete er doch alsbald die Tochter des Verenahof-Gründers Borsinger. Ob Ledergerber und Hesse sich kannten, darüber schweigt sich die Geschichte aus. Das Auge für modisch gekleidete, in spezielle Stoffe gehüllte Damen musste Schriftsteller Hesse gehabt haben. «Es ist eine Mischung», klärt Küng auf.

Ledergerber und das Exklusive

Die Umstände in ihrer Gesamtheit bewogen Brigitte Knecht, Geschäftsführerin bei Ledergerber, die Herbst-/Winterkollektion des Modehauses in den Räumen des altehrwürdigen Bäderhotels ablichten zu lassen. Daraus wurde eine spezielle Mode-Broschüre. «Die Fantasie lässt die grosse Bühne wieder aufleben und verbindet Nostalgie auf wundersame Art mit Modernität und unserem Anspruch an die zeitgenössische Mode», schreibt Knecht dazu einleitend.

Wie Kurgast Hesse die Mode im Bäderquartier erlebt haben mag, durften am Wochenende Kundinnen und Gäste von Ledergerber im Mutterhaus an der Badstrasse an einer unterhaltsamen und interessanten Modeschau erfahren. Diese hat dort Tradition. Gerade Tradition ist es auch, die ein alteingesessenes Kleidergeschäft im rauen Wind der Textil-Branche mit den internationalen Ladenketten überleben lässt.

Was im 1860 gegründeten Stoff-Engros- und Detailgeschäft in Zürich begonnen hatte, wurde in Baden sorgsam in die heutige Zeit getragen. In der Vergangenheit prägte der langjährige Inhaber Caspar Leipziger das Unternehmen, während über 50 Jahren Annemarie Wanner als Chefeinkäuferin, und seit 16 Jahren Brigitte Knecht an der Spitze des Geschäfts.

Im Modehaus, das Kleider, Accessoires und Schuhe für Frauen (sowie Wohn-Accessoires) führt, setzt man auf hochwertige Mode in unterschiedlichen Preissegmenten. Im steten Bestreben, internationale Trends nach Baden zu bringen, finden sich bei Ledergerber gut und gerne 100 bekannte Labels unter einem Dach.

Laut Knecht soll auch in Zukunft die ganzheitliche und persönliche Beratung durch Fachkräfte das Erfolgsrezept bleiben. Qualität, Exklusivität und Innovation werde gewahrt. Dadurch erreichte das Modehaus auch geografisch einen grossen Kundenkreis. Dies führte dazu, dass Ledergerber den Verkauf durch den Laden für jüngere Mode im Metro Shop und sieben weitere Geschäfte in der Region oder durch Übernahmen auf Zürcher Gebiet erweiterte.

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