Wettingen

Fast alle Fraktionen im Einwohnerrat sind von einer Frau geführt

Fünf der sechs Wettinger Einwohnerrats-Fraktionen werden von Frauen präsidiert.

Das grösste Dorf im Aargau ist mindestens in parlamentarischer Hinsicht fest in Frauenhand. Fünf der sechs Fraktionen im Gemeindeparlament werden von einer Frau präsidiert.

Neu werden im grössten Dorf im Aargau fünf der sechs Fraktionen von Frauen präsidiert. Am 1. September übernahm Christa Camponovo das Präsidium der SP-Fraktion.

Sie ist seit Januar 2018 Einwohnerrätin und wird das Amt ab 17. Oktober gemeinsam mit Mia Gujer innehaben, der früheren Juso-Aargau-Präsidentin. Diese wird an der nächsten Sitzung im Wettinger Einwohnerrat vereidigt.

Frisch im Amt als Fraktionspräsidentin ist auch Franziska Widmer von der EVP/Forum 5430. Sie hat im Juli dieses Jahres die zurückgetretene Marie-Louise Reinert abgelöst. «In unserer Fraktion ist es ja nicht unüblich, dass Frauen dieses Amt innehaben», sagt Widmer.

Drei der fünf Mitglieder im Einwohnerrat sind Frauen. Ausserdem wird seit 2018 die SVP-Fraktion von Nationalratskandidatin Michaela Huser präsidiert, die GLP-Fraktion von Ruth Scheier-Schleiss und die FDP-Fraktion von Judith Gähler-Brunner.

Nur die CVP stellt mit Christian Wassmer einen Fraktionspräsidenten (hat aber eine Ortsparteipräsidentin). Von zwölf Personen sind in der CVP-Fraktion gegenwärtig lediglich zwei Frauen zu finden: «Wir geben uns Mühe, mehr Frauen für den Einwohnerrat zu gewinnen, aber das ist nicht so leicht», so Wassmer.

«Viele möchten entweder von Politik nichts wissen oder sagen, sie hätten keine Zeit.» Bereits heute seien sie daran, für die nächsten Einwohnerratswahlen in zwei Jahren auch mehr Frauen zu gewinnen.

«Schlussendlich müssen die vorgeschlagenen Frauen aber auch gewählt werden. Der Anteil an Frauen auf unserer Liste bei der letzten Wahl war höher, als heute im Einwohnerrat zu finden sind.»

Auch Franziska Widmer vom Forum 5430, seit 2016 im Einwohnerrat, sagt, dass es schwierig sei, Frauen für die Parlamentsarbeit zu gewinnen: «Die Rückmeldungen, die ich bisher erhalten habe, gingen nebst dem Zeit-Argument in die Richtung, dass sich die einen Frauen zwar politisch interessieren, aber nicht im Rampenlicht stehen möchten, während andere zu wenig interessiert sind oder sich ein solches Amt nicht unbedingt zutrauen.»

Sie selbst wollte aus Zeitgründen erst nicht die Nachfolge von Marie-Louise Reinert antreten. Sie arbeitet an zwei verschiedenen Schulen und studiert noch nebenbei. Am Ende übernahm sie das Amt dennoch, obwohl sie es nicht gesucht hat.

Ihr Wunsch ist, dass das Geschlechterverhältnis langfristig ausgeglichen sein wird. Denn trotz der Frauenmehrheit in den Präsidien der Fraktionen sind Frauen im Wettinger Einwohnerrat immer noch in der Minderheit; ab der nächsten Einwohnerratssitzung sind es 32 Männer und 18 Frauen.

Auch in der Fraktion SP/WettiGrüen sind von elf Personen nur vier weiblich – ab Mitte Oktober, wenn Mia Gujer in den Einwohnerrat zurückkehrt.

Auch wenn sie es schön und wichtig findet, dass in Wettingen so viele Frauen im Einwohnerrat die Fraktionen präsidieren, findet sie diesen Umstand trotzdem schon fast symptomatisch für die Gesellschaft: «Das Amt ist mit viel Organisation verbunden, bekanntlich ein Steckenpferd der Frauen.»

Ebenso wichtig wären Gujer aber auch Frauen in Kommissionen wie zum Beispiel der Finanzkommission. Aktuell sind in Wettingen dort nur Männer zu finden. In der Geschäftsprüfungskommission hingegen sitzen auch Frauen.

Dort ist das Verhältnis ausgeglichen, vier Männer und vier Frauen: «So sollte es eigentlich im ganzen Einwohnerrat sein», findet Gujer.

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