Schon von Weitem ist das Lachen und Kreischen der Kinder zu hören: Mit einem Kissen versuchen zwei Buben, sich gegenseitig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wer zuerst vom Holzbalken auf die Matratzen fällt, hat gewonnen.

Etwas ruhiger zu und her geht es ein paar Meter entfernt, wo vor dem Eingang zum Untersiggenthaler Asylzentrum andere Flüchtlingskinder ihren neuen Sandkasten bemalen.

Während einer Woche ist die Berner Fachstelle «SpielRaum» mit ihrem Spielbus und einem Schreinerteam im Asylzentrum zu Besuch sind. Das Ziel ist, das Spielen wieder in den Alltag der Kinder zurückzubringen und gemeinsam Spielzeuge für eine hauseigenen Ludothek zu basteln.

Die Stiftung Pro Juventute ist mit dem Spielbus der Berner Fachstelle „SpielRaum“ im Asylzentrum Untersiggenthal zu Besuch.

Die Stiftung Pro Juventute ist mit dem Spielbus der Berner Fachstelle „SpielRaum“ im Asylzentrum Untersiggenthal zu Besuch.

Bei den rund 40 Kindern aus Syrien, Eritrea, Afghanistan oder Äthiopien, die in Untersiggenthal leben, kommt die abwechslungsreiche Woche gut an: Am Morgen haben sie schon voller Freude oberhalb des Hauses gewartet, bis die Betreuer eintrafen.

Das Projekt «Spielen ohne Grenzen» lancierte die Stiftung Pro Juventute, die sich für Kinder, Jugendliche und ihre Familien einsetzt. Seit Juni touren Pro Juventute und «SpielRaum» gemeinsam durch die Schweiz und besuchen verschiedene Asylzentren.

Für Lilo Veraguth, Geschäftsführerin von Pro Juventute Aargau, ist klar: «Spielen zu können ist für Kinder existenziell.» Dies gelte insbesondere auch für Flüchtlingskinder, die rund einen Drittel der einreisenden Asylsuchenden ausmachen. «Gerade für diese Kinder ist es wichtig, spielen zu können und damit ein Stück Normalität zu erleben.»

Unterdessen ist der Sandkasten fertig bemalt. Während die Farbe trocknet, lösen die Kinder die Kreiden aus den Plastikgläsern heraus, in welche sie die selbst gemachte Masse vor einigen Stunden zum Trocknen füllten.

Etwas lauter geht es hinter dem Haus zu und her: Dort sägen und fräsen neun Jugendliche an einem Spielhaus und einem Klettergerüst. Um das Schreinerteam zu unterstützen, reisen sie jeweils täglich extra aus Suhr an, wo sie als unbegleitete minderjährige Asylsuchende untergebracht sind.

Nach der Projektwoche können die Kinder alle Spielsachen, die sie gebastelt haben, in der neuen Ludothek ausleihen. «So wollen wir für die Flüchtlingskinder einen dauerhaften Raum zum Spielen schaffen», sagt Veraguth.