Die beste Sicht auf die Eröffnungsfeier des 16. Fantoche im Trafo hätten gestern Abend wohl die Hotelgäste des angrenzenden Trafo Hotels gehabt, blickt man doch aus nicht wenigen Hotelzimmern direkt in die Halle 37. Doch bei ausnahmslos allen Zimmern waren die Jalousien heruntergelassen – ein Fehler, wie die knapp einstündige Eröffnungsfeier zeigen sollte.
Denn das Internationale Festival für Animationsfilm wurde gewohnt schrill, schräg und witzig eröffnet. Hierzu eignete sich das Thema «Doucement Sexy» denn auch hervorragend. Stadtammann Markus Schneider sprach als Erster zu den rund 400 Gästen, Filmschaffenden und Sponsoren. «Ich begrüsse sie hier in unserer kleinen, aber feinen Kulturmetropole.»

Dank dem Fantoche werde die Stadt Baden noch einen Tick internationaler. «Ich freue mich auf ein sinnliches, ja vielleicht himmlisches Fantoche», so Schneider in Anspielung an die vier auf der Bühne anwesenden Engel in Gold. «Ich wünsche Ihnen allen viel Spass vor den Leinwänden und natürlich vor allem auch in den Gassen unserer lebensfrohen Stadt.»
Ehe Moderatorin Jane Mumford das Wort an den Badener Regierungsrat Stephan Attiger weiterreichte, sinnierte sie über das Motto, welches ja durchaus auch der Politik anzutreffen sei, wenn sie nur etwa an den US-Präsidenten denke oder an CVP-Politiker, die sich auf wundersame Weise vermehren, respektive fortpflanzen würden. Und auch die Politik in der Stadt Baden habe ihre ganz persönliche «Doucement-sexy-Geschichte, so Mumford mit einem Augenzwinkern.

Stadtammann Schneider eröffnet das Fantoche

Stadtammann Schneider eröffnet das Fantoche

Letztes Jahr ein Besucherrekord

Ob sich Alt Stadtammann Attiger dabei angesprochen fühlte, bleibt offen. Auf alle Fälle lobte er das Fantoche in höchsten Tönen. «Sogar letztes Jahr, als in Baden die Badenfahrt stattfand, hatte das nicht den befürchteten Besuchereinbruch zur Folge. Im Gegenteil: Mit rund 26 000 Besuchern verzeichnete das Festival einen neuen Rekord.» Das Fantoche sei das beste Beispiel für Kulturvermittlung, die Jung und Alt anspreche. Tatsächlich sind rund ein Drittel der Fantoche-Besucher unter 26 Jahre alt. Attiger: «Das ist unsere Zukunft; das Festival zeigt das ganze Potenzial auf.» Und vor allem an dieses junge Publikum gerichtet, sagte Attiger zum Schluss: «Ziehen sie sich am Fantoche möglichst viele Filme rein.»

Als letzte Politikerin – wieso treten eigentlich bei der Fantoche-Eröffnung immer so viele Politiker auf, fragt sich der Chronist – sprach die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer (SP) zu den Gästen und verriet mit einem Augenzwinkern gleich auch den Grund für ihr Kommen. «Bei diesem Festivalthema wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, wie sich Markus Schneider und Stephan Attiger präsentieren.» Um dann hinzufügen, dass sie ein grosser Fan des Fantoche sei und dieses Jahr zum ersten Mal mit ihren Mädchen Filme anschauen werde.

73 Filme im Wettbewerb

Etwas nachdenklichere Töne schlug Festivalleiterin Annette Schindler an. Frauen kämen in der Schweizer Filmförderung im Vergleich zu ihren Branchenkollegen viel zu kurz. So würden zwar rund 40 Prozent der Filme von Frauen gemacht, diese würden aber nur rund 20 Prozent aller Fördergelder erhalten. «Und an der Berlinale schaffte es gerade einmal ein Film in den Wettbewerb, was vier Prozent ausmacht.

Bei uns am Fantoche sind hingegen knapp die Hälfte aller eingereichten Filme von Frauen gemacht», sagte Schindler stolz. «Wir wollen denn am Fantoche auch ganz bewusst den Frauen eine Stimme geben; es werden in allen Winkeln des Festivals die Stimmen von Frauen zu hören sein: von Kuratorinnen, weiblichen Jury-Mitgliedern, von vielen Filmemacherinnen und sogar von einer Pfarrerin.» Zum Schluss wünschte Schindler allen Anwesenden «sinnvolle, frivole Seherlebnisse».

Das Fantoche dauert bis Sonntagabend. Insgesamt werden 264 Kurz und Langfilme gezeigt; darunter die 73 Kurzfilme im Wettbewerb. Lettland ist dieses Jahr «Gastland» in Baden.