Nussbaumen

Familientradition: Ernst der III. hat das Zepter übernommen

Seit 140 Jahren werden die Geschicke des Restaurants und Hotels Neuhaus in Nussbaumen von der Familie Meier geleitet.

Angefangen hatte alles anno 1873, als der damals 45-jährige Andreas Meier in seinem Heimatort Nussbaumen ein Bauernhaus baute. Das Land hatte er für 41 Rappen pro Quadratmeter erworben.

1879 erteilte ihm der Regierungsrat die Bewilligung, eine Pintenwirtschaft mit Ausschank von Most und Wein zu betreiben; elf Jahre später folgte jene für Bier. Weil damals bereits das nachmalige Restaurant «Waage» als Pintenwirtschaft betrieben wurde, nannte Armin Meier seine Gaststätte am Kirchweg 13 «Neuhaus-Pinte».

Damit war der Grundstein für eine Familientradition gelegt, die heute von der fünften Generation Meier gepflegt wird. Nach dem Tod von Andreas Meier hatte 1895 dessen Sohn Armin «s’Neuhus» übernommen.

1917 gab er die Landwirtschaft auf und baute ein Speisesäli für 40 Personen. Als Armin nur 59-jährig starb, hinterliess er zwei Töchter und drei Söhne. Der mittlere, Ernst, trat 1933 in die Fussstapfen des Vaters. Er kaufte 1942 das Restaurant von der Erbengemeinschaft, baute den Saal um und eine Kegelbahn ein.

In der «Neuhaus»-Küche stand seine Frau Bertha, eine gebürtige Untersiggenthalerin. Ernst ging einer Zweittätigkeit bei der BBC nach, die Restauranteinnahmen gaben damals zu wenig her für die junge Familie.

Zweifacher «Eidgenoss»

Indem er seinen 1935 geborenen Sohn ebenfalls Ernst taufte, wurde er zum Urheber einer weiteren «Neuhaus»-Meier-Tradition: 1967 übernahm Ernst II. das Restaurant. Als sehr kontaktfreudiger, weitherum bekannter und beliebter Wirt sowie leidenschaftlicher Schwinger und zweifacher «Eidgenoss» führte Ernst II. den Landgasthof zusammen mit seiner Frau Sophie bis im Jahr 2001. Mit seiner starken Präsenz in der «Beiz» prägte er das Gesicht des «Neuhaus» stark.

Seine Gattin Sophie hatte drei Kindern das Leben geschenkt. Monika (heute 50) absolvierte nach einer Kochlehre die Hotelfachschule; Ernst (48) wurde Journalist und Christina (43) Kauffrau. 2001 ging das Neuhaus an Monika über. Mit ihrem Mann Peter Lustenberger führt sie seit 1995 das renommierte Hotel Storchen in Schönenwerd; das «Neuhaus» verpachteten sie.

Nach der Übernahme liessen sie den Gastrobereich grosszügig renovieren und die beiden Säli in einen gehobenen Restaurant-Teil umbauen. 2009 folgte die Umwandlung der Wirte-Wohnung und der Mitarbeiter-Zimmer im Obergeschoss in zwölf Hotelzimmer im 3-Sterne-Bereich, die Kegelbahn wurde in einen Sitzungs- und Seminarraum umgebaut.

«Die klassische Landbeiz rentiert heute kaum noch ohne Hotel. Unser Ziel ist es denn auch, diesen Bereich möglichst bald auszubauen», so Peter Lustenberger. Als der letzte Pächter, Cédric Bohn, nach nur zwei Jahren das «Neuhaus» wieder verlassen wollte und die Suche nach einem Nachfolger keinen valablen Geranten brachte, war guter Rat nicht teuer, sondern wurde umgehend zur Familien-Rat-Zusammenkunft.

Zurück zu den Wurzeln

Irgendwo zwischen wohl überlegt und spontan entschied Ernst daraufhin, den Journalistenjob an den Nagel zu hängen. Dieser hatte den studierten Betriebsökonomen in den vergangenen 20 Jahren von Tele M1 über die «Aargauer Zeitung», «Zentralschweiz am Sonntag» und «Zuger Zeitung» 2017 in die Wirtschaftsredaktion des «Tages-Anzeigers» geführt.

«Ich hatte dazwischen immer wieder temporär im Service gejobbt; bei meiner Schwester, an Caterings oder VIP-Anlässen wie beispielsweise dem ‹White Turf› in St. Moritz», erinnert er sich schmunzelnd. Daneben bildete er sich mit einem Intensiv-Kurs an der Barfachschule in Zürich weiter.

Vor zwei Wochen nun hat Ernst III. das Zepter im «Neuhaus» übernommen. Damit sicherte er den bisherigen vier Mitarbeitenden mit Küchenchef Sascha Bart und der langjährigen Küchenangestellten Heidi Monteiro (seit 29 Jahren im «Neuhaus») die Anstellung. Im Service kam sogar noch eine neue Stelle hinzu.

Treffpunkt für die Dorfbevölkerung

Schwester Monika und ihr Mann als erfahrene Hotelier und «Neuhaus»-Besitzer stehen Ernst III. mit Rat und Tat zur Seite. Auf seine Aufgabe als neuer «Neuhaus»-Gastgeber hat er sich mit viel Engagement vorbereitet.

Begeistert erwähnt er das Rahmschnitzel mit Nudeln, das 450 Gramm schwere Cordon bleu und die «Neuhaus»-Bratwurst von Störmetzger Josi Meier aus Kirchdorf, die sich nebst Flammkuchen, hausgemachter Pasta und vielem anderem auf der Karte finden.

«Mittags bieten wir sechs verschiedene Menus an – alle mit Suppe und Salat. Mit besonderer Sorgfalt und Leidenschaft haben wir auch unsere Weinkarte zusammengestellt.»

Das Neuhaus soll aber nicht nur Speiserestaurant sein, «sondern auch ein Treffpunkt für das Dorf – und Stammlokal für Vereine, junge Menschen, Pensionierte und Jassfreunde.» Dafür hat Ernst die Inneneinrichtung leicht angepasst. Hinzu kamen ein Hochtisch und eine Lounge mit drei Sofas und TV-Ecke.

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