Baden

Farben und Tanz: Ein sehr persönliches Werk zum 35-Jahr-Jubiläum

In «Rondo Flamenco» spielen das Suchen und Finden einer Gemeinschaft die zentrale Rolle.

In «Rondo Flamenco» spielen das Suchen und Finden einer Gemeinschaft die zentrale Rolle.

Im Rahmen ihrer Jubiläumssaison «35 Jahre Flamencos en route» zeigt die Tanzkompanie ihre Kreation «Rondo Flamenco» im Badener Thik.

Die Frau steht verloren an der linken Bühnenseite: In Schwarz gekleidet, was den düsteren Eindruck verstärken würde, wäre nicht dieses Tuch, das die Frau umhüllt. Eines, das in einer solchen Farbenvielfalt schillert, dass man kurz die Augen schliesst, weil man geblendet ist.

Farben, ahnt man, werden wohl eine wichtige Rolle einnehmen in Brigitta Luisa Merkis Choreografie «Rondo Flamenco». Der verhaltene Beginn wird alsbald abgelöst von einer vor Einfällen nur so sprühenden Szenenfolge um Vereinzelung, Paar- und Gruppenbildung.

Sie zeigt erneut, was die Flamencos können: etwa im intimen Rahmen des Theaters im Kornhaus eine besonders intensive Spannung aufbauen. Nicht umsonst sucht Brigitta Luisa Merki das kleine Haus auf, um ihm dort ihre kammermusikalischen Produktionen anzuvertrauen.

Der Kreis steht für eine Gemeinschaft ohne Grenzen

Die neue Version von «Rondo Flamenco» zum 35-Jahr-Jubiläum von «Flamencos en route» steht dafür exemplarisch. Sechs Musiker (Gesang: Alberto Funes, Karima Nayt und Rocio Soto; Gitarre: Juan Gomez und Pascual de Lorca; Perkussion: Javier Valdunciel) bilden das Gerüst für ein Geschehen, das von den Tänzern Natalia Alcalá, Carmen Iglesias, Cristina San Gregorio, Carmen Yanes, Eloy Aguilar, Eduardo Leal und Javier Sanchez bestimmt wird.

Sie verlebendigen eine Choreografie, die vom Rondo in der Musik ausgeht: Eine Form, bei der sich das Hauptthema mit kontrastierenden Themen oder Zwischenteilen abwechselt. Im Kreis und um den Kreis bewegen sich alle. Der Kreis steht für eine Gemeinschaft ohne Grenzen und kulturelle Unterschiede.

Deshalb wird der musikalische Bogen weit gespannt mit Musik aus dem europäischen, arabischen kubanischen und argentinischen Raum. Das ist faszinierend, da diese Klänge das Werk mit neuem Schrittmaterial, Witz und Ironie befeuern.

Federleichtes Spiel mit den Geschlechterrollen

Die einsame Frau des Beginns geht vorerst vergessen, als ein Mann mit Hut die Szene betritt, um mit Gesten und Schritten sein Machogehabe aufzupolieren. Die dazu stossende Partnerin bricht diesem aber die Spitze, indem sie sich den Hut aufsetzt. Hallo, scheint sie in diesem Moment zu sagen, unterschätze mich nicht.

Ein verbissener Geschlechterkampf ist das nicht; vielmehr ein federleichtes Spiel mit den Geschlechterrollen. Die Sängerin Karima Nayt in schwarzem Chiffon und mit rotem Béret erfüllt etwa die Rolle einer Chansonnière perfekt, bis deren Koketterie jäh einer Eindringlichkeit Platz macht, die – wer weiss – zu einer Klage gehört.

Man darf hier und an weiteren Stellen rätseln, wobei einem stets bewusst ist: Um in den Kreis zu gelangen, bedarf es vieler Wege – etwa über die Partnersuche. Eine solche zeigt Merki in einer anrührenden Szene, bei der die Farbe wiederum eine Rolle spielt.

Rot ist das Tuch, mit dem eine Tänzerin spielt. Sie entfaltet es so, bis es zu einem Vorhang wird, hinter dem sie und ein Mann einander näher kommen. Auch dieses Paar wird später in die Gemeinschaft drängen. Diese verharrt mal an Ort und Stelle oder fegt über die Bühne.

Ende untermauert den Eindruck der Lebensbejahung

Was wären die Flamencos-Produktionen ohne ihre Kostümbildnerin Carmen Perez Mateos? Auch sie macht «Rondo Flamenco» zu einem Fest. Kann es sein, dass wir auf dem Kostüm einer Tänzerin sogar rote Lippen entdecken? Alles ist möglich in einer Choreografie, die mit ihrer Lebensbejahung zu den persönlichsten Werken von Brigitta Luisa Merki zählt.

Das Ende untermauert diesen Eindruck. Herausgefordert von Rocio Sotos Gesang, kehrt die Tänzerin des Beginns zurück. Und was passiert? Sie legt ihre Trauer ab und findet im gelösten Tanz zu sich selbst und in die Gemeinschaft.

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