Baden

Fantoche-Direktorin zieht positive Bilanz: «Ich bin kein Fan von immer neuen Besucherrekorden»

«Wir haben 13 verschiedene Schutzkonzepte angewandt», sagt Direktorin Annette Schindler.

«Wir haben 13 verschiedene Schutzkonzepte angewandt», sagt Direktorin Annette Schindler.

Annette Schindler, Direktorin des Badener Filmfestivals Fantoche, spricht im Interview über Maskenverweigerer, Eintrittszahlen und fehlende Apéros.

Das erste Fantoche-Festival unter Coronabedingungen ist zu Ende. Wie geht es Ihnen am Tag danach?

Annette Schindler: Die Anspannung hat sich gelegt. Sie war vor allem vor dem Festival gross. Die Vorbereitung war anspruchsvoll, vieles war anders als unter normalen Bedingungen. Aber nach dem ersten Tag haben wir alle den gewohnten Festivalrhythmus gefunden. Jetzt geht es uns allen gut. Wir sind gesund und wohlauf. Persönlich bin ich sehr dankbar, konnten wir das Festival durchführen.

Haben sich die Leute an die Coronamassnahmen gehalten?

Ja, die Massnahmen waren richtig und sie haben funktioniert. Die Leute konnten damit umgehen, sie haben sich an die Vorgaben gehalten und sie haben sich rücksichts- und verantwortungsvoll verhalten. Eine Person hat sich über die Maskenpflicht beschwert. Ich denke, bei rund 15000 Eintritten ist das vernachlässigbar. Das Festival fand in einem kontrollierten Rahmen statt, aber erst dieser Rahmen hat die Durchführung möglich gemacht.

Mussten Sie während des Festivals Anpassungen vornehmen?

Wir haben das Konzept so durchgezogen, wie wir es zu Beginn kommuniziert hatten. Aber eigentlich muss man von mehreren Konzepten reden. Wir haben insgesamt 13 Schutzkonzepte ausgearbeitet. Jede Lokalität hatte ihr Eigenes. Wir schauten Ein- und Ausgange an, die ­Fläche und vieles mehr. Auch wurden je nach Lokalität Kino- oder Museumsrichtlinien angewandt.

Wie zufrieden sind Sie mit den 15'800 Eintritten?

Die Zahl fühlt sich unter den gegebenen Umständen sehr gut an. Einige Events waren maximal ausgelastet, andere weniger gut besucht. Wenn man schaut, wie andere Veranstalter oder Branchen leiden, können wir uns nicht beklagen.

Die Bilder von der Preisverleihung:

Es waren 10'000 Eintritte weniger als 2019.

Ich bin kein Fan von immer neuen Besucherrekorden. Es geht um Qualität, nicht Quantität. Haben sich die Leute bei uns wohlgefühlt? Haben sie wertvolle Erfahrungen gesammelt? Aber natürlich haben uns die internationalen Gäste in diesem Jahr enorm gefehlt.

Einige sind dennoch ­gekommen.

Nicht wenige Filmemacher sind trotz Reisewarnungen für die Schweiz und Quarantänepflicht bei ihrer Rückkehr nach Baden gereist. Sie betonten, wie sehr sie es vermisst haben, Filme auf der grossen Leinwand zu sehen und sich auszutauschen. Die Freude darüber, dass Fantoche durchgeführt werden konnte, hüllte das ganze Festival fünf Tage lang in ein warmes Gefühl.

Wie viele Leute nutzten das erstmalige Onlineangebot von Fantoche?

Die bisherige Auswertung zeigt, dass rund 500 Tickets à 5 Franken für Onlinestreaming gekauft wurden. Damit sind wir zufrieden und es ist gut möglich, dass wir dieses Angebot ausbauen werden. Onlineangebote bieten eine Möglichkeit, sich abzusichern, falls im letzten Moment Restriktionen den physischen Anlass gefährden.

Was sind Ihre Hoffnungen für das Fantoche 2021?

Ich habe realisiert, wie sehr den Menschen das soziale Zusammensein fehlte. So haben wir zum Beispiel alle Apéros absagen müssen. Das tat den Leuten weh und ich hoffe, es geht nächstes Jahr wieder. Aber es wäre naiv, zu denken, dass alles wieder normal sein wird. Wir haben nun Erfahrungen unter diesen Bedingungen sammeln können. Das Fantoche hat eine gute Grösse, um flexibel zu sein. Diese Flexibilität ist nicht einfach, aber wir haben einen guten Weg gefunden.

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